Junge oder Mädchen? Ich gestehe: Das ist mir nicht egal!

„Und hier sieht man es ganz deutlich: Sie bekommen einen… Jungen!“ Mein Gynäkologe deutet augenzwinkernd auf einen verschwommenen Umriss im Ultraschallbild. Ich schlucke. Merke, wie mein Lächeln gefriert. „Alles in Ordnung?“, fragt er. „Ja, ja, natürlich“, antworte ich schnell und schnappe mir das Bild, das er für mich ausgedruckt hat. Junge oder Mädchen? Ich bin ehrlich: Heimlich hatte ich auf ein Mädchen gehofft…

Junge oder Mädchen: Ich war mir so sicher, dass ich ein Mädchen erwarte

Mit Tränen in den Augen verlasse ich die Praxis. Wie soll ich dem Arzt erklären, was gerade in mir vorgeht? Hauptsache, das Kind ist gesund. Keine Frage. Das hatte ich selbst in den letzten Wochen immer wieder zu Familie und Freunden gesagt. Doch tief in meinem Herzen war ich mir sicher, dass ich ein Mädchen erwarte. Ich hatte es einfach im Gefühl. Und mein Gefühl hat mich noch nie getrogen.

Ich hatte mich so darauf gefreut, meinem Mädchen hübsche Kleidchen anzuziehen. Hatte in Babyläden nach süßen Schühchen und Mützen Ausschau gehalten. Eine Wandfarbe fürs Zimmer ausgesucht. Bescheuert, ich weiß. Aber ich kann einfach nichts dagegen machen, dass es da diese Bilder in meinem Kopf gibt. Und gewisse, nun ja, Vorurteile.

Meine Vorstellung: Mama und Tochter als Dreamteam

Mädchen sind als Baby häufig entspannter. Den Eindruck habe ich jedenfalls in meinem Freundeskreis gewonnen. Jungs leiden zum Beispiel öfter unter Koliken. Außerdem sind sie als Kleinkinder häufig, nun ja, wild. Daran ist natürlich absolut nichts verkehrt. Aber ich bin vom Typ her eher jemand, der mit seinem Kind in der Puppenecke sitzt oder ein Puzzle macht. Jungs dagegen brauchen Action. Sie interessieren sich für Autos, Fußball und Baustellen. Dinge, mit denen ich mich überhaupt nicht auskenne.

Alles Klischees, ich weiß. Ich bin eigentlich absolut kein Freund von Blau-Pink-Denken und finde es sogar richtig gut, wenn Eltern ohne Geschlechter-Norm erziehen. Aber so ganz frei machen kann man sich davon dann eben doch nicht. Und ich denke auch an später. An die Pubertät zum Beispiel. An gemeinsame Shoppingtouren und Gespräche über „Frauenkram“. Man hat mit einer Tochter als Mama einfach mehr Gemeinsamkeiten und daher auch eine engere Bindung, glaube ich.

Mutter und Tochter

Foto: Bigstock

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Junge oder Mädchen? Die Enttäuschung über das „falsche“ Geschlecht ist ein Tabuthema

Gesprochen habe ich bisher mit fast niemandem darüber. Mir ist klar, wie undankbar das rüberkommt. Ich schäme mich und habe ein schlechtes Gewissen. Andere Frauen haben ein krankes Kind, sind unfruchtbar oder haben Probleme, überhaupt schwanger zu werden. Man kann froh sein, wenn man ein gesundes Kind erwartet. Das weiß ich sehr gut.

Ich habe selbst mehrere künstliche Befruchtungen hinter mir. Es brauchte einige Anläufe, bis es endlich geklappt hat. Als der Anruf der Kinderwunschklinik kam, war ich überglücklich. Ich war gerade auf der Arbeit und musste erst mal eine Runde um den Block laufen, um meine Emotionen in den Griff kriegen. Danach rief ich meinen Mann an, um ihm die frohe Botschaft zu überbringen. Junge oder Mädchen, das war in dem Moment total egal. Doch kurze Zeit später begann dann doch das „Kopfkino“…

„Gender Disapointment“: Gar nicht so selten

Was mich tröstet: Ich bin nicht allein. Es gibt viele Eltern, die so fühlen. Das zeigen zahlreiche (meist anonyme) Einträge in Foren. Für die Enttäuschung über das Geschlecht des Kindes gibt es sogar einen Ausdruck: „Gender Disapointment“ (übersetzt: „Geschlechtsenttäuschung“). Das Phänomen beschreibt allerdings meistens extremere Fälle als meinen. Es gibt Frauen, die weinen nach der Enthüllung mehrere Tage lang. Die Enttäuschung überschattet bei ihnen komplett die Vorfreude aufs Kind.

Das ist bei mir nicht der Fall. Ich bin mir ganz sicher: Ich werde meinen Jungen unendlich lieben! Und ihn ganz sicher hundertprozentig perfekt finden, so, wie er ist. Bestimmt kann ich überhaupt nicht mehr nachvollziehen, dass ich lieber ein Mädchen gehabt hätte, wenn er erst auf der Welt ist. Dieser kleine Mensch in meinem Bauch hat es verdient, dass ich mich vorbehaltlos auf ihn freue. Trotzdem brauche ich jetzt etwas Zeit, um die Enttäuschung zu verdauen.“

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Kommentare

  1. Ich kann die Gefühle nachvollziehen.. Ich hatte in meiner Schwangerschaft von Anfang an das Gefühl, wie einen Jungen bekommen werden und konnte mir auch nicht vorstellen , eine Mädchenmama zu sein.. Als es dann hieß, es wäre ein Mädchen, war ich auch ziehmlich traurig. Irgendwann hat man sich an den Gedanken gewöhnt und nun ist sie meine kleine Prinzessin

  2. Meine erste Tochter ist ein Mädchen. Mein absoluter Traum ging in Erfüllung. Bei meiner zweiten Schwangerschaft hieß es bis zur 35. Woche es wird wieder ein Mädchen. Ich habe die 2 Mädchen schon kaffekränzchen spielen sehen. Die Tapete war schon an der Wand und der Name stand schon an der Zimmertür. Als der Fa dann sagte es wird ein Junge habe ich tagelang geweint. Und noch heute ist der Gedanke an die Tochter schwmerzlich für mich. Es ist als hätte ich die 2. Tochter verloren. Niemand kann das verstehen. Ich habe einen wunderbaren Sohn den ich unendlich liebe. Und ein Mädchen und ein Junge zu haben ist ein besonderes Gefühl. Trotzdem überlege ich immer mal wieder wie es mit 2 Mädchen geworden wäre.

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