Montessori zuhause? Mit diesen 10 Tipps geht es ganz einfach

Wer sich mit dem Thema Erziehung auseinandersetzt, wird früher oder später auf die Montessori Methode stoßen. Sie wurde von der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori ins Leben gerufen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem mit Kindern aus sozial schwächer gestellten Familien beschäftigte. Obwohl die Montessori Methode in diesem Jahr schon 112 Jahre alt wird, passt sie mehr denn je in unsere Zeit – und lässt sich auch zuhause mit einfachen Mitteln umsetzen.

Montessori folgt dem pädagogischen Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun!“. Ihr Ziel ist also, Kindern zu mehr Selbständigkeit zu verhelfen. Montessori hat zu diesem Zwecke in ihren sogenannten Kinderhäusern Umgebungen geschaffen, in denen ihre Schüler die Welt mit den eigenen Sinnen begreifen lernen. Sie werden nicht von außen mit Tatsachen belehrt, sondern erforschen und erfahren Zusammenhänge selbst und entwickeln dabei ganz nebenbei eine lebenslange Freude am Lernen.

Ein neuer Blick auf das Kind

Für Eltern, Erzieher und Lehrer, die nach Montessori erziehen möchten, gilt der Grundsatz: „Folge dem Kind, es wird dir seinen Weg zeigen!“ Sie sind somit „nur“ Begleiter auf dem Lernweg der kleinen Forscher. Ihre Aufgabe ist es, zu beobachten und nur dann einzugreifen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Auf diese Weise lässt sich am besten herausfinden, wo gerade das größte Interesse und somit auch die größte Lernbereitschaft des Kindes liegt. Die Erwachsenen können dem Kind dann die dafür geeigneten Spiel- und Lernmaterialien zur Verfügung zu stellen.

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Eine solcher Blick auf das Kind galt vor 100 Jahren als revolutionär, denn Kindern wurde damals eine eigene Persönlichkeit abgesprochen. Sie hatten sich anzupassen wie Mini-Erwachsene und wurden durch strenge Erziehungsmethoden mehr oder weniger ruhig gestellt, statt ihr Naturell und ihre angeborene Lebens- und Lernfreude ausleben zu dürfen und ihren eigenen Weg in ihrem eigenen Tempo zu gehen.

Das ist heutzutage glücklicherweise anders. Eltern, Erzieher und Lehrer gehen viel mehr auf die Persönlichkeit der Kinder ein. Selbst in Kindergärten, die nicht zu den offiziellen Montessori Kinderhäusern gehören, werden viele Ansätze der Methode wie selbstverständlich angewendet und gelebt.

So klappt Montessori auch zuhause

Auch zuhause lässt sich Montessori in seinen Grundzügen ohne viel Aufwand in den Familienalltag integrieren. Mit den folgenden 10 Tipps zeigen wir dir, wie du ganz einfach eine Umgebung nach Montessori in deinem Zuhause umsetzen kannst.

1. Spielecken für Lieblingsbeschäftigungen

Schaffe kleine Spielbereiche für dein Kind, die sich einem bestimmten Thema widmen und verschiedene Lernaspekte mit sich bringen:

  • Eine Kreativecke mit Kindertisch und -stuhl, Malkittel, Mal-, Knet- und Bastelutensilien und eventuell einem Bodenschutz. Dann ist es kein Drama, wenn mal etwas Farbe oder Kleber daneben geht.
  • Eine Bewegungsecke zum Balancieren, Hüpfen, Klettern oder Kriechen.
  • Eine weiche Spielfläche mit Puzzeln, Bausteinen, Stapelbechern, Fädelspielen und anderen Dingen, welche die Auge-Hand-Koordination fördern.
  • Eine kuschlige Ruheecke mit kleinem Sessel, Sitzsack oder weichen Kissen und viiielen Bilderbüchern und Vorlesegeschichten in kindgerechter Regalhöhe.

Sind die Ecken eingerichtet, kann dein Kind stets selbst entscheiden, in welcher es gern spielen möchte. Es liegt ja alles bereit und dein Kind kommt überall an die Dinge ran, die es braucht.

