„Mein Kind wäre fast 4 Monate zu früh auf die Welt gekommen.“

Das ist die Geschichte von Stefanie, einer Mama aus unserer Community. Sie ist Mutter eines kleinen Mädchens, das fast 4 Monate zu früh auf die Welt gekommen wäre. Die Gebärmutter wurde durch Zunähen soweit stabilisiert, dass die kleine Amelie noch zwei Monate länger im Bauch geblieben ist. Was sie alles durchgemacht hat, und wie es Amelie heute geht –  Stefanie hat uns ihre berührende Geschichte erzählt.

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„Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte so ausführlich mit anderen teilen soll. Und habe für mich entschieden: Ja, ich möchte sie erzählen. Um Mut zu machen, Hoffnung zu geben und zu zeigen, was alles möglich ist.

Meine Schwangerschaft verlief bis zur 23. SSW nahezu beschwerdefrei. Mein Mann und ich waren überglücklich. Zu der Zeit wussten wir auch schon, dass unser Baby ein Mädchen ist. Und wir hatten auch schon einen Namen. Unsere Tochter sollte Amelie heißen.

Bei einer Untersuchung des Gebärmutterhalses, stellte meine Frauenärztin plötzlich mit Entsetzen fest, dass mein Gebärmutterhals auf 1,5 cm verkürzt war.

Ich musste sofort ins Krankenhaus und verstand die Welt nicht mehr. Plötzlich sagte man mir, unsere kleine Tochter habe nur eine Chance von 30 Prozent zu überleben. Zu 70 Prozent würde sie abgehen, der Zeitpunkt für eine Geburt sei viel zu früh.

Sie werden Ihre Tochter verlieren

Ich frage verzweifelt, ob man denn gar nichts tun könne? Die Antwort der Ärzte war nein. Ich war am Boden zerstört, versuchte meinen Mann zu erreichen, doch er war auf Inventur und ich bekam ihn nicht ans Telefon. Ich fühlte mich so allein.

Auch körperlich ging es mir immer schlechter, die Wehen setzten ein. Ich wurde im Krankenwagen in eine 200 km entfernte Uniklinik gebracht, die Extremfrühchen behandelt – eine Geburt sei unausweichlich, sagte man mir. Während der Fahrt war ich wie in Trance. Aber ich kann mich genau an die Gespräche in der Klinik erinnern. Die Ärzte stellten mich vor die Wahl: lebenserhaltende Maßnahmen mit hohen statistischen Wahrscheinlichkeiten für Schwerbehinderung oder das Frühgeborene gehen lassen.

Ich wollte all die Statistiken nicht hören. Es ging hier doch um einen Menschen. Um mein Mädchen! Sie hatte bereits einen Namen, eine Persönlichkeit, ein Leben. Wie könnte ich mich dagegen entscheiden? Ich entschied mich für ihr Leben.

Einige Stunden später kamen die Ärzte nach langer Beratung und schlugen mir vor, den verbleibenden Gebärmutterhals zu vernähen und somit zu stabilisieren. Sie sähen zwar bei meinem Ausmaß kaum eine Chance, aber zumindest hätten wir es versucht. Ich stimmte zu.

Die OP erfolgte mit Spinalanästhesie, ich war also bei Bewusstsein. Um mich herum standen bestimmt sechs Menschen. Ich habe mich so hilflos gefühlt und nur gebetet, während der Narkosearzt mir über meinen Kopf streichelte. Alle Ärzte waren so nett. Die haben wohl gemerkt: Die Frau, die hier liegt, ist so fertig. Wir müssen sehen, dass wir das hinkriegen.

Plötzlich spürte ich eine irrsinnige Entschlossenheit. Nein, sie wird heute nicht auf die Welt kommen. Ich habe so viel durchgemacht, ich will jetzt ein Happy End! Das hält! Ich wollte nur noch nach Hause.

9 Wochen liegen zwischen Hoffen und Bangen

Das durfte ich aber erst nach einer Woche. Die nächsten 9 Wochen lag ich nur auf der Couch und habe den ganzen Tag Netflix geschaut. Mein einziger Luxus war, dass ich alleine auf die Toilette gehen durfte. Meine Mutter ist jeden Tag vorbeigekommen, hat geputzt und für mich gekocht. Und auch mein Mann war so toll. Wenn er von der Arbeit gekommen ist, hat er mir Essen gemacht, war total fürsorglich. Und er hat immer mit dem Kind gesprochen und den Bauch gestreichelt.

