Kita-Studie zeigt: Die Kinder-Betreuung muss besser werden

Gibt man seinen kleinen Schatz nach einem, zwei oder drei Jahren Elternzeit in die Krippe oder Kita, möchte man natürlich sicher sein, dass es dem Kind dort gut geht. Die Kleinen sollen nicht einfach nur beaufsichtigt, sondern auch liebevoll betreut, getröstet und bestmöglich gefördert werden. Leider lässt der Betreuungsschlüssel in den Kitas in Deutschland nach wie vor zu wünschen übrig, besonders im Osten. Das fand die Bertelsmann Stiftung in der Kita-Studie „Ländermonitoring frühkindliche Bildungssysteme“ heraus. Die Kinder-Betreuung in der Kita muss intensiver werden.

Kinder-Betreuung in der Kita: Laut Studie fehlen 106.500 Erzieher

Der Betreuungsschlüssel hat sich in den letzten Jahren zwar schon deutlich verbessert: Von 2008 bis 2018 ist die Zahl der pädagogischen Fachkräfte um über 50 Prozent gestiegen. Soweit die gute Nachricht. Jetzt die schlechte: Trotzdem fehlen für eine kindgerechte Betreuung laut Bertelsmann noch 106.500 (!) weitere Erzieher.

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt, dass im U3-Bereich maximal drei Kinder von einer Fachkraft betreut werden. Sind die Kleinen älter als drei Jahre, sollte ein Erzieher höchstens für 7,5 Kinder verantwortlich sein. Die Realität sieht aber anders aus: Im Durchschnitt kümmert sich eine Erzieherin um 4,2 Kleinkinder, bei Mädchen und Jungen über drei Jahren um 8,9 Kinder.

Dazu kommt: Die Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit

In der Realität nutzen die Erzieherinnen rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit für Aufgaben, bei denen sie nicht direkt mit den Kindern zu tun haben – wie Elterngespräche oder die Dokumentation der Kindesentwicklung. Urlaub, Krankheit und Fortbildungen sind ebenfalls nicht mit eingerechnet. Sprich: Der Betreuungsschlüssel sieht im Kita-Alltag noch schlechter aus als auf dem Papier. Ein Beispiel: Betreut eine Erzieherin in Mecklenburg-Vorpommern rein rechnerisch 13,2 Kinder, sind es in Wahrheit fast 20.

Der schlechte Personalschlüssel belastet nicht nur die Kinder, da die liebevolle Betreuung nicht immer in vollem Umfang gegeben ist – sondern auch die Erzieherinnen selbst. Viele von ihnen klagen über eine hohe Arbeitsbelastung, Stress und das Gefühl, den ihnen anvertrauen Kindern nicht gerecht werden zu können.

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Studie Kita: Wo ist die Kinder-Betreuung optimal, wo weniger gut?

Die Erhebung zeigt außerdem: Nach wie vor gibt es bei der Kita-Qualität große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Sachsen hat bundesweit den schlechtesten Personalschlüssel: Eine Erzieherin ist in der Krippe für 6,2 Kinder zuständig, für 12,7 im Kindergarten.
• In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Betreuungsschlüssel zwar verbessert, die Situation ist aber nach wie vor nicht optimal. Bei den Kindergartenkindern sind die Werte sogar bundesweit am schlechtesten: Eine Erzieherin betreut 13,2 Kinder.
• In Berlin werden zwei Drittel der Kinder in altersübergreifenden Gruppen betreut. Ein Erzieher kümmert sich daher im im Schnitt um 7,5 Kleinkinder.
Baden-Württemberg hat bundesweit die besten Werte: Eine Fachkraft ist für drei Kleinkinder zuständig, im Kindergarten im Schnitt sieben Kinder. Das entspricht den Bertelsmann-Empfehlungen.

(Dein Bundesland ist nicht dabei? Hier findest du die Profile aller Bundesländer.)

Der Bedarf an Kita-Plätzen steigt weiter an

Die Kita-Studie ist insofern ein Weckruf, da immer mehr Kinder mit unter drei Jahren in die Kita gehen. Seit etwas mehr als sechs Jahren gibt es für Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz. Immer mehr Eltern nehmen dieses Angebot in Anspruch. Der Bedarf an Kinderbetreuung steigt immer weiter an, besonders in den Großstädten! Und gerade die Kleinsten brauchen intensive, zugewandte und liebevolle Betreuung.

Das Gute-Kita-Gesetz scheint an der Situation in den Kitas bisher nichts zu ändern. Es wurde vor rund einem Jahr beschlossen und trat am 1. Januar offiziell in Kraft. 5,5 Milliarden Euro sollen Kindertagesstätten im ganzen Land bis 2022 zugutekommen, um die Betreuung zu verbessern. Allein im Jahr 2019 sollen 493 Millionen Euro in die Kinderbetreuung fließen. Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger kritisiert: „Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance“.

Kita-Studie: Was heißt das jetzt für dich?

Alles ganz schlimm? Das Kind am besten gar nicht in die Kita geben…? (Kommt alleine wegen des Jobs für die meisten Mamas ja nicht infrage). Ganz klar: Der Personalschlüssel muss verbessert werden. Trotzdem gibt es viele tolle Kitas – und viele tolle Erzieherinnen, die jeden Tag ihr Bestes geben.

Die Studie zeigt aber sehr deutlich: Wir alle müssen alle dafür kämpfen, dass sich die Situation für Kinder und Erzieherinnen verbessert. Sei es, indem wir über das Thema sprechen, in Elterngruppen oder mit Freunden darüber diskutieren. Du kannst dich zudem in einer lokalen Initiative engagieren (wie hier in Hamburg oder Leipzig). Wenn du gerade auf der Suche nach einer Kita für dein Kind bist, frage beim Kennenlerntermin außerdem unbedingt nach dem Personalschlüssel. Mit dem aktuellen Ländermonitor hast du einen Anhaltspunkt, wie der in deinem Bundesland idealerweise aussieht.

Erzieherinnen verdienen einen Job, der ihnen viel Freude (und nicht nur viel Arbeit) macht – und ein angemessenes Gehalt. Und unsere Kinder verdienen die bestmögliche Betreuung.

 

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft. Ich freue mich, bei Echte Mamas Beruf und Berufung miteinander verbinden zu können. Mein Mann, unser kleiner Sohn und ich wohnen in Hamburg, der schönsten Stadt der Welt.

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