Wichtige Anmerkung: Natürlich hat längst nicht jede Familie genug räumliche, finanzielle etc. Möglichkeiten, seinem Kind all diese Ecken in dieser Form einzurichten. Vielleicht dienen diese Vorschläge ja aber als Inspiration für eine einzelne Ecke oder Spielmöglichkeiten, die man zeitweise aufbauen kann.

Inspiration für deine Spielbereiche

Eine Kreativecke

 

Eine Bewegungsecke

 

Eine kuschelige Ruheecke

 

2. Weniger ist mehr

Bei der Einrichtung der Ecken gilt das Prinzip „Weniger ist mehr“. Es reicht zum Beispiel, wenn dein Kind in der Spielecke fünf bis sechs verschiedene Spielzeuge zur Auswahl hat. Sonst kommt es schnell zur Reizüberflutung und deinem Kind wird es schwer fallen, sich für eine Sache zu entscheiden und sich dann ganz darauf zu konzentrieren.

Wählt für die Ecken also am besten nur die Dinge aus, die für dein Kind gerade altersgerecht und besonders interessant sind. Alles andere bewahrt ihr einfach in einer Themenbox in einem geschlossenen Schrank auf und rotiert die Spielzeuge nach Bedarf.

Montessori Spielzeug

 

 

3. Bitte nicht stören!

Ganz wichtig: Wenn dein Kind konzentriert in einer seiner Ecken spielt, störe es auf keinen Fall – auch nicht mit einem gutgemeinten Lob oder einem Snack! In seiner tiefen Konzentration passieren nämlich gerade die Lernprozesse, mit denen sich dein Kind seine Welt selbst erschließt, so wie es Maria Montessori einst bei ihren ersten Schülern beobachtet hat.

4. Natur mit allen Sinnen erleben

Natürlich sollte nicht nur eure Wohnung zum Spielen und Erforschen dienen. Macht so oft es geht auch die Natur in eurer Umgebung zur Spiel- und Bewegungszone. Ob eigener Garten, Park oder Naherholungsgebiet spielt dabei kaum eine Rolle. Nirgendwo sonst gibt es mehr zu entdecken, sammeln und lernen, nirgends sonst lässt es sich freier bewegen, rennen und springen als draußen in der Natur.

5. Eine Galerie für Kunstwerke und Naturschätze

Für gemalte und gebastelte Kunstwerke, auf die dein Kind besonders stolz ist, könnt ihr zum Beispiel einen kleinen Bereich im Wohnzimmer zur Kunstgalerie erklären. Auch eine Tür oder eine kleine Ecke mit einem Regal für dreidimensionale Kunstobjekte ist dafür ideal. So sind die selbst geschaffenen Highlights auch für Besucher sichtbar und bekommen die gebührende Aufmerksamkeit. Und wenn es zu voll werden sollte, wandert mit jedem neuen Kunstwerk ein altes ins „Kunstarchiv“ auf dem Speicher oder im Keller.

 

6. Die Jahreszeiten zum Anfassen

Eine schöne Idee, um auch den gesammelten Schätze aus der Natur einen Platz zu geben, wo sie von deinem Kind immer wieder gesehen, gefühlt, beschnuppert und untersucht werden können, ist ein sogenannter Jahreszeitentisch. Dort dekoriert ihr alle Fundstücke, je nachdem was es zur jeweiligen Jahreszeit zu finden gibt:

  • Im Frühjahr Blüten, Zweige, Moos und funkelnde Steine
  • Im Sommer Kornähren, Kräuter, Blumen, Mitbringsel aus dem Urlaub wie Muscheln, Seesterne oder Treibholz
  • Im Herbst buntes Laub, Nüsse, Kastanien, Maiskolben und Zierkürbisse
  • Im Winter Tannenzapfen, Tannenzweige und selbstgebastelte Schneeflocken aus Papier

Postkarten mit Landschaften, Tieren oder Pflanzen der jeweiligen Jahreszeit und ein Teller mit saisonalen Köstlichkeiten zum Wegnaschen ergänzen euren Jahreszeitentisch perfekt.