Trotzdem war ich oft verzweifelt, wusste nicht mehr was ich machen soll. Ich habe schon geweint und mich gefragt warum mir das passiert. Meistens wollte ich aber positiv bleiben, auch für die Kleine. Die spüren ja auch im Mutterleib, wenn die Mama gestresst ist.

Und dann kamen die Wehen – zwei Monate zu früh

Im Krankenhaus bekam ich sofort einen Wehenhemmer. Die nächsten drei Tage bestanden aus Herzrasen, Schwindel und unkontrolliertem Zittern. Dann platzte mir die Fruchtblase. Die Ärzte wollten unsere Kleine noch „im Trockenen halten“, doch man konnte die Geburt nicht mehr aufhalten. Ich war in diesem Moment erleichtert, auch wenn es bedeutete, dass unser Baby ganze zwei Monate zu früh auf die Welt kam. Ich konnte diesen psychischen Druck einfach nicht mehr aushalten. Die Angst, die mich seit der 23. SSW täglich begleitet hatte, drohte mich zu zerstören.

Die Geburt war wirklich schlimm. Mein Körper war durch das Liegen so geschwächt, ich hatte nur noch wenig Muskeln. Mein Kreislauf ist durchgedreht, manchmal war ich gar nicht bei Bewusstsein. Als der Kopf schon da war, kamen keine Wehen mehr. Mein Körper war fertig. Und er war noch nicht so weit für die Geburt. Dann blieben plötzlich die Herztöne weg, die Hebammen holten einen Arzt, und der holte Amelie mit der Saugglocke während die Hebammen sich auf meinen Bauch schmissen.

Als ich Amelie zum ersten Mal sah, hatte sie einen total wütenden Gesichtsausdruck. Die Hebammen wollten sie gleich weitergeben in die Station für die Erstversorgung, doch der gestresste Arzt hat sie darum gebeten mir das Baby erst noch zu zeigen.

Ich war erleichtert, dass sie es geschafft hat, dass ich es geschafft hatte.

Ich dachte, dass ich jetzt endlich diese Angst loslassen kann. Ich war sogar zum Weinen zu fertig. Dann habe ich das Bewusstsein verloren, weil ich so viel Blut verloren hatte.

Als ich zusammengenäht war und was gegessen hatte, eine super leckere Lachslasagne, wollte ich auf die Toilette, aber bin einfach umgefallen. Die nächsten zwei Tage war ich war kaum bei Bewusstsein. Ich habe nur geschlafen, war einfach nur kaputt.

In den zwei Tagen habe ich viel an sie gedacht und wollte auch immer zu ihr, wenn ich wach war. Aber die Ärzte hatten gesagt, es wäre besser, wenn ich liegen bleibe. Ich habe oft mit den Ärzten auf der Frühchenstation telefoniert, damit die mir sagen, wie es ihr geht.

Als ich sie das erste Mal wiedergesehen habe, wurde Amelie gerade wegen Gelbsucht bestrahlt. Ich spürte sehr viele Glücksgefühle. Aber gleichzeitig auch so eine Beklemmung, weil ich Angst hatte, Gefühle zuzulassen, da ich nicht wusste, was aus ihr wird. Wird sie eine Behinderung haben? Wird alles ok sein? Alle Ärzte und Hebammen waren super nett, haben versucht, Witze zu machen, um die Situation aufzulockern.

Frühchen Amelie Pampers

Amelie, hier wenige Tage alt, kam zwei Monate zu früh auf die Welt. Foto: privat

Schlaf ist für Frühchen überlebenswichtig

Als sie im Wärmebettchen war, durfte ich dann endlich alles selber machen, zum Beispiel wickeln und anziehen. Aber ich hatte unfassbare Angst um dieses kleine Wesen mit den ganzen Kabeln um sich herum. Beim Wickeln habe ich Schweißausbrüche bekommen und immer eine halbe Stunde dafür gebraucht. Man muss eine unglaubliche Geduld haben. Auch, weil sie eigentlich gar nichts selbst können. Eine Schwester hat mal zu mir gesagt. „Die wären jetzt eigentlich im Bauch und hätten noch das komplette All-Inclusive-Paket. Und alles, was sie jetzt machen, ist toll. Weil sie das noch gar nicht müssten.“

