Späte Einschulung: „Ich schenke meinem Kind ein Jahr Kindheit.”

„Ich bin Mama von einer Tochter. Für mich war es sehr schwer, ein Kind zu bekommen und mein Mann und ich hatten sechs Jahre lang einen unerfüllten Kinderwunsch, bis es dann über eine Kinderwunschklinik endlich geklappt hat. Mein kleines Mädchen ist inzwischen schon gar nicht mehr so klein. Das wurde mir so richtig bewusst, als neulich das Schreiben von der Grundschule im Briefkasten lag, dass sie eingeschult werden kann.

Sie hat am 04.08. Geburtstag und ist damit ein „Darf”-Fall in unserem Bundesland.

Ich habe also die Wahl und habe mich direkt dafür entschieden, mein Kind noch ein Jahr länger im Kindergarten zu lassen. Ich arbeite nur an drei Tagen in der Woche und kann sie oft zuhause behalten, wenn sie keine Lust auf den Kindergarten hat. Für mich ist es wichtig, dass sie so lange wie möglich Kind sein darf. Nicht umsonst heißt es so oft, dass mit der Schule der Ernst des Lebens beginnt.

Wir basteln zusammen, besuchen Oma und Opa oder den Papa in der Firma, der sein eigener Chef ist. Ich finde es toll, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen können. Stundenpläne oder Hausaufgaben liegen noch in der Zukunft. Sie kann auch bereits ihren Namen schreiben und die ersten Rechenaufgaben lösen, sie hat sehr viel Spaß am Lernen und fragt mich Löcher in den Bauch.

In meinem Umfeld gibt es Unverständnis, dass ich sie noch nicht einschulen lasse.

Mein Mann und ich sind uns einig, aber seine Eltern und befreundete Eltern aus dem Kindergarten haben das Thema mehrfach angesprochen. Es kommen dann Aussagen wie: ‚Das ist doch schade, wenn sie nicht richtig gefördert wird‘, ‚sie wird sich im Kindergarten langweilen‘ oder ‚sie wird alle ihre Freunde verlieren‘. Ich finde, das ist Quatsch. Ihre besten Freunde sind aktuell unsere Nachbarskinder, die sowieso noch nicht eingeschult werden.

Außerdem ist meine Tochter sehr kontaktfreudig und wird in der Schule ganz bestimmt schnell neue Freundschaften knüpfen. Ich zweifele gar nicht daran, dass sie auch schon jetzt in der Schule zurechtkäme, aber ich sehe keinen Sinn darin, sie so früh einzuschulen. Sie wäre vermutlich eine der Jüngsten, vielleicht sogar die Jüngste, während sie dann nächstes Jahr zu den Älteren gehört.

Ich selbst habe Ende Mai Geburtstag und war früher eine der Jüngeren in meiner Klasse.

Ich fand es immer doof, dass viele andere älter und teilweise dadurch auch größer und stärker waren. Ständig hatte ich das Gefühl, zu spät dran zu sein: Bei meiner ersten Periode, beim Führerschein… dabei waren die meisten aus meiner Klasse einfach etwas älter.

Für unsere Familie ist es ganz bestimmt die richtige Entscheidung, dass unsere Tochter noch ein bisschen mehr Zeit bekommt, die sie ohne schulische Verpflichtungen genießen kann. Durch ihr Geburtsdatum habe ich die Möglichkeit, ihr noch ein Jahr Kindheit zu schenken und die nutze ich gerne.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt. Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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kathrin
kathrin
1 Monat zuvor