 

7. Mitmachen im echten Leben

Das Montessori Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun!“ hat zum Ziel, Kindern nicht nur Selbständigkeit, sondern auch Selbstvertrauen zu vermitteln und ihnen das Gefühl zu geben, in der Familie gebraucht zu werden und einen wichtigen Beitrag zu leisten. Dazu gehört vor allem die Teilhabe an Alltagsgeschehen. Kinder sind fasziniert von alltäglichen Arbeiten im Haushalt und sie WOLLEN helfen. Dabei genießen sie natürlich nicht nur die Bedeutsamkeit ihres Tuns, sondern auch das Miteinander, wenn sie Mama oder Papa zur Hand gehen.

Altersgerechte Aufgaben, an denen dein Kind Freude hat und sowohl motorisch und koordinatorisch als auch innerlich wachsen wird, sind zum Beispiel:

  • Blumengießen
  • Socken sortieren
  • Waschlappen zusammenlegen
  • Wäsche auf einen kleinen Wäscheständer hängen
  • beim Ein- und Ausräumen der Spülmaschine helfen
  • beim Tischdecken helfen

8. Ich schaff das schon allein

Auch wenn es ums Saubermachen geht, stehen die Kleinen gern in der ersten Reihe. Denn auch hier ist die wachsende Selbständigkeit ein Motor für ein starkes Selbstvertrauen: Wenn sie zum Beispiel etwas verschütten und es selbst wieder wegwischen können, stärkt das ungemein und macht das Missgeschick nur noch halb so schlimm.

Stellt euch für solche Fälle ein kleines Putzset aus Lappen, Handfeger und Schaufel in kindgerechter Größe zusammen, das jederzeit einsatzbereit und für Kinderhände auch erreichbar ist. Auch eine Sprühflasche mit Wasser und ein kleiner Abzieher sind toll, denn damit lassen sich kinderleicht die Fenster „putzen“.

 

9. Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider

Auch beim Anziehen wachsen die Kleinen innerlich mit jeder neu erworbenen Fähigkeit. Damit dein Kind seine Kleidung selbst auswählen (oder auch einräumen kann), sortiert die Anziehsachen nach Typ und markiert die Schrankfächer oder Schubladen mit kleinen Bildchen von Socken, Unterwäsche, Hemden und Hosen. So kann sie dein Kind leicht finden und sich schon bald selbst seine Lieblingskleidung heraussuchen (und seine gewaschene und gefaltete Wäsche selbst einsortieren).

Wichtig ist auch hier wieder ein Rotationsprinzip, damit es nicht zur Reizüberflutung kommt. Also: Nur die saisonal passenden (Lieblings-) Outfits in den Kinderschränken aufbewahren. Die nicht benötigten Kleidungsstücke werden bis zum Jahreszeitenwechsel woanders eingelagert.

10. Wenn der kleine Hunger kommt

Was gibt es Großartigeres, als sich jederzeit selbst versorgen zu können, wenn man Hunger hat? Ein kleiner Tisch oder ein niedriges Regal mit einem Geschirr- und Besteckfach ermöglicht es deinem Kind, sich selbst kleine Snacks wie ein Butterbrot oder eine geschnittene Banane zuzubereiten.

In einer solchen, nach den Regeln von Maria Montessori eingerichteten Umgebung können Kinder sich in ihrem Tempo und entsprechend ihrer ganz eigenen Fähigkeiten und Interessen entwickeln. Und wir Eltern können uns ganz der Freude hingeben, ihnen beim Wachsen und Werden zuzusehen und ihnen dabei als Begleiter zur Seite zu stehen.

 

Du möchtest noch mehr Montessori-Wissen? Kein Problem!

Wie du deinem Kind Geschick im Umgang mit Wasser und zum Beispiel dem Einschenken von Getränken beibringen kannst, erfährst du hier.

Und hier kannst du lesen, wie du jeden Tag das Selbstvertrauen deines Kindes mit 7 einfachen Sätzen stärken kannst.









Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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