„Rette im Notfall mich, nicht unser ungeborenes Kind!“ Wie findet ihr diese Bitte?

Was, wenn es bei der Geburt zu Komplikationen kommt und es plötzlich heißt: Das Leben der Mama oder das des ungeborenen Kindes? Auch ich habe mir diese Frage während meiner Schwangerschaft manchmal (heimlich) gestellt.

Doch dann habe ich sie, wie wohl die meisten von uns, schnell wieder beiseite geschoben – und einfach darauf gehofft, dass es niemals dazu kommt. Anders diese werdende Mama aus Amerika, die ihre Geschichte jetzt in einem Blog-Eintrag auf der sozialen Plattform Reddit geteilt hat.

Sie hat ihrem Ehemann vor der Geburt klipp und klar gesagt, er solle sich im Notfall für sie – und gegen ihr ungeborenes Kind entscheiden. Für diese Aussage wurde sie heftig angefeindet…

Hier erzählt sie, wie es dazu kam:

Ihr Mann und sie hätten diese Diskussion bereits vor zwei Jahren geführt, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, schreibt sie. Sie litt damals unter Schwangerschaftsdiabetes und musste daher einen geplanten Kaiserschnitt durchführen lassen. Dadurch habe sie angefangen, über das Worst-Case-Szenario nachzudenken.

In den USA sterben laut Studien immer mehr Frauen bei der Geburt. Die Zahl hat sich zwischen 1991 und 2014 verdoppelt. Vor dem Hintergrund entschied sie, ein ernstes Gespräch mit ihrem Mann zu führen.

„Bitte entscheide dich für mich, nicht für das Baby“

„Bevor wir ins Krankenhaus fuhren sprach ich mit ihm darüber, dass, sollte er jemals vor der Wahl stehen, sich zwischen unserem Kind und mir zu entscheiden, er sich bitte für mich entscheiden sollte“, schreibt sie. „Er wurde sehr ruhig, stimmte aber schlussendlich zu.“

Zum Glück lief bei der ersten Geburt alles gut. Jetzt, in ihrer zweiten Schwangerschaft, poppte das Thema erneut auf. Das Paar traf erneut die Vereinbarung, im Notfall lieber das Leben der Mutter zu retten. Doch nicht alle in ihrem Umfeld haben für diese Entscheidung Verständnis, schreibt die Mama auf Reddit. Im Gegenteil.

Sie wurde zum Teil heftig für ihre Aussage angefeindet:

Von einer Freundin auf die Schwangerschaft angesprochen, antwortete die werdende Mama: „Die Schwangerschaft macht mir nicht so viel Angst wie die Geburt. Ich mache mir Sorgen, dass etwas schief geht, und habe wieder mit meinem Mann darüber gesprochen.“

Sie erklärte der Freundin die Gründe für diese Entscheidung: „So gerne ich meiner Tochter ein Geschwisterchen schenken möchte, ich kann sie nicht ohne eine Mama zurücklassen. Unsere ursprüngliche Vereinbarung gilt daher nach wie vor!“

Die Freundin war entsetzt und beschimpfte die werdende Mama:

„Sie sagte zu mir, ich sei ein egoistischer A…, wenn ich von meinem Mann verlange, das Baby zu töten – ja, genau das waren die Worte. Ich sei total negativ und solle besser darüber nachdenken, was ich denke.“ Dabei sei sie einfach nur ein Mensch, der gerne auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet ist, und dabei trotzdem immer das Beste hofft, so die Mutter.

„Ich wollte einfach nicht, dass mein Mann plötzlich in so einer schrecklichen Situation ist und nicht weiß, was er machen soll. Niemand denkt gerne daran, was schief gehen könnte in einer Schwangerschaft, aber ich möchte einfach jedes mögliche Szenario durchgehen.“

Viele Menschen verstehen ihre Entscheidung aber auch:

Als die werdende Mutter ihre Geschichte auf Reddit teilte, rechnete sie ebenfalls mit vielen negativen Kommentaren, erzählt sie. Doch ein großer Teil der Leser zeigte sich verständnisvoll. Nur weil sie (öffentlich) über so ein Tabuthema nachdenke und spreche, sei sie noch lange nicht „morbide“ oder „negativ“.

Eine erwachsene Frau habe nun mal schon eine Persönlichkeit und Menschen um sich herum, die sie lieben und deren Leben sie bereichert. Ein Baby habe all das noch nicht. Es sei außerdem absolut richtig, solche Gespräche zu führen wenn eine Geburt ansteht, die eventuell schwierig werden könnte.

Hier ein Auszug aus den Kommentaren:

„Du kannst ein anderes Baby machen. Aber dich gibt es nur einmal“, schreibt eine Userin. Eine andere pflichtet ihr bei: „Ein Witwer mit zwei Kindern hat ein schlechteres Leben als zwei gesunde Eltern mit nur einem Kind. Die Familie wäre glücklicher, wenn die Mama noch da wäre“, meint jemand anders.

„Ich bin schwanger mit meinem dritten Kind“, schreibt eine andere Mama. „Ich sagte meinem Mann, wenn er sich zwischen mir und den Kindern entscheiden muss, soll er die Kinder wählen. Wenn es zwischen mir und dem Fötus entscheiden muss, mich. Ich werde meine Babys nicht ohne Mutter auf dieser Welt zurück lassen, wenn es in meiner Macht steht. Den Fötus zu verlieren würde mich und meinen Mann am Boden zerstören, aber es ist besser für unsere Familie als Ganzes.“

Ich muss sagen: Ich kann die Argumente zum Teil nachvollziehen. Trotzdem finde ich die Aussage krass – und musste beim ersten Lesen ganz schön schlucken.

Wie geht es dir damit? Kannst du die Entscheidung nachvollziehen? Wenn du dich mit uns und anderen Mamas austauschen möchtest, komm gerne in unsere geschlossene Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“.

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft und freue mich, bei Echte Mamas Beruf & Berufung miteinander verbinden zu können. Hier schreibe ich über den bunten Alltag mit meinem Sohn (zwei Jahre) und die kleinen (und großen) Herausforderungen, die das Mamasein so mit sich bringt.

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