„Kinder schulden ihren Eltern nichts… manchmal nicht einmal Respekt!“

Millionen Zuschauer sahen sich ihren Beitrag bei TikTok an: „Kinder schulden ihren Eltern gar nichts.“ Für dieses Statement erhielt die 33-jährige Lisa Pontius aus South Carolina viel Zuspruch – aber auch äußerst verärgerte Kommentare. Den Clip teilte sie als Ergänzung zu einem Beitrag, in dem sie darüber sprach, den Kontakt zu ihrer Mutter eingeschränkt zu haben. Schon dafür wurde sie von vielen kritisiert. Aber wieso eigentlich?

„Eltern, das ist nun einmal der Job, für den ihr unterzeichnet habt!“

@itsme_lisapAlready anticipating the Karen’s in the comments ##parenting ##parentsoftiktok ##parentchildrelationship ##respect ##boundaries♬ original sound – Lisa P

„Kinder schulden Eltern keine innige Beziehung, in manchen Fällen schulden sie ihnen nicht einmal Respekt.“ Das sind klare und harte Worte. Andererseits: Hat Lisa damit nicht vollkommen Recht? Respekt ist nun einmal keine Einbahnstraße. Haben Eltern ihre Kinder vernachlässigt, manipuliert, seelisch oder körperlich verletzt, können sie nicht erwarten, dass die Sprösslinge später jeden Sonntag mit einem dankbaren Lächeln auf der Matte stehen. Offenbar war es für das Wohlbefinden von Lisa Pontius notwendig, ihrer Mutter weniger Raum in ihrem Leben zu geben.

 

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Ein Beitrag geteilt von Lisa Pontius (@itsme.lisap)

Aber was ist mit der Dankbarkeit für die täglichen Mühen?

Aber wenn die Eltern nicht gerade alles falsch gemacht haben, können sie doch wohl ein wenig Dankbarkeit erwarten? Nicht ohne weiteres, findet Lisa. Unsere Kinder zu versorgen, sei schlicht der Job, für den wir unterzeichnet hätten, als wir uns entschieden, Eltern zu werden. „Du kannst dir deine Kinder nicht aussuchen, du kannst nicht wählen, wer sie sind, und welche inneren Kämpfe sie auszufechten. Besteht also eine Chance, dass sie nach Norwegen auswandern und keine Lust haben, mit dir abzuhängen? Yeah!“

Natürlich wünscht Lisa sich genauso wenig wie wir, dass ihre Kinder ihr irgendwann den Rücken kehren. Aber statt uns von solchen Worten bedroht zu fühlen, tun wir gut daran, den wahren Kern ihrer Aussagen zu erkennen. Wir sollten die Bedürfnisse unserer Kinder nicht deshalb ernst nehmen, weil wir dafür Liebe und Dankbarkeit erhalten möchten, sondern weil es verdammt nochmal unsere Aufgabe ist.

Ich meine schon, dass wir von ihnen einen respektvollen Umgang erwarten dürfen, so wie wir unseren Kindern hoffentlich auch mit Respekt begegnen. Wir müssen uns von ihnen zum Beispiel keine beleidigenden Worte gefallen lassen. Respekt heißt aber nicht, dass sie nach unseren Wünschen handeln müssen. Selbst wenn wir noch so einfühlsam sind, schließen wir damit kein Abo auf ständige Besuche und die Dauerzuwendung unserer erwachsenen Kinder ab. Wir zahlen unsere Liebe nicht auf ein Bankkonto ein, damit sie irgendwann Zinsen abwirft.

Statt zu lamentieren, bleibt uns deshalb nur eine Möglichkeit: Einfach unser Bestes zu geben und das Beste zu hoffen, dabei aber auch auf uns selbst zu achten. Das schützt uns vor zu hohen Erwartungen an unsere Kinder, denn die schulden uns tatsächlich… nichts.

Erzählt doch mal, wie ihr das seht: Erwartet ihr von euren Kindern Dankbarkeit? Oder denkt ihr auch, dass unsere Kinder uns nicht schulden?

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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