Rhesusunverträglichkeit: Warum mein Baby ein Frühchen wurde

Kann der Körper der Mutter das Ungeborene abstoßen? Ja, leider!

Obwohl das Kind im Körper der Mutter heranwächst, ist es auch immer ein Fremdkörper, denn es trägt zur Hälfte die Gene des Vaters. Damit die Mama den Embryo nicht abstößt, ist das Immunsystem der Schwangeren normalerweise etwas gedrosselt.

Einen Fall gibt es allerdings, in dem das Immunsystem sich nicht anpasst: Wenn die roten Blutkörperchen der Schwangeren rhesusnegativ sind, die des Babys aber rhesuspositiv, weil es das Merkmal vom Vater geerbt hat.

Bloggerin Wioleta S. von busymama hatte genau dieses Problem. Ihr Körper bildete Antikörper gegen ihre Tochter, es kam zur Frühgeburt. Hier erzählt sie, wie dramatisch die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft waren:

Ich hatte von Anfang eine gute Beziehung zu dem kleinen Wesen in meinem Bauch. Bereits als die Ärzte mir sagten, dass ich einen Jungen bekommen würde, war ich mir sicher, eine Tochter zu bekommen.

Genauso verhielt es sich mit dem Zeitpunkt der Geburt. In meiner Schwangerschaft bekam ich das ,Mami Buch´geschenkt und habe mich sehr für das Thema Frühchen interessiert.

Irgendwie war ich mir ganz sicher, dass meine Mia nicht erst im Juli zum errechneten Termin zur Welt kommen würde.

Meine Gefühle habe ich immer wieder bei meiner Frauenärztin und der Hebamme angesprochen. Beide haben mir jedoch stets versichert, dass ich nicht mit einer Frühgeburt rechnen muss.

In der 33. Schwangerschaftswoche bekam ich eine Rhesusprophylaxe. Ich habe die Blutgruppe 0 negativ, mein Mann hat A positiv. Jede rhesusnegative Schwangere bekommt zur Sicherheit kleine Mengen Antikörper gespritzt, die fürs Kind nicht gefährlich sind. Im Falle des Kontakts mit dem Blut ihres rhesuspositiven Kinds (bei der Geburt oder bei medizinischen Eingriffen während der Schwangerschaft) erhält der Körper der Mutter so die Information, dass schon Antikörper da sind – und produziert keine weiteren. Denn diese könnten, meistens allerdings erst in einer weiteren Schwangerschaft, beim Kind zu schweren Missbildungen oder sogar Tod führen.

Nach der Rhesusprophylaxe bekam ich Blutungen.

Meine Hebamme riet mir, gleich ins Krankenhaus zu fahren. Dort wurde ich lediglich an den Wehenschreiber (CTG) angeschlossen, danach wurde ein Ultraschall gemacht. Ich wurde nach Hause geschickt, alles sei gut.

Auch meine Frauenärztin hat am nächsten Tag nichts gefunden. Doch keiner kam auf die Idee, mir Blut abzunehmen und einen Antikörpersuchtest durchzuführen. Alle gingen blind davon aus, dass die Antikörperspritze gewirkt hatte.

Am Anfang der 36. Schwangerschaftswoche war ich abends mit meinem Mann unterwegs und bekam plötzlich Bauchschmerzen. Da es meine erste Schwangerschaft war und ich noch gar nicht auf eine Geburt vorbereitet war, habe ich dies ignoriert und eine Magnesium gegen das Ziehen genommen.

Doch die Schmerzen wurden immer heftiger.

Da fiel mir ein Rat meiner Hebamme ein und ich ließ mir nachts ein Bad ein. Danach lief ich die halbe Nacht herum. Da mein Mann einen neuen Job hatte und sich nicht freinehmen konnte, rief ich gleich morgens ein Taxi, das mich zu meiner Frauenärztin fuhr.

Diese stellte fest, dass mein Muttermund bereits zwei Zentimeter offen war und rief gleich nach einem Krankenwagen. Sie sagte mir, dass es völlig im Rahmen wäre und nicht zu früh, ein Kind zu kommen. Die Kleine sei schon groß und reif genug.

Die Ärzte im Krankenhaus waren da ganz anderer Meinung. Ich was völlig verwirrt, als sie sagten, dass meine Tochter noch keine zwei Kilogramm wiegen würde und ich sie zumindest noch zwei Wochen halten sollte.

Bis mein Mann im Krankenhaus ankam, hatte ich bereits einen Wehenblocker genommen und wurde stationär zur Beobachtung aufgenommen. Danach wurde mir und meinem Mann die Frühchenstation gezeigt, um zu demonstrieren, wie furchtbar es wäre, wenn meine Tochter jetzt schon käme.

Da ich am nächsten Morgen noch immer keine Wehen hatte, wurde ich – so durcheinander wie ich war und mit offenem Muttermund – wieder nach Hause geschickt. Ich habe danach lange mit meiner Hebamme gesprochen. Sie sagte mir, wenn ich das Gefühl habe, das Kind müsste raus, wird es richtig sein. Ich könnte guten Gewissens auf die Tabletten verzichten.

Den Samstag haben mein Mann und ich bewusst miteinander verbracht. Es könnte schließlich unser letzter Tag zu zweit gewesen sein. Also haben wir einen langen Spaziergang gemacht (auch, um die Wehen wieder zu fördern), sind Essen gegangen und haben die Zeit noch genossen.

