Raynaud-Syndrom: „Mein Baby und ich weinten bei jedem Stillversuch.”

„Mein Name ist Franziska, ich bin 26 Jahre alt und die Mama vom fünf Monate alten BabyBoy. Ich bin eine echte Mama, eine echte Pump-Still-Mama. Und davon möchte ich euch heute erzählen.

Im April 2020 hatte ich endlich den langersehnten positiven Test. Mein Gynäkologe bestätigte noch am selben Tag die Schwangerschaft. Und damit war für mich klar: Ich werde mein Baby stillen.

Schwangerschaft und Geburt erlebte ich mit allen Höhen und Tiefen.

Wenn auch die Tiefen überwogen. Aber ich liebte mein Baby von Anfang an abgöttisch und mir war klar, manchmal gehören Tiefs eben dazu. Das erste Anlegen im Kreißsaal funktionierte problemlos und ich war guter Dinge, dass wir eine schöne und intensive Stillbeziehung entwickeln würden. Mein Baby war immerhin ein absoluter Profi!

Doch das änderte sich schon nach wenigen Stunden. Je häufiger ich meinen Kleinen anlegte, desto eher bekam ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Laut Hebammen und Schwestern wäre es der Anlegeschmerz, mit dem ich zu kämpfen hätte. Aber seitdem kam BabyBoy alle 30 Minuten und hatte Hunger, obwohl wir teilweise gute 45 Minuten stillten. Das wäre das typische Clustern, sagte man mir.

Nach 24 Stunden war ich verzweifelt.

Der Schmerz wurde schlimmer und der Kleine immer unruhiger. Also bat ich die Hebammen darum abzupumpen, um einfach mal zu schauen, ob ich genug Milch hatte. Nun, das hatte ich. Und mit diesem Gedanken und der Versicherung der Hebammen, es würde alles besser werden, wurden wir nach der U2 entlassen.

Zuhause berichtete ich meiner Nachsorgehebamme von meinem Problem. Sie half uns beim Anlegen und sagte mir, der Schmerz käme vom falschen Anlegen und der wunden Mamillen. Meine Brust müsse sich erst an die Beanspruchung gewöhnen. Nach einer weiteren Woche mit starken Schmerzen fragte ich meine Hebamme wieder, wie es besser werden könnte. Ihre Antwort war: anlegen, anlegen und anlegen. Es würde sich geben.

So machten wir es dann, aber es wurde immer mehr zum Kampf.

Denn mit jedem weiteren Anlegen wuchs meine Angst vor dem Schmerz. Wieder und wieder musste ich den Papa von BabyBoy bitten, uns beim Anlegen zu helfen, da ich immer größere Hemmungen entwickelte. Schon bald klappte es allein gar nicht mehr. Meine Angst war zu groß und der kleine Mann spürte das.

Nachdem ich bei meiner Hebamme nicht locker ließ, sagte sie, dass ich den Milchspendereflex schmerzhaft wahrnehmen würde. Aber auch diese Antwort befriedigte mich nicht,

Ich wusste einfach: Wir haben ein größeres Problem.

Eine Woche später, als ich den Schmerz dann endlich besser lokalisieren konnte, riet meine Hebamme mir zur Einnahme von Magnesium und Kalzium. Ich hätte vermutlich einen Mangel.

Aber das Stillen wurde trotzdem immer mehr zur Tortur für alle Beteiligten. In der Zwischenzeit durfte ich mir auch noch von meiner Schwiegermutter anhören, ich würde mich anstellen und sei mir zu fein, mein Kind zu stillen.

Meine Verzweiflung war allmählich so groß, dass ich kurz davor war abzustillen. Bis ich hörte, dass es Mütter gibt, die zwischendurch mal eine Mahlzeit fürs Kind abpumpen, um die Brüste zur Ruhe kommen zu lassen, da der Sog des Kindes stärker wäre als die Pumpe. Das tat ich dann jeden Abend einmal vor dem Schlafengehen und fütterte die Milch mit der Spritze einfach zu.

Vorher hatte ich von diesem stillfreundlichen Zufüttern noch nie etwas gehört.

Leider brachte mir das aber auch nicht die gewünschte Besserung. Der Schmerz beim Stillen blieb. Und wir alle litten. Mein Baby und ich weinten jetzt bei jedem Stillversuch und so konnte es für mich nicht weitergehen. Pre-Nahrung kam für mich nicht in Frage. Ich fühlte mich doch so schon wie eine unfähige Mutter, wie eine absolute Versagerin. Also suchte ich mir Hilfe beim Kinderarzt und bei meiner Gynäkologin.

