Lassen wir die Papas doch einfach mal machen!

„Duuuu, Laura, bist du auch oft so ungerecht zu deinem Freund, jetzt, wo ihr Eltern seid?“

Das fragte mich mal eine Bekannte, als meine Tochter noch recht klein war und ihre eigene erst wenige Wochen alt. Ihre Ungerechtigkeit bestand darin, dass sie ihren Mann einfach nichts machen ließ. „Weil er es eben nicht so macht, wie ich es richtig finde!“ Er wickelte komisch, er zog das Baby komisch an… Das konnte sie nicht ertragen.

„Dann schiebe ich ihn zur Seite und mache es lieber selbst.“

„Auch, wenn er dann ein bisschen beleidigt ist. Geht dir das auch so?“

Nee. In dieses Thema konnte ich tatsächlich nicht so richtig einsteigen. Und zwar nicht, weil ich so megalässig bin (ich bin in anderen Bereichen manchmal leider so richtig schlimm ungerecht zu meinem Freund, das glaubt mal!) – sondern weil ich auf diese Idee tatsächlich noch gar nicht gekommen war.

Wenn mein Freund wickelte, Fläschchen gab, tröstete – dann war er dran und ich genoss das kurze Päuschen. Obwohl er vieles ganz anders machte als ich. Klappte doch alles!

Und: Es war doch auch mein erstes Baby! Wieso sollte ich es denn besser wissen als er? Durch meinen Mutterinstinkt?

Wer sagt denn, dass es keinen Vaterinstinkt gibt?

Das finde ich tatsächlich ungerecht, so zu denken. Es ist heute zum Glück selbstverständlich, dass Papas mit zum Ultraschall, zum Geburtsvorbereitungskurs und mit in den Kreissaal kommen. Finden wir super, ist ja schließlich auch sein Kind.

Aber wieso wird denn dann seine Kompetenz in der Babypflege in Frage gestellt?

Aber ehe ich hier als Männerversteherin abgemahnt werde, natürlich gibt es auch noch rein egoistische Gründe, nicht ständig an Papa herumerziehen zu wollen. Wer hat schon Lust dazu, ständig mit Argusaugen überwacht und dann ermahnt und korrigiert zu werden? Richtig. Niemand. Und so kann ich mir gut vorstellen, dass auch die engagiertesten Männer nach und nach die Lust verlieren, sich um ihr Baby zu kümmern. Und dann? Dann jammert Mama wieder, dass er ihr so gar nicht hilft. Oder irre ich mich?

Das Misstrauen gegen Papas Fähigkeiten ist weit verbreitet:

Als meine Tochter sicher schon fast ein Jahr alt war, habe ich ich mal mit ihr im Schlepptau mit einer ehemaligen Kollegin getroffen. Wir unterhielten uns über das Leben mit Baby (also, ich quatschte sie damit voll, sie hatte noch kein Kind) und ich erzählte, wie toll es sei, dass ich schon ganz schnell auch mal wieder ab und zu mit meiner Freundin abends losgehen konnte.

„Und wer passt dann auf sie auf?“ „Na, der Papa!“ „Oh. Ah, so.“

Lange Pause. „Findest du das nicht komisch? Ich könnte mir das nicht vorstellen, ich hätte keine ruhige Minute.“

Öh. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was ich antworten sollte, außer: „Nee, da hab ich ein supergutes Gefühl!“

Also – wenn nicht der eigene Papa der weltbeste „Babysitter“ fürs Kind ist, wer denn dann?

Neulich habe ich übrigens einen Bericht von einem Papa gelesen, der in Teilzeit arbeitet und sich ganz viel um sein Kind kümmert. Er macht alles, was in den meisten Fällen zumindest unter der Woche noch die Mamas übernehmen: Spielplatz, Einkäufe… Er hat geschrieben, dass ihm Mütter vorm Regal im Drogeriemarkt ungefragt „die besten Windeln!“ in den Korb legen – viele gute Tipps gibt es auch gleich dazu. Fremde Mütter zücken Papiertaschentücher und putzen seinem Kind die Nase, wenn er nicht schnell genug ist…. etc. pp.

Er spürt wirklich täglich, was noch in viel zu vielen Köpfen steckt: Ein Vater, der sich so sehr um sein Kind kümmert, ist wundervoll – er hat unsere Hilfe verdient! Ob er sie aber überhaupt will und braucht? Der Autor des Berichts zumindest war schwer genervt und hatte einen großen Appell:

Liebe Mamas, hört auf, die Väter zu erziehen!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Ich habe keinen Zweifel daran das mein Mann sich nicht perfekt um unsere Tochter kümmern kann! ICH bin das Problem :/ Ich kann nicht loslassen … ich möchte jede Sekunde bei ihr sein … ich habe Angst das sie mich dann weniger braucht … Natürlich bin ich mir dessen bewusst das dies Quatsch ist und daher zwinge ich mich zum loslassen … aber es ist noch einiges was ich aufarbeiten muss, um mich nicht über die Abhängigkeit Meines Kindes zu identifizieren! Mein Mann ist ein toller Vater und er macht alles richtig auch ohne meine Vorgaben 🙂

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