Meine Tochter ist 6 – trotzdem bleibe ich bei ihr, bis sie eingeschlafen ist

„Du verwöhnst dein Kind.“ „Es wird niemals normal alleine einschlafen können.“ Heute verdreht unsere Echte Mama Ella nur noch die Augen, wenn sie solche Sätze zu hören bekommt. Immer seltener nimmt sie sich die Zeit, um anderen zu erklären, warum sie sich immer noch Abend für Abend zu ihrer sechsjährigen Tochter ins Bett legt, bis diese eingeschlafen ist. Uns hat sie berichtet, warum diese Lösung für sie die Beste ist.

Ich helfe ihr beim Einschlafen – na und?

„Wer meinen Schwiegereltern zuhört, könnte glauben, ich stopfe unserer Tochter jeden Abend eine mit Wodka getränkte Socke in den Mund, damit sie besser einschläft. Sie glauben, dass unsere Einschlafroutine ihre arme Enkelin verdirbt. Warum? Weil ich nicht von Sveas Seite weiche, bis meine Kleine eingeschlafen ist. ‚Denk aber nicht, dass wir das auch so machen, das ist doch nicht normal‘, meckern sie dann. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum mein Kind so ungerne (und selten) bei ihren Großeltern übernachtet, die nur einmal kurz ‚Gute Nacht‘ sagen, dann rasch das Licht ausmachen und schimpfen, wenn Svea noch einmal nach ihnen ruft.

Aber auch ein paar meiner Mama-Bekannten können nicht verstehen, warum unsere Tochter nicht endlich lernt, alleine zu schlafen. Sie sind sich ganz sicher, dass Svea niemals ohne mich einschlafen wird, wenn wir das jetzt nicht ‚in den Griff‘ bekommen. Aber wisst ihr was? Ich werde erst damit aufhören, wenn ich das Gefühl habe, dass es meiner Tochter gut damit geht, alleine einzuschlafen. Zum Glück ist mein Mann der gleichen Ansicht und nimmt mir oft eine Schicht ab, auch wenn er später Feierabend hat als ich und gerade erst erschöpft nach Hause gekommen ist.

Wir haben alle Tricks versucht

Glaubt mir, wir haben sicher nicht von Anfang an geplant, unsere Abende so zu gestalten. Wie haben alles durch – von „Jedes Kind kann schlafen lernen“ bis „Sanfter Babyschlaf“. Einmal haben wir aus Verzweiflung sogar die Methode ‚Schreien lassen‘ probiert. Danach waren wir alle so mit den Nerven runter, dass wir uns geschworen haben, das ihr und uns nie wieder anzutun. Am Anfang fühlte es sich trotzdem wie Nachgeben oder sogar Versagen an, dass wir anschließend einfach ihren Wunsch erfüllt haben, nicht alleine einzuschlafen. Waren wir einfach zu unfähig, unserem Kind etwas so Simples wie das ‚richtige‘ Schlafen beizubringen?

Als sie älter wurde, bat sie uns weiter mit echter Panik in der Stimme, bei ihr zu bleiben. Also blieben wir. Heute fühlt sich das nicht einmal mehr wie eine faule Notlösung an. Mein Mann und ich arbeiten beide. Meine Tochter sehe ich früh morgens und dann erst wieder, wenn ich sie um 15 Uhr aus der Vorschule abhole. Danach erledige ich erstmal Liegengebliebenes im Haushalt oder gehe mit ihr Einkaufen. Am Ende bleiben vielleicht ein oder zwei Stunden, in denen ich wirklich ganz und gar nur für sie da bin. ‚Du und dein Mann, ihr habt ja gar keine Zeit mehr für euch‘, höre ich oft. Dabei ist unsere Tochter spätestens um halb neun eingeschlafen, und wir gehen selten vor Mitternacht ins Bett.

Irgendwann wird sie alleine schlafen, da bin ich mir sicher

Deshalb schenke ich Svea – und ehrlich gesagt auch mir – gerne diese innigen Momente der Nähe und Bindung. Der Alltag ist chaotisch genug. Immer wieder stößt unsere Kleine darin an ihre Grenzen, weil es soviel zu beachten und Neues zu lernen gibt. Manchmal erzählt sie mir im Bett von ihrem Tag und wie es ihr geht. Ich bin mit nicht sicher, ob ich bei Tageslicht soviel erfahren würde. Statt verzweifelt darauf zu waren, dass sie endlich einschläft, oder unauffällig Handynachrichten zu checken, liege ich mittlerweile einfach bei ihr.

Wenn ich ihren warmen Körper an meinem spüre und ihrem Atem lausche, sehne ich plötzlich gar nicht mehr die Zeit herbei, in der sie uns aus ihrem Zimmer verbannt. Ich fühle, wie dieser erzwungene Moment des Nichtstuns und Zulassens auch mir gut tut, wenn ich mich nicht dagegen wehre. Egal, was andere behaupten, ich weiß, dass wir sie ganz sicher nicht ein Leben lang beim Einschlafen begleiten müssen. Ab und zu frage ich sie, ob wir nicht mal ausprobieren wollen, dass ich nach der Gute-Nacht-Geschichte, dem Lied und dem Kuss hinausgehe. Eines Tages wird sie von sich aus Ja sagen – und dann bin ich ein wenig erleichtert, aber wohl auch etwas wehmütig.“

Danke liebe Ella für diese echt und ehrliche Geschichte. Erzählt doch mal wie das bei euren Kindern war. Mit sechs Monaten schon zufrieden im eigenen Schlafzimmer? Mit acht Jahren noch im Familienbett? Jedes Kind braucht etwas anderes, und ich wette, keine von euch ist mit ihren Erfahrungen alleine.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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