Patchwork: „Die Tochter meines Partners schikaniert mich!“

Sich neu zu verlieben, ist wunderschön! Aber wie geht man damit um, wenn der Partner bereits Kinder hat?  Vor allem, wenn diese sich so gar nicht über das neue Glück ihres Elternteils freuen?

Unsere Echte Mama Greta* (*alle echten Namen sind uns bekannt) aus Potsdam hat uns erzählt, was ihr Leben in ihrer Patchworkfamilie überschattet:

„Ausgesucht hätte ich mir einen Partner mit Kind wohl nicht, wenn ich das so sagen darf. Ich träumte eher den klassischen Traum: Ich würde den Mann fürs Leben finden und wir bekämen zwei Kinder miteinander. Und wären glücklich bis an unser Lebensende, na , ihr wisst schon.

Das Leben wäre ja nun aber nicht das Leben, wenn es so gehen würde, wie man es sich gedacht hat…

Und so lernte ich mit Ende 20 auf einem Wochenend-Seminar meiner Firma in Hamburg Jörg kennen. Jörg war Ende 30, sah super aus und war unheimlich lustig und lässig. Ich war sofort ein wenig verknallt in ihn – wie etwa die Hälfte der anderen Seminar-Teilnehmerinnen. Abends an der Hotelbar kamen wir ins Gespräch… Den Rest erspare ich euch.

Wir kamen zusammen, und es wurde schnell ernst mit uns. Unsere Treffen waren immer mit ein wenig Aufwand verbunden (ich lebte damals in Bremen, er schon hier in Potsdam), er bestand zu Beginn darauf, zu mir zu kommen.

Nach ein paar Treffen erzählte er mir, dass er eine siebenjährige Tochter hätte, die bei ihm leben würde.

Ok, wow. Das war – eine Überraschung. Aber ich war bereits so verliebt in ihn, dass ich mich mit der Zeit an den Gedanken gewöhnte.

Jörg wollte abwarten, bis er mich seiner Tochter vorstellte. Das verstand ich gut und so genossen wir alle vierzehn Tage das Wochenende, dass seine Tochter bei ihrer Mutter war, unser Glück.

Doch eines Tages war es soweit und Jörg bat mich, ihn  das kommende Wochenende zu besuchen und seine Tochter kennenzulernen. Ich war gerührt und aufgeregt. Inzwischen hatte ich aber so viel über dieses Mädchen gehört und so viele Fotos gesehen, dass sie mir ulkigerweise gar nicht mehr so fremd vorkam. Wie naiv!

Die Abende, bevor ich nach Potsdam fuhr, googelte ich ehrlich gesagt ziemlich viel nach Erfahrungsberichten: Wie ging man in so einer Situation um? Sollte ich mich freundlich-distanziert verhalten, wie eine Freundin, wie eine Bekannte der Familie?

All diese Gedanken waren völlig umsonst verschwendet.

Denn als ich Jörg mich glücklich begrüßte und dann seiner Tochter vorstellte – sagt sie „Hallo.“, drehte sich um und ging aus dem Raum. Okay….

Wir dachten uns nicht allzu viel dabei, es war ja klar, dass sie mir nicht gleich vor Begeisterung um den Hals fallen würde! Dass es sich bei dieser Reaktion nur um einen kleinen Vorgeschmack unserer Zukunft handelte, ahnten wir nicht.

Inzwischen sind Jörg und ich vier Jahre zusammen.

Wir haben sogar noch einen kleinen Sohn bekommen, er ist jetzt anderthalb. Wir leben in Jörgs alter Wohnung – zu viert.

Es könnte alles so schön sein. Wenn Jörgs Tochter nicht wäre. So bitter es ist, das über ein Kind zu sagen.

Ich habe von Anfang an jede „Strategie“  versucht, um mich mit ihr zu arrangieren – in der Hoffnung, dass sie mich irgendwann als ,Bonusmutter` zumindest akzeptieren würde. Nichts hat geklappt, bis heute.

Schon ganz am Anfang hat sie Jörg Lügen über mich erzählt:

Ich hätte sie gekniffen, ihr das Abendessen verweigert, als wir abends mal alleine waren oder Dinge aus der Wohnung gestohlen (die ich später in ihren Schreibtischschubladen gefunden habe.) Mit sieben Jahren!!! Natürlich gab es schon etliche Dramen  (,Du hast mir gar nichts zu sagen!`,Du bist schuld, dass meine Eltern nie mehr zusammenkommen werden!` )…

Inzwischen ist sie fast zwölf Jahre alt und Meisterin darin, mich wahlweise eiskalt zu ignorieren, zu beleidigen oder (wenn Jörg dabei ist) liebes Mädchen zu spielen.

Zu ihrer Mutter kann sie aus vielerlei Gründen nicht ziehen.

Was Jörg dazu sagt? Nicht mehr viel. Anfangs hat er tatsächlich geglaubt, dass ich aus Eifersucht übertreibe. Inzwischen hat er mitbekommen, dass sich seine liebe Kleine tatsächlich ,nicht immer ganz fair`verhält. Wenn ich das schon höre! ,Nicht immer ganz fair` – dieses kleine Biest hat mir tatsächlich schon kleine Löcher in meine beste Arbeits-Bluse geschnitten und auf meinen Salatteller gespuckt, als sie dachte, ich sehe es nicht….. Sie weckt mit Absicht unseren Sohn im Mittagsschlaf auf… Ich könnte Dutzende solcher Situationen aufzählen. Ich spreche mit Jörg nicht mehr darüber, er denkt, ich übertreibe maßlos.

Sie hat mir nie verziehen, dass ich ihr ihren coolen ,Dad`geklaut habe, dieses wunderbar funktionierende Vater-Tochter-Duo ,gesprengt` habe.

Jörg steht natürlich zwischen den Fronten: Er liebt seine Tochter sehr (ganz klar!) und mich auch. Sein Traum wäre es natürlich, dass wir vier eine große, glückliche Patchworkfamilie sind. Aber das wird nicht mehr passieren.

Es tut mir wahnsinnig leid für ihn. So hat er sich das nicht vorgestellt.

Ich auch nicht. Für mich ist es auch schlimm. Ich würde so gerne – aber ich werde seine Tochter nie als Bestandteil von mir sehen können und niemals lieb haben, auch, wenn wir doch an sich wie (Stief-)Mama und (Stief-)Tochter zusammenleben.

Vom Gefühl her habe ich nur ein Kind – und eine Feinden im eigenen Haus.“

Vielen Dank für dein Vertrauen, liebe Greta.

Kennt ihr solche Situationen auch? Falls ihr Teil einer „Patchworkfamilie“ seid: Wie geht es euch damit?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

Alle Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.