„Meine Teenie-Tochter darf sich stylen, wie sie will – inklusive Piercings.“

„Meine Tochter (16) ist eine auffällige Person. Sie ist absolut wandelbar, sieht aber aber immer wild aus. Wer sie kennt, weiß aber, dass sie ein herzensgutes und vernünftiges Mädchen ist.

Es ist, als ob sich all ihr pubertäres Rebellentum nur äußerlich abspielt.

Und das ist nur einer der Gründe, wegen denen ich sie sich stylen lasse, wie sie es möchte. Und zwar über alle Phasen hinweg.

Sie hatte schon schwarzes, grünes, strohblondes und fast komplett abrasiertes Haar – aktuell ist es rosé.

Sie hatte Monate, in denen sie nur schwarz trug, Wochen, in denen sie fast täglich eine gebleichte, zerfetzte Jeans anzog und eine ,Hippiephase` mit weiten Batikhosen und indischen Oberteilen.

Sie trug diese furchtbaren, riesigen künstlichen Wimpern, mit denen sie wie eine Kuh aussah – sie fand sich schick. Sie liebte schon dunklen Lippenstift, viel Kajal und auch knallbunte Lidschatten. Mit all dem kann man sie aktuell jagen, der neueste Trend sind Nude-Töne.

Stringent ist bei ihr nur die Liebe zu Piercings. Erst waren die Ohren dran, dann die Nase und inzwischen auch die Zunge.

Manches finde ich schön, manches grässlich – ich bin ja aber auch 30 Jahre älter als sie. Meistens bewundere ich sie für ihren Mut, manchmal verfluche ich ihn.

Ich behalte aber stets meine Meinung für mich und lasse sie machen.

Und das hat einen ganz einfachen Grund: Ich erinnere mich an meine Jugend zurück. Denn ich durfte quasi nichts.

Als das erste Mädchen in meiner Klasse Ohrringe bekam, fand ich das todschick. Ich wollte das auch, ich war 13 Jahre alt. Meine Eltern verbaten es mir und schenkten mir diese unsäglichen Clips, die erstens höllisch am Ohr weh tun und sich zweitens garantiert im unpassendsten Moment selbstständig machen.

Ich habe sehr helle Augenbrauen und Wimpern und wollte sie irgendwann schminken, um ,wie ein Mensch` auszusehen. Ich durfte es nicht.

Ich wollte einen Kurzhaarschnitt – ratet mal.

Ich wollte kurze Jeansshorts zur Schule tragen – sie waren meinem Vater zuuuu kurz. (Und wir sprechen hier von der Mitte meines Oberschenkels, nicht von der Mitte meiner Pobacke.)

Natürlich begann ich, mich morgens in der Schule heimlich umzuziehen und zu schminken.

Das klappte mal mehr, mal weniger gut. Und machte mich zum Gespött der angesagten Mädchen, wenn sie mich auf dem Mädchenklo bei meinen Stylingversuchen erwischten.

Es war furchtbar. Ich wurde immer unglücklicher, ich wusste genau, dass meine Eltern mir nur alles verboten, weil es ihnen wichtiger war, ,was die Leute denken!`als mein Bedürfnis, Dinge auszuprobieren und mich selbst zu finden.

Das alles möchte ich meinem Mädchen ersparen.

Und so weiß sie, dass sie sich stylen darf, wie sie möchte. Es gibt nur ganz wenige No-Gos: Natürlich muss alles Wichtige ,züchtig` bedeckt sein, wenn ihr wisst, was ich meine. Sie ist noch ein Kind, ich möchte nicht, dass sie ein riesiges Dekolleté oder so zeigt. Und sie dürfte sich noch nicht tätowieren lassen, denn das ist so endgültig und ich weiß, wie schnell sich ihr Geschmack aktuell noch ändert. Ich weiß, dass Piercings Löcher hinterlassen – aber das finde ich nicht sooo wild.

Alles andere soll sie machen… Ich freue mich schon jetzt darauf, später mit ihr ihre Teeniefotos anzuschauen!

Wer jetzt aber denkt, dass sie absolute Narrenfreiheit hat, der irrt sich.

Bei uns gibt es natürlich Regeln, wie bei jeder anderen Familie auch. Sie muss mich fragen, wenn sie bei einer Freundin übernachtet, sie muss zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause sein, das gemeinsame Abendessen ist Pflicht für alle… Solche Sachen eben. Und wir bestehen darauf, dass sie sich ihr kleines Taschengeld mit einem Nebenjob aufbessert – denn ihre wechselnden Spleens gehen ins Geld. Und ich muss sagen, sie ist meistens wirklich pflegeleicht! Sie weiß, dass wir ihr vertrauen und das auch dadurch, dass allein SIE darüber bestimmt, wie sie ihren Körper schmückt und kleidet, und nicht wir.

Ja, sie wird oft angestarrt und andere Teenie-Mütter lächeln mir mitfühlend zu. Das müssen sie aber nicht! Mir ist es wirklich egal, was andere über meine Tochter denken.“

Liebe Saskia, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Ich bin auch so aufgewachsen. Meine Mum hat mir Haare färben geholfen und wir reden hier von blau ect. Ich trage seit Jahren schwarz und bunte Haare. Hat sich nicht geändert ich bin 24 und habe seit neustem kurze Haare mit abrasierten Seiten. Meiner Mum gefällt es. Sie war immer da ich durfte mich ausprobieren und dafür liebe ich sie

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