„Mein Kind will seinen Papa kennenlernen – nach 7 Jahren ohne Kontakt.”

„Ich bin Mutter einer achtjährigen Tochter, ihr Vater hat sich aus unserem Leben verabschiedet, als sie ein Jahr alt war. Nun hat sie bereits seit Längerem den Wunsch geäußert, ihren Papa kennenzulernen. Sie tat mir so leid, deswegen habe ich das Jugendamt angeschrieben, dort hatte er seine Nummer hinterlegt. Nun kam die Antwort: Er habe darüber nachgedacht und sei bereit, sie kennenzulernen.

Ich denke täglich daran, wie ich es meiner Tochter sagen soll.

Tatsächlich habe ich nicht damit gerechnet, da seit sieben Jahren kein Kontakt besteht. Ich war nur ungefähr drei Monate mit ihm zusammen, als ich schwanger wurde. Eigentlich wollte ich die Beziehung beenden und dann war ich schwanger. Als ich ihm davon erzählte, freute er sich und strich mir über den Bauch. Doch dann fragte er: ‚Wo ist denn dein Bauchnabelpiercing?‘ Ich hatte noch nie eins, er hat mich mit einer anderen Frau verwechselt.

Das war es dann für mich, was die Beziehung angeht. Ich sagte ihm, dass er gerne Papa sein darf, aber dass es zwischen uns vorbei ist. Er brach daraufhin den Kontakt ab – mit der Begründung: Wer weiß, ob das Kind von ihm sei. Er forderte einen Test, aber sagte mir auch, dass es besser sei, wenn ich abtreibe, er würde das Kind nicht wollen.

Während der Schwangerschaft habe ich dann weder etwas von ihm gehört noch gesehen.

Einen Tag nach der Geburt stand er dann plötzlich mit Blumen im Krankenhaus. Eine Bekannte hatte ihm Bescheid gesagt. Er sagte aber wieder, dass er erst Vater sei, wenn er einen Vaterschaftstest sehen würde. Das Amt verlangte natürlich Unterhalt und das Ganze ging vor Gericht, wo er wieder einen Test verlangte.

Ich war gezwungen vor dem Richter auszusagen, mit wem ich alles Sex hatte. Meine Antwort fiel kurz aus: Nur mit ihm. Trotzdem zweifelte er. Bis das Ergebnis des Tests da war, war meine Tochter dann bereits 10 Monate alt. Natürlich war er der Vater. Trotzdem kam von ihm erstmal nichts weiter.

Am 1. Geburtstag klingelte es abends um 21 Uhr an der Tür.

Er stand mit einem Teddy im Arm vor mir und sagte, dass er jetzt Vater sein könne, da er nun den Beweis habe. Also war ich so nett, den Kontakt wieder zuzulassen. Er kam dann ab und zu mal für einen Kaffee vorbei. Sein Kind schien ihn bei diesen Treffen nicht besonders zu interessieren. Er trank seinen Kaffee, erzählte ein bisschen und ging wieder. Das hielt drei Monate, dann wurden die Abstände zwischen seinen Besuchen immer größer.

Irgendwann schrieb ich ihm, dass er entweder regelmäßig vorbeikommen oder es ganz lassen soll. Und das wars, es kam nie eine Antwort und ich habe ihm seitdem nicht mehr gesehen. Nun werde ich diesen Mann vermutlich bald wiedersehen und meiner Tochter ihren Vater vorstellen.

Ich gebe zu, ich muss noch damit klarkommen.

Außerdem habe ich Angst, dass er mir Vorwürfe macht. Und wie soll ich so ein erstes Treffen überhaupt gestalten? Was soll ich ihm schreiben? Ich möchte ihn ungern zu mir nach Hause zum Kaffeekränzchen einladen.

Meine Tochter ist sehr aufgeschlossen und sie wird von ihm begeistert sein. Sie mag Männer! Schon immer findet sie Opa toll oder Freunde, meinen Freund vergöttert sie. Ein Teil von mir hat Angst, dass sie ihren Vater toller findet als mich. Es ist schwierig für mich, aber meiner Tochter zuliebe mache ich es.”


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Josefine
Josefine
20 Tage zuvor

Da ich nun diesen Artikel gelesen habe, habe ich auch mal ein Anliegen.
Mein Partner hat als ich im 7ten Monat schwanger war betrogen, daraus ist auch ein Kind entstanden. Ich möchte nicht das er mit dem Kind Kontakt hat, obwohl wir mittlerweile eine glückliche kleine Familie sind, er, unsere Tochter und ich, aber alle sagen ich soll den Kontakt zu dem anderen Kind zulassen. Psychisch habe ich aber sogar noch mit dem Betrug zu kämpfen.

Sabrina
Sabrina
20 Tage zuvor

Hallo liebe Mama,
das klingt ähnlich wie es bei mir und meinem Erzeuger war. Ich wollte ihn mit vielleicht 6 Jahren kennen lernen, bis ich 9 war war Funkstille. Danach wieder bis zu meinem 14. Geburtstag, da wollte er dann plötzlich Kontakt, ich aber nicht. Das letzte mal habe ich mit 18 von ihm gehört und ich habe auch jetzt, als 2-fach Mama mit 34, kein Interesse an ihm. Die Geschichten meiner Mutter und das Erlebte haben mir gezeigt, dass ich diesen Mann in meinem Leben nicht brauche. Ich wäre ehrlich zu deiner Tochter (alle Details erst wenn sie älter ist und es notwendig ist sie zu erzählen) und hoffe sie verkraftet es so gut wie ich, dass ihr Vater so unzuverlässig ist bzw. hoffe für sie das er sich geändert hat und jetzt wo sie älter ist mehr Interesse an ihr hat. Und mach dir keine Sorgen, du bist ihre Mama und sie wird dich nach wie vor lieb haben, egal wie das eine Treffen abläuft. Alles Gute euch ♡

Last edited 20 Tage zuvor by Sabrina