Kinderwunsch: „Mein Partner will plötzlich nicht mehr Vater werden.”

„In meiner Geschichte geht es um das Thema Kinderwunsch und darum, dass der Partner plötzlich seine Meinung dazu ändert.

Ich habe zwei Schwestern und bin die jüngste von uns dreien. Meine Schwestern haben relativ jung Kinder bekommen, mit 18 und 22. Bei einer ungeplant, bei der anderen geplant. Und was mich betrifft: Ich bin 29 und befinde mich mit meinem Kinderwunsch heute irgendwo im Nirgendwo.

Dabei kam mein tiefer Wunsch, eine eigene Familie zu gründen, schon mit 24 auf.

Ich erinnere mich nicht nur an das Jahr, sondern sogar noch genau an den Tag, als bei mir der Wunsch aufkam. An diesem Tag starb mein Vater. Ich hielt seine Hand und sah seinen letzten Atemzug und wie sich seine Augen für immer schlossen. Plötzlich fühlte ich mich so einsam, wie noch nie in meinem Leben und wünschte mir nichts sehnlicher als eine eigene Familie.

Ich schließe nicht aus, dass ich diesen plötzlichen Wunsch auch aus dem Grund hegte, weil ich, bis mein Vater starb, mit ihm zusammenwohnte. Ich kümmerte mich um ihn, weil er krank war, er hatte Krebs. Ich hatte jemanden, für den ich da sein konnte und schlagartig war nicht nur mein Vater weg, sondern auch jemand, der mich brauchte.

Kurz nach dem Tod meines Vaters lernte ich jemanden kennen und verliebte mich.

Er tröstete mich in der schweren Zeit, gab mir Mut, weiterzumachen. Er sprach davon, in zwei Jahren verheiratet sein zu wollen und Kinder haben zu wollen. Ich hatte das Gefühl, als hätte mir mein Vater einen Engel geschickt. Noch nie habe ich vorher einen Mann so sehr geliebt. Ich hatte Beziehungen, aber das war die erste, die sich für mich richtig anfühlte. Ich fühlte mich mit ihm so verbunden, wie zwei Seelen, die sich endlich gefunden haben.

Doch heute, nach fünf Jahren Beziehung, bin ich 29 und noch keine Mama. Wir sind beide in der Lage dazu, Kinder zu bekommen, aber er hat vor zwei Jahren seine Meinung geändert. Immer wenn ich anfange, über das Thema zu reden, meint er, dass er Angst hat, irgendwann mal Alimente zahlen zu müssen, weil er Geschichten von anderen kennt. Diese Angst konnte ich ihm leider nicht nehmen, egal wie oft ich es versuchte…

Seit zwei Jahren versuche ich, meinem Partner ein gutes Gefühl zu geben, aber es hilft nicht.

Seit dieser Zeit haben wir auch keinen Sex mehr, weil er eben nicht mehr will, dass ich schwanger werde. Ja, seit zwei Jahren fasst er mich nicht einmal mehr an, nicht einmal mit Verhütung, die ist ihm zu unsicher. Ich weiß, dass er mich nicht betrügt und ich bin mir sicher, dass er mich über alles liebt. Er braucht es nicht zu sagen, man sieht es. Aber er will nicht mehr Vater werden. Diese große Angst, die bei ihm plötzlich aufkam, ist für mich das Wesentliche meiner Geschichte.

Mir ist bewusst, dass oft empfohlen wird, dass, wenn man selbst einen Kinderwunsch hat und der Partner nicht möchte, man sich lieber trennen sollte. Aber in den meisten Fällen ist so, dass einer klipp und klar schon von Anfang an sagt, wenn er keine Kinder will. Dann finde ich nachvollziehbar, wenn man sagt ‚trennt euch lieber‘ oder ‚das hättest du vorher wissen müssen!‘.

Wir beide hatten aber am Anfang den gleichen Wunsch.

Unsere Beziehung begann mit diesem gemeinsamen Zukunftsplan. Er war für mich der Mann für mein Leben, der das gleiche wollte wie ich. Und heute will er plötzlich nicht mehr, weil er Angst hat, dass er irgendwann mal verlassen wird und ich einer der Mütter werden könnte, die ihm auch noch das Kind wegnimmt.

