„Ich wurde schwanger von einem betrügerischen Massen-Samenspender!“

„Ich bin alleinerziehende Mama von zwei Jungen. Als ich meinen ältesten Sohn bekam, war ich in einer Beziehung, aber der Vater meines Kindes hat uns noch während der Schwangerschaft verlassen. Er hatte keine Lust, eine Familie zu gründen und ist untergetaucht. Seitdem habe ich auch nichts mehr von ihm gehört. Mein Sohn ist inzwischen fünf Jahre alt und es hat mich, um ganz ehrlich zu sein, nie gestört, alleine mit ihm zu sein. Es war sogar befreiend ohne Partner.

Nur mein Sohn und ich, wir als Team.

Nach drei Jahren als alleinerziehende Mama hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter. Irgendwie erkannte ich dabei, dass ich mich trotzdem unvollständig fühlte. Nicht, dass ich einen Partner gesucht hätte – es fehlte eher ein Geschwisterchen. Ich erwägte alle Optionen, die mir zur Verfügung standen. Ein Partner kam nicht in Frage, da ich total glücklich ohne Partner bin. Diese Freiheit wollte ich nicht aufgeben.

Ich recherchierte ein wenig im Internet und stieß auf eine Seite bei Facebook, die über eine Samenspende per Bechermethode informierte. So forschte ich weiter und der Gedanke ließ mich einfach nicht mehr los. Ich war mir sicher, dass ein privater Samenspender, der richtige Weg für mich wäre, um ein zweites Kind zu bekommen.

Also trat ich jeder erdenklichen Samenspender-Gruppe bei.

Vielleicht war ja der perfekte Spender unter ihnen? Meine aktive Suche fing ich dann 2019 an. Etwa zwei Monate lang schrieb ich viele Männer an, die mir optisch gefielen. Einer von ihnen begeisterte mich sofort: Er sah echt gut aus und ähnelte meinem ersten Sohn (blond, blaue Augen). Ich wollte unbedingt, dass der Spender meinem Erstgeborenen ähnelt, damit die Kinder aussehen wie echte Geschwister.

Ich nahm also Kontakt auf und schrieb mit dem Mann. Er war charismatisch, sympathisch und wirklich nett. Er erschien mir perfekt. Ich wollte ihn unbedingt kennenlernen. Da er in den Niederlanden lebt und ich in Deutschland, konnte ich ihn nicht einfach mal eben auf einen Kaffee treffen. So haben wir erstmal per Videotelefonie gesprochen. Mein positiver Eindruck bestätigte sich und ich konnte es kaum glauben: Sollte ich tatsächlich so viel Glück haben und schon beim ersten Versuch einen passenden Spender gefunden haben?

Im April 2019 haben wir uns dann zum Spenden verabredet.

Natürlich per Bechermethode – kein Sex. Ich buchte ein Hotelzimmer in den Niederlanden und reiste an. Natürlich war ich echt nervös und fragte mich, ob alles genauso funktionieren würde, wie ich mir das erträumt hatte. Ich holte ihn mit dem Auto vom Bahnhof ab, wir fuhren ins Hotel und tranken eine Cola. Da war er nun. Er konnte fast perfekt deutsch und wir unterhielten uns, machten Smalltalk.

Ich fragte ihn, wie viele Kinder er habe und er antwortete ‚16 Kinder‘. Das war für mich in Ordnung, schließlich waren die Kinder in den Niederlanden zu Hause. Wie hoch wäre da die Wahrscheinlichkeit, dass mein zukünftiges Kind die Geschwister kennenlernt? Er spendete mir an diesem Tag im Hotelzimmer sein Sperma, steril in einen Becher. Für seine gesundheitlichen Nachweise wollte er 200 Euro. Pro Spende verlangte er 50 Euro und zusätzlich Fahrtgeld. Auch das fand ich nur fair, immerhin sollte er mir ein wundervolles Kind schenken.

Leider wurde ich nicht schwanger und deswegen versuchten wir es im Juni nochmal.