So oft es ging, also wenn Amelie stabil war, war ich bei ihr zum Känguruhen. Das ist eine Kuscheltherapie für Frühchen und Babys, besonders wichtig in den ersten drei Monaten. Dabei wird dir dein Baby auf den nackten Oberkörper gelegt. Auch das Baby hat nur eine Windel an, damit sie die Nähe besser spüren können. Viel Körperkontakt ist in den ersten Lebenswochen unglaublich wichtig für die Winzlinge. Sobald sie bei meinem Mann oder bei mir auf der Haut lag, haben wir auf dem Monitor gesehen, dass Amelies Herzschlag und der Puls ruhiger wurden. In den Momenten war sie immer völlig entspannt. Danach ging es sofort zurück ins Wärmebettchen, um zu schlafen.

Für alle Eltern war klar: Wenn das Kind schläft, lässt man es schlafen.“

Auf der Frühchen-Station habe ich so viel gelernt: 1 von 10 Babys kommt in Deutschland zu früh auf die Welt. Auch Schlaf ist für Frühchen unglaublich wichtig, sie schlafen sich 22 Stunden am Tag sozusagen groß, denn währenddessen entwickeln sich ihre die Gehirnfunktionen und alle Körperfunktionen. Licht, Geräusche und Untersuchungen, alles stört den Schlaf. Auch der Windelwechsel. Auf der Station habe ich das erste Mal die Preemie Protection Windeln von Pampers gesehen.
Sie sind so winzig, dass sie in beide Handflächen passen! Sie wurden von Pampers zusammen mit über 800 Krankenpfleger*innen und Kinderärzt*innen entwickelt. Denn früher mussten die Pfleger*innen die Windeln immer zurechtschneiden, damit sie den winzigen Kämpfern gepasst haben. Die Pampers Preemie Protection Windel ist nicht nur miniklein, sondern auch besonders weich und sie hat Flügel, die man komplett abnehmen kann, so dass die Windel in jeder Position angelegt werden kann. Aber so toll die Preemie-Windeln damals waren – ich war auch froh, als meine Amelie endlich in eine normale Pampers Newborn-Windel gepasst hat.

Bei dieser Darstellung lässt es sich sehr gut erkennen: Die Preemie Protection Windel von Pampers ist winzig klein.

Bei dieser Darstellung lässt es sich sehr gut erkennen: Die Preemie Protection Windel von Pampers ist winzig klein. Foto: PR

In den 5 langen Wochen auf der Frühchen-Station gab es keinen Platz für einen Alltag. Es gab nur die Frühchenstation. Fast, als wäre man in eine andere Welt hineingetaucht.

Ab der dritten Woche hat Amelie immer kurz die Augen aufgemacht und wurde immer fitter. Sie war stabil. Gott sei Dank waren auch alle Routineuntersuchungen normal. Das einzige, was noch Probleme bereitete, war das Trinken. Wenn sie getrunken hat, konnte sie noch nicht gleichzeitig atmen. Nach einiger Zeit hat sie nach Luft geschnappt, wie ein Fisch auf dem Trockenen. Gleichzeitig zu trinken und zu atmen musste sie, wie viele Frühchen, erst lernen. Es war eine echte Stresssituation, ihr die Flasche zu geben. Bei jeder Flasche lag das Telefon mit voreingetippter Notrufnummer neben mir, falls ich es nicht schaffen würde, sie rechtzeitig wieder zum Atmen zu animieren.

Trotzdem durften wir sie genau fünf Wochen nach ihrer Geburt mit nach Hause nehmen. Da hat Amelie 2,5 Kilo gewogen.

Natürlich habe ich mir immer wieder Sorgen um sie gemacht. Was ist, wenn sie doch bleibende Schäden davongetragen hat? Was, wenn doch noch irgendetwas schiefgeht? Natürlich sind wir zu jeder Untersuchung gegangen. Jedes Mal war ich wieder sehr aufgeregt. Doch nach einem halben Jahr war auch ihr Immunsystem ganz normal. Es war alles normal, bis auf ein kleines Loch im Herzen, dass Frühgeborene oft haben. Doch selbst das war nach einem Jahr von alleine zugewachsen. Heute müssen wir zu keinen zusätzlichen Untersuchungen mehr gehen, nur noch zum Augenarzt. Oft haben Frühgeborene Probleme mit den Augen. Aber auch da ist alles ok.

