Kinderkliniken schlagen Alarm: Notfälle müssen abgewiesen werden

Stellt euch mal vor: Euer Kind verletzt sich auf dem Spielplatz ernsthaft und ihr ruft den Rettungswagen. Im Krankenhaus angekommen, heißt es dann: „Tut uns leid – wir können euch nicht helfen!“

Ein Alptraum, oder? Aber er könnte leider Realität werden.

Denn viele Kinderkliniken in Deutschland, besonders in Großstädten, müssen gerade im Winter wegen Engpässen immer wieder Patienten abweisen – auch Notfälle.

Belegte Notaufnahmen melden sich bei der Rettungsleitstelle ab, weil sie keine weiteren Patienten mehr versorgen können und daher nicht mehr von Krankenwagen angefahren werden sollen. Die Realität sieht dann aber so aus: Der Rettungsdienst wird trotzdem gerufen und dann stehen die Sanitäter da mit einem verletzten Kind. Gegenüber dem Deutschlandfunk hat Florian Hoffmann, der Oberarzt am Haunerschen Kinderspital in München ist, gesagt: „Dann passiert das, was immer, immer häufiger passiert, dass es zu einer Akutbelegung kommt. Das heißt, die Rettungsleitstelle sagt einfach: Fahrt in die Haunersche Kinderklinik, auch wenn die abgemeldet sind. Die müssen jetzt erstmal versorgen und dann müssen wir weiterschauen. Das Nicht-Aufnehmen-Können und dem Kind quasi nicht helfen zu können im eigenen Haus oder in derselben Stadt, das ist eine ganz furchtbare Situation.“ Und: „Jetzt kann man sich vorstellen, was das für Eltern bedeutet: Da kommt man in ein Setting, als Notfall, und merkt, dass eigentlich das ganze System schon am Platzen ist, und hat Sorge um sein Kind. Das macht natürlich eine unglaublich angespannte Situation.“

Natürlich werde jedes Kind erstmal versorgt – wie es dann aber weitergeht?

Purer Stress für das sowieso schon überarbeitete Personal der Kliniken.

Florian Hoffmann gibt an, dass es eine „unglaublich angespannte Situation“ bei der Versorgung der Kinder gäbe. Letzten Winter habe er zum Teil täglich Stunden damit verbracht, freie Notfallplätze in einer bayerischen Kinderklinik zu finden. Am Ende mussten dann viele Kinder weit über 100 Kilometer von München entfernt nach Traunstein, Garmisch und zum Teil sogar Nürnberg transportiert werden. Horror für alle Beteiligten.

Leider ist der Oberarzt damit nicht alleine. In seiner Position im Präsidium der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) warnt er davor, dass sich die dramatische Lage immer weiter zuspitzen werde: „Der notwendige Versorgungsbedarf für kranke Kinder kann deshalb nicht mehr sicher und flächendeckend gewährleistet werden.“

Aber wie kommt es zu diesen Problemen?

Ganz klar: Personalmangel! Die DIVI gibt an, dass Krankenschwestern und Pfleger fehlen. Daher stünden in manchen Kinderkrankenhäuser sogar dauerhaft Betten leer! Das kennt Florian Hoffmann aus seiner Klink, aber auch das bekannte Kinderkrebszentrum der Berliner Charité konnte vor knapp einem Jahr wegen Personalmangels keine neuen Patienten mehr aufnehmen.

In den Großstädten sind die Wohnungsmieten hoch, der Verdienst im Gesundheitssystem ist immer noch viel zu niedrig – hier warnen Experten schon lange davor, dass sich der Fachkräftemängel unter diesen Umständen immer weiter verschärfen wird.

Und: Die Überlastung des Krankenhauspersonals ist enorm.

Es ist also leider mehr als verständlich, dass immer weniger Leute in diese so wichtigen Jobs gehen wollen – oder lange dort bleiben.

Gibt es eine Lösung?

Das steht in den Sternen.

Die DIVI setzt sich dafür ein, die Finanzierung von Erwachsenen- und Kindermedizin zu trennen. Man könne diese beiden Felder nicht miteinander verrechnen, da die Versorgung von Kindern viel aufwändiger sei.

Gute Kindermedizin ist im besten Falle wesentlich zeit- und personalintensiver – und damit natürlich auch deutlich teurer.

Leider sieht die Regierung die Lage wohl etwas anders:

Denn in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag vom Januar 2019 heißt es: „Eine strukturelle Unterversorgung mit Kinderkliniken oder Fachabteilungen für Kinder- und Jugendmedizin ist aus Sicht der Bundesregierung nicht erkennbar.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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