Stealthing: Wenn Männer heimlich das Kondom wegziehen

Wie schrecklich! In den letzten Jahren hat sich ein besorgniserregender „Trend“ abgezeichnet: Stealthing! Stealthing (auf deutsch: heimlich) bezeichnet das heimliche Abziehen des Kondoms vom Mann, während des Sexs. Was es damit genau auf sich hat und warum es so gefährlich ist, erfahrt ihr hier:

Stealthing – ein gefährlicher „Sextrend“

Das Wort Sextrend ist absichtlich in Anführungszeichen gesetzt. Denn es handelt sich beim Stealthing keineswegs um einen Sextrend. Der Begriff Stealthing leitet sich aus dem Englischen „Stealth“ ab, was so viel bedeutet wie Heimlichkeit. Bei dieser Praktik streift der Mann nämlich heimlich das Kondom ab ,während es im Bett zur Sache geht, um in der Partnerin zu ejakulieren. Sie bemerkt das Ganze leider erst nach dem Sex. Man fragt sich bestimmt, wie man sowas nicht bemerken kann? Aber das ist gar nicht so schwer; man ist ja abgelenkt und bei manchen Stellungen hat man sowieso kein Auge mehr für das Kondom. In eben diesen Momenten kann Mann die Situation ausnutzen. Dies ist nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern vor allem Missbrauch und eine Straftat!

In den meisten Fällen passiert Stealthing während One-Night-Stands, denn die Folgen der Tat sind den Männern meistens schnurzpiep egal und nach einer Nacht sind sie eh über alle Berge. Die Leidtragenden in der Situation sind am Ende wir Frauen. Zum einen können wir ungewollt schwanger werden, und zum anderen sind wir nicht mehr vor Geschlechtskrankheiten geschützt. Von der psychischen Belastung ganz zu Schweigen.

Stealthing ist strafbar – sofern man es beweisen kann!

Beim Stealthing handelt es sich nicht nur um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat. Ende 2018 wurde zum ersten Mal ein Mann zu 8 Monaten auf Bewährung und 3.000 € Strafe verurteilt. Der 21-Jährige aus Berlin hatte beim Sex heimlich das Kondom abgezogen, obwohl seine Sexpartnerin vorher ausdrücklich betont hat, nur mit Kondom Sex haben zu wollen. Chat-Protokolle bestätigten im Nachhinein ihren Wunsch. Daraufhin entschied das Gericht, dass es sich hierbei zwar nicht um einen Missbrauch handle, denn der Sex an sich war ja einvernehmlich, jedoch um eine unerlaubte sexuelle Handlung.

Diese Verurteilung ist logisch, würde man denken. Tatsächlich ist die Verhandlung in Stealthing-Fällen aber deutlich komplizierter und vor allem noch Neuland. Das Problem liegt nämlich in der Beweisvorlegung. Denn wer kann schon beweisen, dass das Kondom nicht aus Versehen abgerutscht ist, nachdem die Tat vom Mann begangen wurde? Es steht also Aussage gegen Aussage.

Das Schweizer Gericht zum Beispiel spricht im Fall von Stealthing von einer Gesetzeslücke. Ohne handfeste Beweise kann man nicht von einer Schändung der Frau im juristischen Sinne sprechen. Stealthing wurde im Folgenden als „moralisch verwerflich“ bezeichnet und in den Bereich der List und Täuschung gelagert – leider ein bisher strafrechtlich nicht erfasster Bereich.

Anfang 2019 wurde daher in der Schweiz ein 20-jähriger Student freigesprochen. Das Gericht begründete seine Entscheidung, dass der Sex einvernehmlich gewesen und das Abstreifen des Kondoms lediglich eine „Missachtung der Spielregeln“ gewesen sei. Die Frau konnte die Tat nämlich nicht beweisen.

Auch wenn die Rechtslage ohne Beweise zur Zeit noch nicht gerade vielversprechend klingt, so sind die Verhandlungen diesbezüglich noch nicht abgeschlossen. Daher ist es ganz wichtig, nicht zu schweigen. Solltest du also Opfer von Stealthing werden, dann geh zur Polizei und sprich dich für DEINEN Körper und DICH aus. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen und zum Ausdruck zu bringen „Das lasse ich nicht mit mir machen!“. Denn es steckt so viel mehr dahinter als eine Missachtung der Spielregeln…

Stealthing hinterlässt Wunden

Wenn im intimsten Moment zwischen Mann und Frau, sei es bei einem One-Night-Stand oder generell, heimlich das Kondom gegen die Einwilligung abgestreift wird, ist das nicht nur respektlos, sondern auch missbräuchlich und entwürdigend. Der Mann riskiert nämlich ganz bewusst, die Frau zu schwängern und mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren.

