„Natürlich erzähle ich Schwangeren alle Details meiner schwierigen Geburt!“

Werdende Mamas sind häufig voller Fragen, Unsicherheiten und Ängste. Und natürlich googeln sie deswegen oder bitten Frauen, die schon ein Kind bekommen haben, um Rat. Total verständlich! Wieviel diese dann allerdings erzählen, ist eine echte Glaubensfrage. Ist man ganz ehrlich und erwähnt auch die nicht so schönen Seiten der Geburt – mit dem Risiko, die andere noch mehr zu ängstigen? Oder beschönt man seine eigenen Erlebnisse lieber?

Unsere Echte Mama Nadine (echter Name ist uns bekannt) aus Dresden hat dazu ihre ganz eigene Meinung. Die 37jährige hat uns erzählt, wie sie die ganze Sache so hält:

„Bevor ich mit meinem Sohn schwanger war, hatte ich mich nicht wirklich mit Geburten auseinandergesetzt. Warum auch!? Ich habe nur einen kinderlosen Bruder und war unter meinen Bekannten die erste, die schwanger wurde. Deswegen habe ich das Ganze nie ,aus der Nähe` mitbekommen.

Als ich den positiven Test in der Hand hielt, war ich unglaublich glücklich.

Ich hatte die ersten Wochen aber auch wenig Zeit, mich mit dem ganzen Thema Schwangerschaft und Geburt auseinanderzusetzen, weil ich bei der Arbeit noch ein großes Projekt fertigstellen musste. Als dieses abgehakt war, konnte ich mich entspannen und hatte endlich den Kopf frei für all das, was mich erwarten würde. Ich shoppte Babysachen, suchte vorbildlich früh, wie ich fand, nach einer Hebamme… Und wirklich, erst im Zuge dieser Vorbereitungen begann ich ganz allmählich, mir auch über die Geburt Gedanken zu machen. Wie schlimm würde es werden? Oder sogar schön? Woher wüsste ich denn, was genau ich zu tun hätte? Und, und, und.

Die einzige, die ich fragen konnte und sollte, war meine eigene Mutter.

Und die sagte: ,Oooch, es tut natürlich ein bisschen weh. Aber dass die Frauen in den Filmen dabei immer so schreien… Das verstehe ich nun nicht. Außerdem ist alles wieder sofort vergessen, wenn du deinen Schatz dann siehst!‘ Ich glaubte ihr und war total erleichtert. Was ich dabei großzügig übersah: Die Tatsache, dass meine Mama megahart im Nehmen ist.

Egal, ich sah der Entbindung meines Sohnes entspannt entgegen und das war natürlich etwas Schönes.

Aber dann war es soweit und nein, meine Geburt war alles andere als schön oder entspannt. In den letzten Wochen entwickelte ich eine Schwangerschaftsvergiftung und lag im Krankenhaus, bis meine Werte schließlich so schlecht waren, dass die Geburt eingeleitet wurde. Ich hatte wirklich ewig starke Wehen, nichts tat sich.

Irgendwann war ich am Ende meiner Kräfte und bat um einen Kaiserschnitt.

Die Ärzte meinten, dass dieser Wunsch nur der Extremsituation geschuldet war und ich es später bereuen würde – ich würde es auch ohne OP schaffen! Am Ende kam mein Sohn – per Kaiserschnitt. Und als man ihn mir auf die Brust legte, wollte ich ihn nach der ganzen Tortur erstmal gar nicht wirklich sehen. Heute schäme ich mich dafür und dieses Gefühl wich zum Glück schon nach ein paar Stunden einer tiefen Liebe. Aber der berühmte erste Moment zusammen, den habe ich nicht gebührend genossen.

Das alles ist inzwischen schon rund acht Jahre her, mein Sohn und ich sind völlig gesund und glücklich und zusammen mit meinem Mann eine harmonische Familie. Ganz vergessen kann ich die Geschehnisse rund um seine Geburt aber wohl nie.

Erst ein paar Jahre nach mir begannen meine Freundinnen, nach und nach schwanger zu werden. Ich fand es toll, diese Aufregung wieder miterleben zu können – ganz ohne eigene Sorgen.