Und so kam es, dass mir eine elektrische Doppel- Milchpumpe verschrieben wurde. Mit dem regelmäßigen Abpumpen folgte endlich die gewünschte Erleichterung. Der Schmerz ging zwar nicht völlig weg, wurde aber deutlich erträglicher.

Insgesamt hatte ich drei Monate voll gestillt, nun versuchte ich zu Stillen und zu Pumpen im Wechsel. Natürlich gab ich die Milch dann im Fläschchen. Wie auch sonst? Aber irgendwann kam die gefürchtete Saugverwirrung und mein Kleiner verweigerte die Brust komplett. Die Hebamme kam nun schon eine Weile nicht mehr und mit dem Pumpstillen kehrte endlich die ersehnte Ruhe bei uns ein.

Mein Kopf allerdings kam damit nicht so richtig zurecht und ich fing an zu googeln.

Dabei stieß ich auf die Seite von den international zertifizierten Still-und Laktationsberatungen, kurz IBCLC. Sofort suchte ich mir die Nummer einer Spezialistin in meiner Nähe raus – und rief an. Das Telefongespräch gab mir dann endlich Aufschluss über unser Problem. Und das in nur 10 Minuten, nachdem ich mich ewig gefragt hatte, was los ist. Dafür stellte mir die liebe Stillberaterin viele Fragen und ich schilderte ihr alles bis ins kleinste Detail.

Sie kam zur Diagnose Raynaud-Syndrom bzw. Vasospasmus in der Brust. Wäre das rechtzeitig erkannt worden, hätte ich mit einem Medikament behandelt werden können und hätte mein Baby weiter und ohne Schmerzen stillen können. Meine Hebamme hätte mich dafür eigentlich weiterleiten müssen. Am Telefon erfuhr ich dann auch, dass der ständige Schmerz und Stress meinen Milchfluss unterbrochen haben, weswegen mein Kleiner dann noch häufiger Hunger hatte.

Die Stillberaterin erklärte mir außerdem, dass eine Spritze KEINE stillfreundliche Methode ist – anders als meine Hebamme es mir verkauft hatte. Am Ende der Beratung wurde ich gefragt, ob ich den Weg zurück zur Brust gehen möchte, das wäre nicht einfach, aber möglich. Darüber musste ich erst einmal nachdenken.

Immerhin pumpte ich nun schon zwei Wochen ausschließlich.

Nach intensiven Gesprächen mit meinem Lebensgefährten und dem Reinhören in mich selbst kam ich zum Schluss:
Wir würden den Weg zurück zur Brust nicht gehen. Denn endlich waren Baby, Mama und Papa entspannt und hatten einen Weg gefunden, weiterhin Muttermilch zu geben.

Trotzdem habe ich damit noch zu kämpfen. Unsere Stillbeziehung wurde durch falsche Beratung zerstört, damit müssen wir nun leben. Ich versuche mich an dem Gedanken festzuhalten, dass ich jederzeit alles für mein Baby gegeben habe und noch immer gebe.

Pumpstillen ist kein Kinderspiel.

Es nimmt doppelt so viel Zeit in Anspruch wie normales Stillen, verlangt 100 Prozent Unterstützung vom Partner und eine Stromversorgung. Das Material muss nach jeder Pumpsitzung, ebenso wie die Fläschchen, gut gereinigt werden. Mal eben im Park das Baby füttern geht nicht. Aber immerhin einen Vorteil hat unsere ‚Notlösung‘: Der Papa kann auch füttern – und das ist oft nötig, denn manchmal fallen Pump- und Fläschchen-Zeit zusammen.

Wir sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team und haben uns mit unserem Schicksal arrangiert. Aber ich möchte an dieser Stelle jeder Mama mit Stillproblemen dazu raten, eine gut ausgebildete Stillberatung in Anspruch zu nehmen. Uns hätte das viel erspart!“


Vielen Dank, liebe Franziska, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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Kommentare

  1. Ich habe exakt das selbe durchgemacht. Ich kann so gut nachvollziehen wie du dich gefühlt hast und immer noch fühlst. Einerseits bin ich traurig, dass einem die schöne Zweisamkeit des Stillens verwehrt wird, aber freut sich auch, sein Kind endlich satt und glücklich zu sehen.
    Ich habe tagelang geheult, bis ich mich entschieden habe den Weg zu gehen und abzustillen. 3 Monate habe ich mit Schmerzen gestillt. Andauernde Milchstaus und dazu der Vasospasmus. Der Druck von Außen hat es nicht leichter gemacht, besonders da man sich selbst bereits Vorwürfe macht. Mein Kleiner bekommt jetzt die Pre Milch. Jetzt im 5 Monat kann ich das akzeptieren und die neue Zweisamkeit genießen.

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