Ich fühle mich so, als hätte man mir wieder den Boden unter den Füßen weggerissen. Als wäre dieses Mal ich gestorben. Und ja, Wut empfinde ich auch. Allen Männern gegenüber, die sich wegen Geschichten anderer nicht mehr trauen. Es ist nicht fair, dass Frauen mit Kinderwunsch für die Geschichten anderer einstecken müssen. Ich verstehe einfach nicht, warum mein Partner sich von seinen Ängsten so sehr beeinflussen lässt.

Ob ich meinen Partner verlassen werde?

Ich habe mich definitiv dagegen entschieden, sonst wäre ich schon in den letzten zwei Jahren gegangen. Ich liebe ihn und fühle mich von ihm geliebt, auch wenn es da körperlich schon lange nichts mehr gibt. Trotzdem habe ich beschlossen, lieber eine Zukunft mit ihm zu zweit zu haben, als darauf zu hoffen, dass ich jemanden irgendwann wieder so stark lieben kann.

Außerdem müsste ich nicht nur jemanden finden, mit dem ich wieder eine solche Bindung hätte, es müsste ja auch schnell gehen, damit ich nicht zu alt zum Kinderkriegen bin. Er ist absolut der Mann, mit dem ich alt werden will. Es müsste erstmal so weit kommen, dass ich mich von ihm entliebe (was ich mir gerade überhaupt auch nicht vorstellen kann und will), der ganze Liebeskummer, dann wieder bereit sein für Dates, dann wirklich den Richtigen finden, mit dem man sich die gleiche Zukunft vorstellen kann…

Das wären zwei Jackpots, und das Risiko so viel Glück zu haben, das ist mir einfach zu hoch.

Niemand kann mir eine Garantie geben. In meinen Gedanken muss ich mich von dem Wunsch, Kinder zu haben, allmählich verabschieden. Ohne den richtigen Partner, den ich schon habe, geht es einfach nicht. Und ich habe mittlerweile auch keine Kraft mehr, dem Kinderwunsch nachzuhängen. Natürlich bleibt da wahrscheinlich irgendwo immer eine innere Leere, aber zum Großteil fühlt es sich für mich eher nur noch nervenaufreibend an, sich um das Ganze ständig Gedanken zu machen.

Ich würde das gern wie auf Knopfdruck abschalten, aber es geht nicht und deswegen wollte ich meine Geschichte erzählen. Vielleicht hilft mir das dabei, endlich alles zu verarbeiten. Und wer weiß, vielleicht erreiche ich ja mit der Geschichte auch Frauen, die sich auch nicht wegen eines unerfüllten Kinderwunsches trennen würden. Oder Männer, deren Partnerin einen Kinderwunsch hat, die aber ebenfalls plötzlich Angst davor haben, Vater zu werden.”


Liebe Sina (Pseudonym, echter Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir alles Liebe für die Zukunft!

Echte Geschichten protokollieren die geschilderten persönlichen Erfahrungen von Müttern aus unserer Community.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an [email protected]

Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Linda
Linda
9 Monate zuvor

Liebe Sina,
Ich habe mich immer mit Kindern gesehen. Habe das nie in Frage gestellt. Irgendwann macht das jede(r) und wenn alles passt, spricht ja nichts dagegen.
Der erste potentielle Partner hat sich dann irgendwann getrennt und der aktuelle war relativ klar in seinem Nicht-Wunsch bzw. Noch-Nicht-Wunsch. Allerdings bin ich mit 36 nun nicht mehr bereit das Risiko einzugehen, falls er seine Meinung ändert.

Lange habe ich nachgedacht was mir wichtiger ist. Die Beziehung oder eigene Kinder. Es ist nicht leicht, doch für mich ist der Wunsch nach Kindern tatsächlich weniger geworden.

