„Klar koche ich meinem Kind eine ,Extra-Wurst`, wenn es ihm nicht schmeckt!“

Als Kind musste ich immer meinen Teller leer essen. Ich bekomme heute noch ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich daran denke, wie ich manchmal STUNDEN am Tisch saß und meine Tränen in meine Graupensuppe tropften – bis ich sie mir, mit Hilfe einer Menge Saftschorle, heruntergewürgt hatte.

Eine echte Qual. Schon immer wusste ich, dass ich so etwas niemanden antun würde.

Inzwischen bin ich längst selbst Mutter. Und habe meinen Vorsatz nicht vergessen.

Zumal ich inzwischen weiß, was man einem Kind mit dem Zwingen zum Essen antun kann: Ich war als junge Erwachsene lange Zeit essgestört. Dass ICH in meiner ersten eigenen Wohnung alleine darüber bestimmen konnte, was und wieviel ich essen konnte, das gab mir ein unbeschreiblich gutes Gefühl. So gut, dass ich es auf die Spitze trieb. Erst eine Therapie konnte mir helfen und heute habe ich ein – den Umständen entsprechend! – entspanntes Gefühl dem Thema Essen gegenüber.

Nicht ganz so entspannt war mein Sohn, von Anfang an war er ein ,schwieriger Esser`.

Brei war nix, so dass wir schnell dazu übergegangen sind, dass er bei uns mit isst. Joa. Er pickte sich ein paar Dinge heraus und stillte seinen richtigen Hunger wirklich laaange am liebsten noch mit dem Milchfläschchen.

Das war dann aber natürlich irgendwann auch passé. Geblieben ist sein Mäkeln am Tisch. Er ist jetzt sieben Jahre alt. Nichts schmeckt ihm. Gerichte, die er wirklich gerne isst, kann ich an zwei Händen abzählen – und die zweite Hand brauche ich dabei auch nur ganz knapp.

Mein Mann hat eigentlich die Einstellung, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

Seiner Meinung nach soll sich unser Sohn dann eben an den Beilagen satt essen. Das Problem: Wenn diese Beilagen keine Pommes oder Nudeln sind, mag er auch die nicht.

Das sah mein Mann irgendwann ein – okay, ich habe dafür sehr auf ihn eingewirkt – und wir besprachen, dass unser Sohn dann eben eine Scheibe Brot bekommen würde, wenn er das Gekochte nicht mag.

Das Ergebnis: Mein Sohn lebte fast ausschließlich von Broten. Mit Salami, denn das ist der einzige Aufschnitt, den er isst.

Es ließ mir keine Ruhe. Das war ja nun von einer ausgewogenen Ernährung weiter weg als irgendwas. Und so setzte ich mich durch. Wenn es meinem Sohn nicht schmeckt, koche ich ihm eben Nudeln mit Tomatensauce. Oder brate ihm eine ,Extrawurst` mit Kartoffelpüree. Oder schnippele eine Gemüsepfanne, die liebt er zum Glück.

Ja, es ist eine Menge Arbeit mehr. Und nein, das wird ihn sicher nicht dazu bewegen, immer mal wieder andere Dinge zu probieren. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Er soll sein Essen genießen können, es als Freude empfinden und niemals als Zwang, so wie ich früher.

Mein Mann hat aufgegeben, mich zu kritisieren. Meine Schwiegereltern und viele Bekannte von uns rollen mit den Augen. Aber das ist mir egal.

Der einzige Stachel, der mich manchmal piekst: In der Schule isst mein Sohn fast alles.“


Vielen Dank, liebe Elaine, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft – und gute Nerven!

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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