Natürlich fragten sie mich nach meinen Erfahrungen.

Ob ich mich noch erinnern könne, wie die Geburt so war? Ja, durchaus. Na, und wie? Das erste Mal zögerte ich noch kurz. War es nicht hundsgemein, meiner Freundin, die sowieso aufgeregt war und in einigen Wochen ihr Kind bekommen sollte, noch mehr Angst zu machen?

Aber: Wäre es nicht noch viel hundsgemeiner, sie in dem Glauben zu lassen, dass alles unglaublich schön ist, nichts passieren kann und es so aussieht wie in Hollywoodfilmen? Ein Seufzer, und das saubere, wunderschöne Baby ist da?

Ich entschied mich für einen Mittelweg und riss meine Erfahrungen kurz an.

Erzählte ihr aber, dass es ja auch eine Sondersituation war und ganz sicher nicht jede Geburt so ablaufen würde. Sie gab sich damit zufrieden und hatte tatsächlich auch eine schöne Geburt. ,Nur von dieser elendig langen Blutung danach hättest du mir ruhig erzählen können – und wie schlimm die Nachwehen sind!‘ Okayyyy…

Auch meine nächste Freundin fragte mir Löcher in den Bauch.

Ich blieb an der Oberfläche, aber sie wollte mehr und mehr wissen. Irgendwann erzählt ich ihr jedes (unschöne) Detail, dass sie wissen wollte. Sie sah besorgter aus als vorher, aber abends schickte sie mir eine SMS, in der sie sich bei mir für meine Offenheit bedankte. Sie fühlte sich jetzt gewappneter für den Fall, dass bei ihr etwas schiefgehen würde. Und bestärkt darin, sich nicht blind den ärztlichen Entscheidungen zu beugen.

Ich kam ins Grübeln. Ich war mit wattweich-wohligen Vorstellungen an die Geburtensache herangegangen – und wurde bitter enttäuscht. Von der Schwangerschaftsvergiftung konnte mir meine Mama nichts berichten, die hatte sie nicht. Aber dass Wehen nicht so besonders schmerzhaft waren und man mit Anblick seines Babys garantiert alles vergessen hatte!? Also bitte. Irgendwie wurde mir klar, dass ich gerne mehr gewusst hätte. Mehr Reales. Denn wäre ich weniger überrumpelt gewesen von der Wucht der Schmerzen und all dem, wäre vieles anders gelaufen in diesen Tagen im Krankenhaus, da bin ich mir sicher.

Und deswegen bin ich dazu übergangen, werdenden Müttern alles zu erzählen.

Jedes Detail. Wenn sie es hören wollen, natürlich! Ich zwinge niemandem meine unangenehme Geburt auf, ich will ja keine Angst verbreiten! Ich denke nur, es ist besser, gewappnet zu sein, für das, was da kommen KANN und dann im besten Fall positiv überrascht zu sein als umgekehrt. Wenn mich also jemand fragt: Nein, eine Geburt ist nicht immer ein ,himmlisches‘ Erlebnis. Aber sein Kind über alles lieben, das kann man trotzdem. Und darum geht es am Ende doch.“

Danke, liebe Nadine, für deine Meinung!

Was sagt ihr denn dazu? Würdet ihr immer die Wahrheit sagen oder findet ihr es besser, Schwangere nicht zu verunsichern?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Wenn mich jemand fragt muss ich beschämt zugeben das die Geburt meiner Tochter einfach und nur ein bisschen schmerzhaft war. Ich würde dafür sogar schon richtig angegangen, ich würde verharmlosen etc. Aber ich hab die meiste Zeit geschlafen dann kamen die presswehen und dann war die kleine da. Keine Verletzungen keine Erschöpfung keine schrecklichen Wehen. Eher schmerzhafte Wellen die auf und abebbten und am Schluss kraftvolle energiegeladene presswehen.
    Es war nunmal so und selbst meine Hebammen waren erstaunt das die Geburt so leicht verlief. Als schwangere sollte man beides kennen und weder ängstlich noch naiv auf die Geburt sehen. Man muss es nehmen wie es kommt.

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