Viele Opfer sprechen daher im Nachhinein von einer Form der Vergewaltigung und einem Übergriff auf ihren Körper. Dass dadurch ein psychischer Druck entsteht, ist mehr als verständlich. Die promovierte Juristin Alexandra Brodsky von der Universität Yale führte hierzu eine Studie durch und unterhielt sich ausführlich mit Opfern des Stealthing. Neben der Furcht vor Schwangerschaften lag eine besondere Betonung auf der psychischen Belastung, mit der im Nachhinein gekämpft wird. Durch das heimliche Entfernen des Kondoms haben sich die Männer rücksichtslos über den weiblichen Körper und den freien Willen hinweggesetzt. Man spricht hier also von einer Sexualmacht und Demütigung, mit der die Opfer teils lange zu kämpfen haben.

Warum gibt es Stealthing überhaupt?

Über allem steht die Frage, warum? Was bewegt Männer dazu, sich so zu verhalten, wenn es doch offensichtlich nicht moralisch vertretbar ist? Die Gründe für Stealthing sind weitaus perfider als ein stumpfer Gedanke wie „Mit Kondom fühlt es sich halt nicht echt an“. Das zumindest geht aus Online-Foren hervor. Ja, ihr habt richtig gelesen – es gibt Foren, in denen sich Männer Tipps zum Stealthing geben und sich austauschen. Es scheint manchen scheinbar um einen perversen „Kick“ zu gehen. Das Verbotene zieht bekanntlich viele in seinen Bann. Weitere Motive können Frauenfeindlichkeit und ein geringes Selbstbewusstsein sein. Letzteres, weil das Ausüben der Macht hier eine zeitweise Stärkung des Selbstbewusstseins hervorruft. Die Macht über das „schwächere“ Geschlecht, uns Frauen also, zu dominieren, ist einer der stärksten Beweggründe. Dies geht aus vielen Gesprächen der Foren hervor, so die Zeit Online.

So kannst du dich gegen Stealthing schützen

Leider gibt es keinen richtigen Schutz, da der Täter die Situation ja in seinen Händen hat. Dennoch gibt es ein paar Ratschläge, die dir vielleicht helfen:

Frauenkondome:

Dreht den Spieß doch einfach um und greift bei One-Night-Stands zu Frauenkondomen. Gerade wenn man den Gegenüber nicht einschätzen kann, kann es zu einem stärkeren Gefühl der Sicherheit führen. Denn das Kondom kann vom Partner nicht mal eben unbemerkt aus der Scheide entfernt werden.

Vertraue dir selber:

Lerne mehr auf dein Bauchgefühl zu hören! Meistens hat man eine Intuition, wenn man jemanden kennenlernt, und meistens stimmt sie. Leider neigen wir oft dazu, dieses Gefühl zu ignorieren, wenn wir umgarnt werden. Von daher, achte mal darauf, was deine Intuition dir sagt.

Mach deinen Mund auf: Erstatte sofort Anzeige, wenn es zum Stealthing gekommen ist. Und wenn du es schaffst, versuche, unmittelbar nach dem Sex einen Beweis zu bekommen. Denn der Täter sollte unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Thema Stealthing ist sicherlich nicht so einfach zu lösen, am Ende ist aber der beste Schutz: Gehe nur mit ins Bett, wenn du demjenigen oder denjenigen vertrauen kannst. Damit schützt du nicht nur deinen Körper, sondern auch dein Herz und Wohlbefinden, und die Freude am Sex geht nicht verloren.

Und ganz wichtig: Befindest du dich in der schrecklichen Lage und wurdest selbst Opfer des Stealthing, dann sprich mit einem Anwalt, suche dir seelische Unterstützung und friss das Geschehene nicht in dich hinein.

Antonia

Gebürtige Hamburgerin aus einer niederländischen Großfamilie, in der es von Kindern nur so wuselt. Seit ich denken kann, habe ich auf Babys aufgepasst und daher einiges über sie und über das Leben mit ihnen lernen können. Seit Sommer 2019 arbeite ich als Freelancer bei „Echte Mamas“ und bin stolz, ein Teil des Unternehmens sein zu dürfen!

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