Kinder, Hund, Mann, Job? Der ganz normale Wahnsinn im Leben einer Echten Mama

Es trifft mich wirklich unerwartet. So aus dem Nichts. So zwischen Jacken raussuchen, Haare bürsten, dem Hund, der einem vor die Füße läuft, meinem Sohn Emil, der Sand aus seinen Winterstiefeln direkt auf den Holzfußboden im Flur kippt und nur überrascht „oh“ sagt.

„Schön, morgen ist Wochenende,“ sagt mein Mann Paul unbedarft, greift seinen Fahrradschlüssel und geht zur Tür. Lässt mich allein mit dreckigen Stiefeln, nervendem Hund, klemmenden Reißverschlüssen.„Mama hat es gut,“ sagt Emil. „Die hat immer Wochenende.“

Jetzt fällt mir nichts ein. Entrüstet schnauben? Hysterisch lachen? Oder weiter am klemmenden Reißverschluss zerren? Ich entscheide mich für letzteres. Ich höre auch noch, dass Paul sagt, das stimme ja so gar nicht. Dann geht er.

Ich nehme den Hund, die Kinder, die Winterstiefel und trete vor die Wohnungstür. Ach, Leine vergessen. Schlüssel wieder suchen. Leine holen. Emil und Ida laufen wieder hinter mir in die Wohnung. „Warum macht ihr das?“ frage ich. Ich bin wütend. Sehr wütend. Ich müsste mich jetzt eigentlich erklären. Dann würden sie meine Wut vielleicht verstehen. Ich bin aber zu wütend, um etwas rational erklären zu können. Ich, die Frau die immer Wochenende hat.

Ich habe gar nichts in der Hand – nur Worte.

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Ich bin gar nicht wütend auf die Kinder.

Ich bin wütend darauf, wie ich wahrgenommen werde. Nicht nur von den Kindern. Von allen. Natürlich nicht wortwörtlich von allen. Aber von vielen.

Ich bin die Mama, die zuhause arbeitet. Das impliziert, dass man sich eigentlich nonstopp mit jemandem verabreden kann, der nicht arbeitet. Ich habe in den Augen der anderen eigentlich immer Zeit! Man kann morgens sehr lange mit mir telefonieren, wenn man sich selbst gerade langweilt. Oder mich zum Kaffee einladen. Oder auf den Markt gehen. Ich habe ja nur den Hund. Ich bin ja jetzt frei verfügbar.

Ich schreibe ein Buch über eine Reise, die ich vor drei Jahren gemacht habe. Eine Reise, die mich tief in die Vergangenheit geführt hat. Ich lese dafür seit langem mal wieder wissenschaftliche Bücher. Ich fühle mich wieder wie eine Studentin, nur ohne Zeit. Ich habe aber gar nichts in der Hand. Nur Worte. „Ich schreibe ein Buch.“ Das kann man aber ja wirklich auch auf morgen verschieben. Oder übermorgen. Ich habe ja gar keinen Zeitdruck. Weil ich ja immer Wochenende habe.

Ich arbeite auch noch an einem Backbuch. Zum Glück sind wir zu dritt. Immerhin die zwei anderen Mitstreiter verstehen, dass man dafür tatsächlich auch was tun muss. Ich backe, ich fotografiere, ich schreibe Texte.

Ich schreibe weiter an meinem Blog „Emil und Ida“.

Ich schreibe inzwischen auch einen zweiten Blog. „Kleine Landstreicher“ – über meine achtmonatige Reise durch Deutschland mit unserem Kleinbus. Dafür muss ich ständig etwas vor- und nachbereiten. Aber, das ist ja nur ein Blog. Das ist keine wirkliche Arbeit. Ich habe ja schließlich immer Wochenende. Wer merkt denn, wenn ich den Blog nicht weiterschreiben würde?

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Mein Mann Paul ist Arzt. Wenn der nicht mehr arbeiten würde, das würden ja ganz viele merken. Man würde ihn wortwörtlich schmerzlich vermissen. Ich hingegen könnte ja auch gar nichts machen und ja, wahrscheinlich würde es niemand merken.

Ich hole Emil und Ida immer so früh vom Kindergarten ab, wie ich es schaffe. Vorher renne ich zwischen Schreibtisch, Notizbücher, Geschichtsbüchern, Waschmaschinen und Supermärkten hin und her. Füttere den Hund und die Katze, pflanze ganz schnell die Kiste Stiefmütterchen, die seit drei Tagen herum steht. Ich plane noch schnell die Strecke für den nächsten Deutschland-Trip. Telefoniere mit Kooperations- und Interviewpartnern. Ich sortiere ganz schnell noch Kinderkleidung aus, die nicht mehr passt und besorge ein Geschenk für einen Kindergeburtstag. Lasse den Hund noch mal in den Garten, bin zehn Minuten nicht aufmerksam, muss dann alle Stiefmütterchen neu pflanzen, weil er sie wieder ausgegraben hat.

Ich beziehe das Bett neu und räume Spielsachen aus allen Zimmer schnell wieder an ihren Ursprungsort zurück. Rufe für eine kurze Frage noch fix in einem Museum an, notiere mir irgendwo etwas, das ich mit ziemlicher Sicherheit nicht wiederfinde und beantworte Kindergartenanfragen, denn – fast hätte ich es vergessen – wir sind ja in einer Elterninitiative und das ist meine Aufgabe.

Mann, ist Immer-Wochenende-haben schön.

Abends kommt Paul und fragt, wie mein Tag war. Was ich gemacht habe. Ich sage das Übliche: Blog, Buch, Aufräumen.

Dann sehe ich mich um, und eigentlich sieht es genauso chaotisch aus wie heute morgen.

„Hast du die Ersatzteile von unserem Bus abgeholt?“ erkundigt Paul sich. Das „Nein“ bleibt mir fast im Hals stecken. Paul ist das egal. „Kann ich auch morgen machen,“ sagt er. Aber ich stehe im Bad vor dem Spiegel und sehe mich an und denke: Ja, warum schaffst du eigentlich rein gar nichts an so einem Tag, der doch eigentlich das ewige Wochenende ist?

Abends liege ich neben Emil im Bett. „Ich dachte, das ist was Nettes, wenn ich sage, dass du immer Wochenende hast,“ erklärt er sich leise. „Ist es auch,“ sage ich. „Aber andere Mamas schaffen es nicht, ihre Kinder so oft früh abzuholen und wochenlang mit ihnen mit dem Bus herumzureisen.“ Emil nickt. Ich selber nicke nicht.

Nachts liege ich lange wach. Vereinbarkeit, du kannst mich mal, denke ich. Selbst wenn es dich gäbe, dann wärst du nicht mein Freund. Weil du unmöglich bist. Du kannst gar nicht existieren. Tage, die nur 24 Stunden haben, sind für dich nicht geschaffen. Ja, wir können arbeiten und Kinder haben. Wir können auch arbeiten und glücklich sein. Reduziert. Halbtags. Ja, ein bisschen verantwortungloser als vorher. Aber wir wollten ja beides. Kinder und Job. Dabei wissen wir alle, dass das nicht geht. Oder noch besser, wir wissen alle, dass das geht, aber auch was der Preis dafür ist. Dass wir rennen, hetzen, organisieren. Dass wir auch immer nur die Hälfte schaffen werden, wenn wir diese wertvolle Zeit mit unseren Kindern nicht aufgeben wollen.

Immer Wochenende haben macht auch keinen Spaß.

Echte Mamas

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