„Meine Corona-Erkenntnis: Mamas müssen es nicht allen Recht machen!“

„Ich habe – eigentlich mehr für mich selbst – mal einen besonders anstrengenden Tag aufgeschrieben und meine Erkenntnis dazu. Vielleicht kann die Geschichte anderen Mamas helfen, die sich in meinen Erfahrungen wiederfinden…

Es ist Montagmorgen und ich bin mit dem Auto auf dem Weg ins Büro.

Natürlich zu spät, denn mein kleiner Sohn musste mir Mama noch schnell ganz viel zeigen. Eigentlich habe ich Montags frei, aber aufgrund der eingeschränkten Notbetreuung planen mein Partner und ich jede Woche neu. Dieser Montag ist deswegen doch ein Arbeitstag. Nicht im Home-Office, denn da kann ich nicht gut arbeiten, wenn die beiden zu Hause sind.

Der Kleine ist aktuell auch noch ein bisschen krank, daher bin ich erste und einzige Wahl in Allem – sofern ich da bin. Ich betone, er ist nur ein bisschen krank, ein Schnupfen, kein Fieber – sonst würde ich natürlich nicht gehen, falls schon jemand schockiert die Luft anhält.

Ich sitze also im Auto.

Und kann plötzlich nicht mehr richtig sehen. Komisch, ich halte an der nächsten Bushaltestelle an. Mein Schal ist nass und meine Wangen auch. Ich sitze also still und heulend im Auto. Na toll, als hätte ich für sowas Zeit. Warum heule ich plötzlich? Ich halte zum ersten Mal seit langer Zeit kurz inne und denke nach.

Ach ja, mein Partner ist genervt, weil ich ihn heute so früh geweckt habe – er hat ja ‚Betreuungsdienst‘. Er würde jedoch lieber sehen, wenn ich meinem Job nicht so viel Wichtigkeit beimessen und aufopferungsvoll die Familie durch die Corona-Krise führen würde.

Dann fällt mir wieder ein, dass mein Chef mir letzte Woche die Zahlen des vergangenen Monats gezeigt hat. Natürlich ist der Wert unter Plan. Die Tatsache, dass wir im Lockdown sind und ich keine Betreuung für mein Kind habe, spielen keine Rolle. Ich fühle mich unter Druck gesetzt, bei der Arbeit noch mehr leisten zu müssen. 100 Prozent Performance ist gewünscht, schließlich hat die Firma schon im ersten Lockdown soziale Verantwortung übernommen. Das muss reichen.

Mein Sohn wollte heute nicht, dass ich gehe. Er hat geweint und an meinem Pullover gezogen. Natürlich habe ich deswegen ein schlechtes Gefühl.

Ach ja, das ist es wahrscheinlich, was mich so fertig macht. Das alles.

Ich fühle mich umgeben von Menschen, die etwas von mir wollen und ihr eigenes Interesse durchsetzen – ohne Rücksicht auf meine Bedürfnisse. Klar, meinem 2,5-jährigen Sohn verzeihe ich das. Er ist in seinem Alter darauf programmiert, nur an sich zu denken und das ist auch in Ordnung.

Aber ich merke plötzlich, wie ich meine Freundinnen vermisse. Die Menschen, die nichts von mir wollen – außer quatschen. Dann fällt es wie eine Erleuchtung vom Himmel: Ich bin gar nicht dazu da, es allen recht zu machen. Es ist nicht mein Job, alle zufrieden zu stellen. Klar, ich habe vertragliche Pflichten meinem Arbeitgeber und moralischen meinen Mitmenschen gegenüber. Aber seien wir mal ehrlich, dieses Pflichtprogramm übertreffe ich schon lange, bei Weitem.

Die einzige wahre Pflicht habe ich meinem Sohn gegenüber.

Denn den habe ich in die Welt gesetzt. Und ich denke, da bekomme ich die Gesamtnote ‚gut‘. Damit kann ich (mittlerweile) guten Gewissens leben. Alle anderen Menschen können sich freuen, wenn ich etwas für sie tue. Aber sie haben kein Recht, das über meine Bedürfnisse hinweg einzufordern.

Sie können fragen, klar, aber ich darf dann auch ‚nein‘ sagen. Und wenn ich sie mit meiner Gegenwart und meiner Arbeit nicht glücklich mache, dann müssen wir alle damit leben. Sie müssen mit der Enttäuschung klarkommen und ich mit dem Wissen darum.

Diese Erkenntnis hat durch ihre Klarheit etwas Wunderschönes für mich und hilft mir sehr. Schade, dass ich sie manchmal vergesse!“


Vielen Dank, liebe Mama (echter Name ist der Redaktion bekannt), dass du deine Meinung mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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