Einen Punkt, den ich auch bei mir entdeckt habe, ist das Thema Selbstwert. Wer bin ich, wenn ich für niemanden da sein kann? Was bin ich wert? Ich wollte unbedingt für jemand anderen da sein. Ich habe hier viel innere Arbeit in den letzten Jahren gemacht und umso mehr ich hier rein gegangen bin in alle Gefühle usw. desto geringer wurde mein Wunsch nach eigenen Kindern. Mittlerweile denke ich sogar, dass das freie kinderlose Leben mein wirkliches Leben ist, da ich es genieße nur für mich verantwortlich zu sein, jeden Tag neu beginnen könnte ohne Rücksicht auf andere. Hier bin ich aber erst seit ich mich 100% als genug empfinde ohne etwas bestimmtes im Leben erreichen oder hinterlassen zu müssen.

Wenn du dich dazu mal austauschen magst, melde dich gern.

Linda
Linda
9 Monate zuvor

Liebe Sina,
Ich habe mich immer mit Kindern gesehen. Habe das meinem Frage gestellt. Irgendwann macht das jede(r) und wenn alles passt, spricht ja nichts dagegen.
Der erste potentielle Partner hat sich dann irgendwann getrennt und der aktuelle war relativ klar in seinem Nicht-Wunsch bzw. Noch-Nicht-Wunsch. Allerdings bin ich mir 36 nun nicht mehr bereit das Risiko einzugehen, falls er seine Meinung ändert.

Lange habe ich nachgedacht was mir wichtiger ist. Die Beziehung oder eigene Kinder. Es ist nicht leicht, doch für mich ist der Wunsch nach Kindern tatsächlich weniger geworden.

Einen Punkt, den ich auch bei mir entdeckt habe, ist das Thema Selbstwert. Wer bin ich, wenn ich für niemanden da sein kann? Was bin ich wert? Ich wollte unbedingt für jemand anderen da sein. Ich habe hier viel innere Arbeit in den letzten Jahren gemacht und umso mehr ich hier rein gegangen bin in alle Gefühle usw. desto geringer wurde mein Wunsch nach eigenen Kindern. Mittlerweile denke ich sogar, dass das freie kinderlose Leben mein wirkliches Leben ist, da ich es genieße nur für mich verantwortlich zu sein, jeden Tag neu beginnen könnte ohne Rücksicht auf andere. Hier bin ich aber erst seit ich mich 100% als genug empfinde ohne etwas bestimmtes im Leben erreichen oder hinterlassen zu müssen.

Wenn du dich dazu mal austauschen magst, melde dich gern.

Gina
Gina
1 Jahr zuvor

Verlange von ihm doch eine Vasektomie…. Wenn er wirklich keine Kinder will, wird er es tun. Wenn NICHT, dann bist du die Frau mit dem er sich Nachwuchs nicht vorstellen kann. Viele Männer wollen Sex genießen, ohne aber generative Folgen.

Last edited 1 Jahr zuvor by Gina
Fannie
Fannie
1 Jahr zuvor

Liebe Sina,
ich bin in der selben Situation. Lediglich der Grund meines Mannes ist ein anderer: prinzipiell will er Kinder, wenn die Rahmenbedingungen passen (Einkommen, Eigenheim, mein Studium, Beruf etc.) – da diese Bedingungen so nie eintreffen werden, lebe ich jeden Tag mit dem Schmerz, dass wir keine Familie gründen werden. Obwohl ich manchmal versuche aus ihm herauszubekommen ob er seinen Standpunkt nicht doch wieder angepasst hat geht er null darauf ein. Als ob er mit Absicht kein Wort mehr darüber verlieren möchte. Ich bin 32 und schließe mein Studium (neben Vollzeitjob) in einem Jahr ab. Aber wir haben kein Eigenheim und werden auch so schnell keines bekommen (frische Selbstständigkeit, Zinsen, Baukosten). Sollte dies doch der Fall sein haben wir aber Schulden und Einkommenseinbußungen. Ein Kind VOR einem Eigenheim fällt succulent weg da wir dann wieder eher keinen Kredit erhalten da das Einkommen in dieser Zeit abnimmt. Ich wollte nie spät Kinder bekommen. Mein Gefühl bei dem Gedanken daran bestätigt sich immer mehr. Ich fühle es. Ich fühle was du innerlich mit dir auskämpfst und versuchst Kraft dafür aufzubringen.

