Junge stürzt aus Schul-Fenster: Wurde die Aufsichtspflicht verletzt?

Marta und ihr Sohn machen im Moment Furchtbares durch: Nachdem der Neunjährige aus dem Fenster seiner Schule gefallen ist, wurde er lebensbedrohlich verletzt und musste mehrfach notoperiert werden. Marta, die Mitglied unserer Echte-Mamas-Community ist, ist sich sicher: Jemand hat seine Aufsichtspflicht verletzt.

Es passierte am 14. September: Martas Sohn befand sich in der Nachmittagsbetreuung an seiner Schule und spielte mit Freunden, als er aus einem Fenster sechs Meter in die Tiefe stürzte und schwer verletzt wurde. Er erlitt einen Schädelbruch, Hirnblutungen und brach sich beide Hände. Außerdem wurden seine Leber, seine Niere und seine Lunge verletzt. Der Neunjährige wurde nach dem Unfall in ein künstliches Koma versetzt.

Niemand wusste, ob der Neunjährige die Nacht übersteht

„Mein Herz zerreißt“, schreibt seine Mutter einen Tag später aus dem Krankenhaus in die Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas – Unsere Fragen und Antworten!“. In der Nacht habe sie nicht mal gewusst, ob ihr Kind durchkommen wird. Zum Glück erholte sich ihr Sohn zunächst gut. Bis er plötzlich Ende Oktober immer wieder über Kopfschmerzen klagte und bei einer Untersuchung festgestellt wurde, dass seine Hirnhaut gerissen ist.

Es folgte eine Notoperation Anfang November: „Es war eine schwere Operation. Insgesamt haben sie sieben Stunden seinen Kopf operiert, dabei waren nur drei geplant”, berichtet Mama Marta. Erst bei diesem Eingriff sei den Ärzten das ganze Ausmaß seiner Verletzungen klar geworden.

Fürs Erste hat ihr Sohn die OP zwar den Umständen entsprechend gut überstanden, doch eine Entwarnung gibt es leider immer noch nicht. Es wird wahrscheinlich noch Wochen dauern, bis die Narbe verheilt und die Schädeldecke wieder vollständig geschlossen ist. Es sollen außerdem noch mehrere Eingriffe folgen.

Nach einem Riss der Hirnhaut musste der Junge notoperiert werden

Nach einem Riss der Hirnhaut musste der Junge notoperiert werden. Foto: Privat

Aber wie hatte es überhaupt dazu kommen können?

Marta ist sich sicher, dass die Schule ihre Aufsichtspflicht verletzt hat. Die Betreuungsperson hätte ihr gegenüber zugegeben, dass sie nicht anwesend war, als sich der Unfall ereignete. Laut der Mama hätten die Kinder unbeaufsichtigt am offenen Fenster gespielt, als ihr Sohn sich an der Scheibe anlehnen wollte. Da das Fenster jedoch geöffnet war, verlor er den Halt und stürzte in die Tiefe. Auf Anfrage einer lokalen Zeitung konnte die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigen, dass diesbezüglich eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf fahrlässige schwere Körperverletzung und eventueller Missachtung der Fürsorgepflicht im Gange ist.

Noch monatelanger Genesungsprozess für das Kind

„Ich frage mich, wie kann eine Person so einen Job annehmen, wenn ihr die Pflichten nicht bewusst sind“, schreibt sich Marta in der Echten Mamas Community ihren Kummer von der Seele. Für sie ist klar, dass der Unfall hätte vermieden werden können. Ein Wiedereintritt in die Schule kommt für ihr Kind laut den Ärzten frühestens 2021 wieder infrage. Bis dahin braucht der Neunjährige mindestens noch, um sich von den Folgen seines schweren Unfalls zu erholen. „Er darf nicht hüpfen, er darf nicht rennen, er muss sich mindestens noch vier Wochen ruhig verhalten“, erklärt Marta. Es braucht wohl nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie schwer das für einen Neunjährigen ist.

Vielen Dank an Marta, dass wir über den Unfall berichten durften. Hoffentlich trägt ihre Geschichte dazu bei, noch mehr für solche Gefahrensituationen zu sensibilisieren, um sie verhindern zu können. Wir wünschen ihrem Sohn auf jeden Fall eine gute Besserung und ihm und seiner Familie viel Kraft für die Zukunft!

Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen, tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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Kommentare

  1. Liebe Marta,
    ich wünsche dir, deinem Sohn und eurer ganzen Familie von Herzen alles gute! Vor allem deinem Sohn, dass er wieder ganz gesund wird und diesen schrecklichen Sturz verarbeiten kann! Das was ihr da erlebt habt, ist der blanke Horror!!! Hoffentlich erreicht dieser Artikel ganz viele Menschen, die eine Aufsichtspflicht gegenüber anderen Menschen haben, vor allem den Kindern gegenüber!!!
    Nochmals alles erdenklich gute und liebe für euch. Liebe Grüße aus Frankfurt.

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