„Mein Kind ist Fremden gegenüber viel zu offen und touchy. Was soll ich tun?“

„Eltern von Kindern, die keinen Schritt ohne ihre Hand machen und sich ständig schüchtern verstecken, werden mein Problem vermutlich nicht verstehen können. Aber bei uns ist es genau anders herum: Meine Vierjährige ist in meinen Augen einfach viel zu offen und zutraulich und das stellt mich regelmäßig vor einen Konflikt.

Auf der einen Seite finde ich es toll, wie selbstbewusst und mit was für einem Urvertrauen sie in die Welt rausmarschiert.

Diese Offenheit, Neugier und das Interesse an anderen Menschen möchte ich auch eigentlich gar nicht bremsen. Auf der anderen Seite mache ich mir aber manchmal wirklich Sorgen um ihre Sicherheit. Außerdem bemerke ich auch, dass es anderen Erwachsenen manchmal unangenehm ist, wenn sie so touchy und direkt auch so körperlich vertraut ist.

Ein Beispiel: der fremde Papa beim Kitafest

Beim Kitaflohmarkt haben wir vor Kurzem das erste Mal den Papa von einem Kind aus ihrer Gruppe kennengelernt. Als die Freundin meiner Kleinen dann mit ihrem Papa ein ‚Knuddelspiel‘ gespielt hat, hat meine Tochter einfach sofort mit herumgebalgt und hatte null Berührungsängste. Ich merkte richtig, wie unwohl ihm war, weil er meiner Tochter nicht ‚unangemessen‘ zunahe kommen wollte und habe sie dann unter einem Vorwand ‚weggelockt‘.

Dass sie sich mit ihren Kitabetreuerinnen so wohl fühlt und auch mal liebevoll in den Arm genommen wird, finde ich ja toll. Aber auch hier unterscheidet sie überhaupt nicht zwischen der Erzieherin, die sie schon seit zwei Jahren kennt oder der Praktikantin, die erst seit einer Woche da ist. Auch auf der Straße oder dem Spielplatz spricht sie ständig Leute mit Hunden an oder fragt fremde Eltern, ob sie auch einen Keks haben darf.

Natürlich erkläre ich ihr ständig, dass sie nicht mit Fremden mitgehen darf, dass ihr Körper nur ihr gehört, und und und.

Aber ich möchte ihr ja auch keine Angst machen und immer den Teufel an die Wand malen. Trotzdem stört es mich, dass sie mit allen direkt so vertraut ist und selbst bei entfernten Bekannten wie selbstverständlich auf den Schoß krabbelt oder die Hand nimmt. Ich habe das Gefühl, immer dasselbe zu reden und zu erklären, dass man das nur bei seeehr nahen, lieben Menschen macht. Ich weiß einfach nicht, wie ich ihr noch ein ‚gesundes Distanzverhältnis‘ vermitteln könnte, während sie selber so gar kein Gespür dafür hat.“


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Jana Krest
Obwohl ich ein absolutes Landkind aus der Eifel bin, lebe ich schon seit einigen Jahren glücklich in Hamburg. Hier habe ich nach meinem Bachelor in Medien- und Kommunikationswissenschaften und Soziologie auch noch meinen Master in Journalistik und Kommunikationswissenschaften gemacht. Während meines Studiums kümmerte ich mich frühmorgens, wenn die meisten noch schliefen, bei der Deutschen Presse-Agentur darum, dass die nächtlichen Ereignisse aus ganz Norddeutschland in die Nachrichten kamen. Und ich hatte jahrelang noch den für mich besten Nebenjob der Welt: Die süßen Kinder von anderen betreuen. Nachdem ich Echte Mamas zunächst als Praktikantin kennenlernen durfte, schreibe ich nun als Redakteurin über alles, was Mamas beschäftigt: Von praktischen Ratgeber-Texten über aktuelle Trends bis hin zu wichtigen Recht- und Finanzthemen.

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Silke
Silke
8 Tage zuvor

Mein Sohn (6) ist genauso und ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut verstehen. Eine „Lösung“ habe ich dafür aber leider auch noch nicht gefunden.

Ich schätze die Offenheit meines Sohnes sehr, fühle mich aber gleichzeitig regelmäßig unwohl, auch weil es anderen einfach zu aufdringlich ist (gerade wenn er irgendwo etwas „schnorrt“).

Immer wieder thematisieren finde ich richtig. Ich hoffe, dass das Verstehen von gesellschaftlichen „Normen“ und den Grenzen Anderer dann irgendwann kommt. Für Tipps bin ich immer offen.

Bleib dran und viel Erfolg!