Laura
Laura
1 Jahr zuvor

Liebe Sina,

ich kann dich gut verstehen, bei mir war/ist die Situation ähnlich. Wobei mein Partner Ende 30 ist und ich Ende 20. Wir haben sogar über 1 Jahr versucht ein Kind zu bekommen. Ich möchte mich ebenfalls nicht trennen, obwohl mein Wunsch schon seit frühester Jugend besteht. Eigentlich aus dem selben Grund wie du, nocheinmal neu anzufangen und zu hoffen es kommt jemand besseres, erweist sich mir als unlogisch. Vielleicht ist das bei uns beiden auch einfach nur eine Art Angst, aber ich weiß ziemlich sicher, dass ich ohne ihn kein Kind will und somit mit ihm bin und vermutlich kein Kind habe. Das ist mehr eine Lose Lose Situation, wenn ich ihn verlassen würde, so bin ich einfavh mit ihm allein glücklich. Etwas worin sich meine Geschichte von deiner unterscheidet, ist, dass wir trotzdem Sex haben, allerdings ohne Verhütung (Er „passt auf“) und letztens sagte ich ihm auch, dass er nicht denken braucht, dass ich ein Kind abtreiben würde oder sonst was und er mir keine Schuld geben darf, denn ich hab ihn sehr oft darauf hingewiesen, dass es immer sein kann. Er meinte dann ja auch, er würde das Kind ja annehmen und sich freuen. Ich denke, dass es gerade vielen Menschen ähnlich geht und, dass viele Männer tatsächlich mehr Ängste haben bezüglich Unterhaltszahlungen, Kontaktabbrüche uvm.,weil es leider so oft der Fall ist, dass Kinder unter gescheiterten Beziehungen alles austragen müssen.

Vielleicht hast du ja Lust dich mit mir auch so zu unterhalten, wenn es mal zu viel wird, wissen wir, dass wir einander definitv nachempfinden können wie wir uns gerade fühlen.

Liebe Grüße

Alina
Alina
1 Jahr zuvor

Liebe Sina,

Ich bin/war in einer ähnlichen Situation. Ich bin ebenfalls 29, hatte bisher zwar noch keinen Kinderwunsch sondern eher den Gedanken später vielleicht mal Kinder zu haben. Nun hat allerdings vor einem halben Jahr mein nun Ex-Freund beschlossen niemals Kinder haben zu wollen daraufhin hat er auch alles negativ gesehen und mich nicht mehr an sich heran gelassen. Ich hätte weiter für die Beziehung gekämpft aber er hat mich verlassen. ich hätte mir das niemals vorstellen können, da es eine sehr langjährige Beziehung war, dachte ich ich könnte niemals alleine sein. Aber tatsächlich bin ich aktuell mit meine Situation glücklich. Natürlich habe ich immer ma wieder die Gedanken warum oder hoffentlich finde ich noch mal eine so gute Beziehung. Aber alles in allem bin ich glücklich so wie es ist.
Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und dass du und ich, dass wir am Ende unseres Lebens glücklich sind mit unseren Entscheidungen, denn das st doch das wichtigste (im Leben hat alles seinen Sinn) liebe Grüße Alina

Lena
Lena
1 Jahr zuvor

Liebe Sina,
Wahrscheinlich kann ich dir nicht wirklich weiterhelfen.
Es ist schon hart in so einer Situation zu stecken gerade wenn man so einen grossen Kinderwunsch hat.
Ich habe selbst Jahrelang gebraucht um mich bereit für Kinder zu fühlen..und es kam erst nachdem ich 30 war..
Wie gerne würde ich dir wünschen das dein Freund auch irgendwann den Wunsch hat..das er dafür sogar auf geschützten Sex verzichtet ist wirklich heftig.
Frage mich was das für Horror geschichten sind die er da hört..
Schade das er sich nicht ausführlich mit dem Thema auseinander setzten möchte da es für dich ja offensichtlich noch nicht geklärt ist.
Und kann auch verstehen das du dich nicht deshalb trennen möchtest..da du ihm kurz nach dem Tod deines Vaters kennengelernt hat er eine grosse Lücke gefüllt und er ist mittlerweile ein Teil und dir.
Hoffe ihr findet wieder richtig zueinander und könnt es klären.