Und tatsächlich, nachts bekam ich wieder Wehen und wir fuhren gleich am nächsten Morgen ins Krankenhaus, wo wir mit bösen Blicken begutachtet wurden. Widerwillig wurde ich aufgenommen und musste eine Einverständniserklärung unterschreiben, um die Tablette zu verweigern.

Außerdem hatte ich noch ein anderes Problem: Die Wehen wollten nicht richtig weitergehen, weil die Tablette vom Freitag noch wirkte, eine Wehenförderung weigerten sie sich mir zu geben. Also saß ich noch ganze zehn Stunden mit Wehen, die nichts bewirkten, in der Klinik und hörte mir Drohungen über Notkaiserschnitte an. Bis gegen späten Nachmittag endlich meine Fruchtblase platze.

Mia-Sophie war mit 48 cm und 2800 g ein sehr großes Frühchen (also gar nicht, wie die Ärzte es angedroht hatten). Abends, nach vier Tagen habe ich endlich mein Kind auf natürlichem Weg bekommen. Umgeben von mehreren Frauenärzten, Hebammen und Kinderärzten hatte ich noch noch ganze 20 Minuten mit meiner Tochter, bis sie auf die Intensivstation gebracht wurde und ich erst nach zwei Stunden nachkommen durfte.

Und dann begannen die härtesten zehn Tage meines Lebens.

Die Kinder auf der Station bekamen alle immer nach drei Stunden ein Fläschchen. Brust geben war nicht erlaubt, wer stillen wollte, musste zwischen den Zeiten in den Abpumpraum gehen. Auch der Aufenthalt außerhalb dieser Zeiten war nicht gern gesehen. Zwar hatte jedes Frühchen sein eigenes Zimmer, jedoch waren die Schwestern der Meinung, es würde die Kinder stören, wenn die Eltern sich in den Räumen aufhalten würden. Als ich noch im Krankenhaus lag, ging ich zu den vorgegebenen Zeiten alle drei Stunden in die Intensivstation, wechselte die Windel und gab ihr die Flasche, während sie an die Kabel angeschlossen war. Ganz gleich, ob ich sie wecken musste oder nicht, die Flasche gab es ausschließlich nur zu den Zeiten.

Am Mittwoch war es dann soweit: Ich wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Mia blieb. Glücklicherweise wohnten wir im selben Ort und ich hatte mit dem Auto einen Weg von fünf Minuten. Dennoch sah mein Tag folgendermaßen aus: Ich fuhr um 8 Uhr ins Krankenhaus, gab ihr die Flasche, saß bis 11 vor dem Krankenhaus herum (zum Glück war Sommer) und ging über Mittag nach Hause. Um 17 Uhr fuhren wir mit meinem Mann ins Krankenhaus und blieben bis 20 Uhr. Ein Mal durften wir sie sogar abends baden.

Mia-Sophie im Krankenhaus (Foto:privat)

Schlimmer war aber: Mias Gesundheitszustand verschlechterte sich immer weiter, und keiner sagte mir wieso.

Sie hatte unerklärlicherweise eine starke Gelbsucht und Probleme mit dem Atmen. Bis eines Abends unser Telefon klingelte und die Tante meines Mannes dran war. Sie arbeitete in einem kliniknahen Betrieb und hatte durch Zufall unsere Ergebnisse in die Hände bekommen.

Sie war die einzige, die uns erklärte, dass ich Antikörper gegen die Blutgruppe meiner Tochter gebildet hätte und sie deshalb eine Gefährdung für eine Blutarmut (Anämie) hatte. Am siebten Tag würde das Ganze schlimmer werden, danach würde es bergauf gehen.

Und tatsächlich: Als wir am Sonntag in die Klinik kamen, lag meine arme Kleine mit einer Magensonde im Wärmebett, weil sie selbstständig nicht mehr essen konnte. Zum Glück kam es nicht zu einer Bluttransfusion, dennoch sah ich, wie sie litt und durfte sie nicht einmal in den Arm nehmen zum Trösten.

Die Tante meines Mannes versicherte mir, dass es richtig war, dass ich auf mein Gefühl gehört hatte und Mia so früh bekommen hatte. Jeder Tag hätte es noch schlimmer gemacht.

Jeden Morgen tat es mir so weh, in die Klinik zu gehen und zu erfahren, dass der Tag, an dem ich sie nach Hause nehmen durfte, sich wieder um drei Tage verschoben hatte. Denn für ihre Heimreise musste sie drei Tage am Stück ohne jegliche auffällige Ergebnisse aufweisen. Als ich die Schwestern auf die Blutergebnisse angesprochen hatte, sagten diese nur, dass die Tante meines Mannes uns es hätte gar nicht erzählen dürfen. Es wäre schon alles in Ordnung.

Am 19. Juni 2013 war es endlich soweit: Nach 10 Tagen durfte ich die Kleine endlich mit nach Hause nehmen.

Doch die Probleme bezüglich der Antikörper gehen bis heute weiter: Auch gegen die Spritze nach der Geburt war ich immun und habe auch heute immer noch die Antikörper in mir. Durch die Rhesusformel meines Mannes werden wir kein rhesusnegatives Kind bekommen können.

Wie es in Zukunft weiter geht, ist aber eine andere Geschichte…

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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