Dieses Mal klappte es mit einer Schwangerschaft und ich freute mich riesig! Doch etwa zwei Monate nach der Geburt wurde ich plötzlich auf einen Beitrag in einem Samenspender-Forum aufmerksam. Schockiert las ich den Namen meines Spenders. Er, dem ich vertraut hatte und von dem ich ein Kind bekommen habe, sei ein Massenspender.

Dort war die Rede von tausenden Kindern weltweit. Ich konnte das einfach nicht glauben und recherchierte weiter. Doch leider bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen: Es gab über ihn schon Reportagen und Zeitungsberichte. Inzwischen hat sogar die NewYork-Times einen Artikel über ihn verfasst.

Er ist bekannt als Betrüger.

Denn obwohl es in den Niederlanden illegal ist, hat er alleine dort an elf verschiedene Samenkliniken gespendet. Deswegen wurde er damit bekannt, dass er 102 Kinder durch offizielle Samenbanken gezeugt hat. Unter anderem hat er an die Samenbank Cryos gespendet, die sein Sperma weltweit an mehr als 100 Länder verteilt hat. Cryos hat sich mittlerweile von ihm distanziert und vergibt sein Sperma nicht mehr.

Doch dabei beließ er es nicht: Er hat zusätzlich über verschiedene Profile privat Frauen kennengelernt. Außerdem hat er verschiedene Namen benutzt, um sein Sperma an die Samenbank zu verkaufen. Er nannte sich unter anderem ‚RUUD‘. Nachzulesen ist das übrigens alles offiziell. Selbst Interviews hat er zu diesem Thema gegeben. Er ist in den Niederlanden ein echter ‚Star‘.

Ich weiß, dass einige Mütter sich Hilfe gesucht haben.

Sie haben sich zusammengeschlossen, um gegen den Massenspender vorzugehen. Es gibt sogar eine private Facebookgruppe für betroffene Frauen. All diese Frauen hat er auch angelogen und ihnen genau das gleiche erzählt wie mir: Er habe nur wenig Kinder. Schließlich schrieb ich mit einer anderen betroffenen Mama. Sie war gerade schwanger von ihm und konnte es auch nicht fassen. Mittlerweile ist er nahezu überführt. Noch immer erzählt er nicht genau, wie viele Kinder es von ihm gibt. Er sagt ‚offiziell 250 Kinder‘. Ob das stimmt? Ich bezweifle es.

Sein Name ist Jonathan Jacob Meijer. Man findet etliches über ihn, wenn man recherchiert. Von Zeitungsberichten bis hin zu Interviews im Radio. Natürlich ahnte ich davon nichts, als ich ihn mir als Spender ausgesucht habe. Ich möchte auch jeder kritischen Stimme ganz klar sagen: Nicht jeder Spender ist so. Spenden ist für viele Frauen etwas Gutes, ein Segen für Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch. Und ich möchte auch ganz klar sagen, ich würde es nie anders machen. Ich liebe meine beiden Kinder von ganzem Herzen.

Aber natürlich schockiert diese Erkenntnis mich immer noch…

Mein zweiter Sohn ist mittlerweile ein Jahr alt und kam im März mitten in der Corona-Pandemie per Kaiserschnitt zur Welt. Trotz des Umstandes mit der Pandemie und den Hygienevorschriften hätte ich nicht glücklicher sein können. Aber manchmal frage ich mich: Wie viele Geschwister hat mein Sohn? Wie reagiert er später mal darauf, wenn er von diesem Ausmaß erfährt? Wie geht mein großer Sohn mit dieser Nachricht um? Was ist, wenn sich mein Kleiner später in ein Geschwisterchen verliebt?

Das ist also unsere Geschichte.

Abschließend möchte ich noch mal sagen: Ich würde meine zwei Kinder niemals hergeben. Egal, ob wir in der Schwangerschaft verlassen wurden oder der Spender ein Massenspender ist. Ich würde nichts anders machen. Die beiden sind perfekt – und sehen sich tatsächlich ähnlich!“


Vielen Dank, liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), dass du uns deine Geschichte erzählt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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Kommentare

  1. Er hat über 200 Kinder, laut eigener Aussage. Zu uns sagte er damals,er habe bereits 9 kinder.

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