Heute ist Amelie ein ganz gesundes Kind – noch dazu ein überglückliches

Ich war lange übervorsichtig. Doch eines Tages stand ich morgens an Amelies Bett. Und hab mir gesagt: Ich will, dass sie eine ganz normale Kindheit hat. Sie war ja gesund.

Amelie war von Anfang an ein sehr lebenslustiges Kind. Jeden Morgen, wenn ich sie aus dem Bett hole, ist sie gut drauf, glücklich und ausgeglichen. Das Gleiche habe ich auch von anderen Frühchen gehört. Vielleicht wissen sie ihr Leben doch mehr zu schätzen. Und freuen sich einfach, dass sie das alles gepackt haben. So wie ihre Eltern natürlich auch.“

Stefanie Mama Frühchen

Heute haben Stefanie und ihre kleine Tochter Amelie ein ganz normales Leben. Foto: privat

Ich kann allen Frühchen-Mamas nur raten: Holt euch so viel Unterstützung wie möglich. Fragt, und bittet die Krankenschwestern um Hilfe, euch alles zu erklären. Je mehr man weiß, desto sicherer fühlt man sich im Umgang mit seinem besonderen kleinen Kämpfer.“

Dem können wir nur zustimmen, und sprechen daher auch bei Echte Mamas viel über das Thema. Zum Beispiel mit Carmen Beck aus dem Expertenteam von Pampers, die jahrelange Erfahrung in der Erstversorgung von Frühchen hat. Sie sagt: „Ganz kleine Babys brauchen auf jeden Fall Unterstützung beim Atmen – entweder am Beatmungsgerät, durch eine Atemhilfe oder zusätzlichen Sauerstoff. Ab der 30. Schwangerschaftswoche kommen sie mit dem Atmen eigentlich alleine zurecht. Dann ist die Ernährung oftmals ein Problem, viele brauchen eine Infusion oder bekommen die Muttermilch durch die Magensonde. Viele Frühchen haben auch Probleme, die Temperatur zu halten, und kommen in ein Wärmebettchen. Und dort bekommen sie dann zusätzlich über eine Infusion noch Medikamente für den Kreislauf, die den Blutdruck stabilisieren.“  Noch mehr Infos gibt sie in unserem Frühchen-Talk auf Instagram. 

Carmen Beck hat durch ihren Job als Kinderkrankenschwester jahrelange Erfahrung mit Frühchen.

Carmen Beck hat durch ihren Job als Kinderkrankenschwester jahrelange Erfahrung mit Frühchen. Foto: priva

Und noch etwas, dass ihr unbedingt wissen solltet: Es gibt eine tolle Aktion, mit der ihre Frühchen und ihre Eltern unterstützen könnt: Pampers spendet für jede (im Zeitraum: 01.11.–12.12.2020) in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkaufte Packung Pampers Windeln eine Frühchenwindel bzw. den Gegenwert (11 Cent) an Krankenhäuser & Frühgeborenen Organisation(en), max. Spendenaufkommen 1 Mio. Stück. Pampers unterstützt so unter anderem Projekte der Organisation wellcome*, die Frühchen und ihren Familien zu Gute kommen. Betroffene Familien haben so zum Beispiel auf http://www.pampers.de/schlafdichgross die Möglichkeit, sich für eine telefonische Sprechstunde mit einer frühchenerfahrenen Hebamme anzumelden. 

* Die wellcome gGmbH ist ein Sozialunternehmen und einer der Social Franchise Pioniere in Deutschland. wellcome entwickelt Angebote für Familien und möchten Eltern damit ermutigen, sich auf das Abenteuer Familie einzulassen, mehr Informationen www.wellcome-online.de

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Foto: privat

Erstes Babyjahr

Jennifer Meerkamp

Als Kind der 80er habe ich Kinderkassetten geliebt. Schnell war mir klar: Karla Kolumna ist immer dort, wo was los ist. Deswegen wollte ich Journalistin werden. Tatsächlich habe ich über meinen Job schon viele tolle Menschen kennenlernen dürfen: Jetzt, als Mama eines 1,5-Jährigen, freue ich mich, heute Teil des Echte Mama Teams zu sein und über Kinder zu schreiben. Die sind nämlich genau so spannend wie Schauspieler und Politiker.

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