Hallöchen, wir leben in Sachsen und auch wir haben uns entschieden das unsere kleine noch ein Jahr länger in die Kita gehen soll, leider sind die Behörden da andere Meinung. Unsere kleine hat am 24.06. Geburtstag und der Stichtag ist der 01.07. es geht quasi um paar tage. Wir haben die Rückstellung beantragt weil sie auch einige Sprachstörungen hat die bereits in der Logo behandelt werden. Ich bin gespannt wie sich das Schulamt hier entscheidet. Wir hoffen und wünschen es das sie noch ein jahr zuhause bleiben kann. Zumal sie bereits in der Gruppe ist die nächstes Jahr in die Schule erst geht. ( wir hatten die Kita gewechselt)

Maria
Maria
1 Monat zuvor

Ich finde es unglaublich anstrengend, dass bei diesem leidigen Thema immer alle Eltern ihre Entscheidungen so pauschal als die beste überhaupt hinstellen.

Unser Großer ist mit 6 zur Schule gekommen. Er wollte im Winter vorher schon nicht mehr in die Kita und zu Hause ständig Schule spielen. Er konnte etwa Mitte der ersten Klasse halbwegs flüssig lesen und gut rechnen. Jetzt ist er in der zweiten Klasse und liest mit Betonung Punkt und Komma mit, er rechnet +, -, x mit relativ hohen Zahlen, spielt von Anfang an gerne im Hort und macht seine Hausaufgaben freiwillig und gut, obwohl er einer der jüngsten, kleinsten und schmächtigsten Jungs in seiner Klasse ist, fühlt er sich sehr wohl. Wir haben ihm geschenkt, sich weiter entwickeln zu können. Die ersten Schuljahre haben nun wirklich Nix mit dem Ernst des Lebens zu tun… Ihr schenkt eurem Kind nix, wenn das Schuleintrittsdatum nicht am Kind sondern am Bedürfnis der Erwachsenen ausgemacht wird…

Der Kleine ist sogar ein spätes Augustkind, wahrscheinlich kommt er später zur Schule, sonst wäre er am Anfang noch 5 Jahre, aber wir werden dann sehen, wie er es uns vorgibt.

Sandra
Sandra
1 Monat zuvor

Hätte ich auch nicht anders gemacht. Die Verantwortung kommt früh genug. Lasst die Kinder einfach Kinder sein.

Michaela
Michaela
1 Monat zuvor

Oh wie schön endlich einmal die richtigen Worte. Ich habe zwei September Kinder. Und ein Januar Kind. Meine große ist im Januar sechs geworden und freut sich sehr bald ein Schulkind zu sein. Sie wird mit einer der großen in ihrer Klasse sein und das finde ich gut. 😌 ich kenn viele Beispiele von befreundet en Familien aber auch innerhalb der Familie die ihre Juli oder August Kinder zeitig mit sechs oder in meinen Augen „zu früh“ eingeschult haben. Ein Kind wiederholt aktuell die erste Klasse weil er es einfach nicht geschafft hat. Und das andere Kind verweigert alles nach der Schule. Sie schafft es mitzukommen aber nachmittags fehlen ihr die Reserven und sie verweigert die Hausaufgaben. Jeder Tag ein Kampf.

Jeder kann sein Kind am besten einschätzen aber warum den Kindern nicht die Chance geben kognitiv und emotional gefestigter weil älter in die Schule zu gehen. Dieses eine Jahr ist so wertvoll. Und keiner kann sagen das es schlimm wäre dann einer der großen zu sein und eben nicht frustriert zu sein weil man es nicht schafft. Weil der Druck kommt auch von den Eltern und der restlichen Familie oder das man im schlimmsten Fall zurück in den Kindergarten muss ( kenne ich leider auch) und mit diesem scheitern leben muss. Man ist immer die die an der Abschlussprüfung vll noch nicht 16 ist und früher geholt wird oder nicht mit darf.

Lasst den Kindern Zeit zum Spielen und reifen. Und lasst euch nicht von außen beirren. Ich wünsche meinen Kindern eine erfolgreiche Schulzeit und mit einem Jahr warten setzt ich meiner Meinung nach den besten Grundstein. Schön das man als Eltern hier die Möglichkeit bekommt.