Ziehen wir in unseren Kindergärten und Schulen nur einen Haufen passiver und antriebsloser Konsumenten heran? Wenn es nach dem Göttinger Gehirnforscher und Autor Gerald Hüther geht, ja. Im Gespräch mit Business Insider stellt er für die Zukunft unserer Kinder eine düstere Prognose auf.   Wenn man einer Studie der Universität Oxford glaubt, so wird fast […]

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    Ziehen wir in unseren Kindergärten und Schulen nur einen Haufen passiver und antriebsloser Konsumenten heran? Wenn es nach dem Göttinger Gehirnforscher und Autor Gerald Hüther geht, ja. Im Gespräch mit Business Insider stellt er für die Zukunft unserer Kinder eine düstere Prognose auf.  

    Wenn man einer Studie der Universität Oxford glaubt, so wird fast die Hälfte der Jobs, die heute noch von Menschen verrichtet werden, innerhalb der nächsten 25 Jahre von Computern und Robotern übernommen. Darunter werden laut Experten nicht nur Arbeitsplätze in Fabriken fallen, sondern auch Tätigkeiten von Ärzten, Lehrern, Büroangestellten und sogar Juristen. Für unsere Kinder bedeutet dies nach Meinung Gerald Hüthers, dass in naher Zukunft nur diejenigen Arbeit haben werden, die sich ihre Berufe selbst erschaffen. Und dazu braucht es Kreativität und Eigeninitiative.

    Doch werden unsere Kinder das Zeug dazu haben? Mit unserem derzeitigen Bildungssystem, das Kinder mit Frühförderung, Sprach- und Mathematikunterricht schon im Vorschulalter auf Effizienz trimmt, sieht Hüther hier kaum eine Chance. Gegenüber dem Business Insider sagt er: „Das System hat sich seit den 1950er-Jahren nicht mehr verändert und dient nur dem Zweck, Konsumenten hervorzubringen. Also Menschen, die nur arbeiten, um sich etwas leisten zu können.“

    Die Lösung liegt für den Gehirnforscher darin, Kindern viel mehr Freiraum zu verschaffen, ihre angeborene Neugier im freien Spiel auszuleben. Er sieht es als eine der wichtigsten erzieherischen Aufgaben an, den Forscherdrang unserer Kinder zu fördern und sie Dinge selbst erfahren und verstehen zu lassen, statt sie zu belehren. Nur so lernen sie, auch im Erwachsenenalter eigenständig zu denken und zu handeln.

    Dabei darf das Erlernen von sozialen Regeln und das Setzen von Grenzen natürlich nicht vernachlässigt werden. Der ideale Kindergarten bietet nach Hüthers Vorstellung auf der einen Seite Freiraum und auf der anderen Seite klare Verhaltensregeln. Für ihn sind diese Voraussetzungen zum Beispiel in Waldkindergärten optimal gegeben: „Diese Art von Kindergarten fördert die Lust am Entdecken, weil es ein anregendes Umfeld ist. Zugleich sind die Erzieher oder Betreuer da, um Regeln und Grenzen mit den Kindern auszuhandeln“, sagt er dem Business Insider.

    Was für Kindergärten und Schulen gilt, ist natürlich auch für die übrige Freizeit wichtig. Statt unsere Kinder von einer Früherziehung zur nächsten zu fahren, sollten wir sie öfter einfach spielen und erkunden lassen, am besten draußen in Garten, Stadtpark oder Wald. Ganz nebenbei bietet das sogar die Chance, die ganz eigenen Interessen und Fähigkeiten unserer Kinder viel besser kennenzulernen, als durch irgendwelche Hobbys, die wir für sie ausgesucht haben.

    Also, geht raus und lasst euch von euren Kindern leiten! Wir garantieren euch: Das wird allen Spaß machen.

    7 Kommentare

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