„Ich will kein Kind – die Storys meiner Freundinnen haben mich abgeschreckt!“

Normalerweise kommen an dieser Stelle unsere Echten Mamas zu Wort. Sie erzählen uns ihre Geschichten, die Ereignisse ihrer Geburten, lassen uns an ihrem Alltag, ihrem Glück oder ihrer Trauer teilhaben.

Heute aber möchte Marina, 29 Jahre alt, ihre Gedanken mit uns teilen. Sie hat keine Kinder – und ist sich immer sicherer, dass sie auch keine haben möchte.

Woran das unter anderem liegt, hat sie uns erzählt:

„Für mich war es seit Teenagertagen selbstverständlich, dass ich mal Mama werde. Es war kein brennender Wunsch, aber irgendwie war es gar keine Frage und gehörte zum späteren ,Erwachsenensein` dazu. Und süß sind Kinder ja auch, das ist ja gar keine Frage.

Dann, Jahre später, bekam meine erste Freundin ein Baby.

Wir alle waren mit ihr aufgeregt und freuten uns. Als ihr kleines Mädchen da war, waren wir alle verzaubert. Und umhegten unsere ,Muddi`, bekochten sie, beschenkten sie, nahmen ihr das Baby stundenweise ab, als es alt genug war, trafen uns nachmittags bei ihr und brachten Kakao und Kuchen mit. Wir waren begeistert.

Und sahen nur die Vorteile des Mutterseins.

Mit den Jahren bekamen all meine Freundinnen dann nach und nach Kinder. Und durch sie bekommen ich alle Facetten des Mutterseins mit – von denen ich mir viele so gar nicht für mich vorstellen kann.

Beginnen wir mal mit den Geburten. Meine Mama hat mir früher nur erzählt, dass es natürlich etwas schmerzhaft war, als sie meinen Bruder und mich bekommen hat – dass diese Schmerzen aber sofort vergessen waren, als wir ihr auf die Brust gelegt wurden. Mit diesem Ausblick konnte ich leben…

Tja, ich denke, unsere Generation ist untereinander offenherziger.

Oder meine Mutter wollte dringend Enkel haben 😉 . Denn nur eine – eine einzige! – meiner Freundinnen hatte eine unkomplizierte Geburt, wie sie selbst sagt. Die fünf anderen? Eine hat noch nach einem Jahr mit ihren Geburtsverletzungen zu kämpfen. Eine andere lag 20 Stunden in den Wehen, bis ihr Kind dann doch per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden musste. Und diejenige, die erst seit frischen zwei Wochen Mama ist, lebt im Moment quasi von Schmerztabletten, weil ihre komplette Intimzone geschwollen und lädiert ist.

Sex mit ihren Partnern haben und hatten die meisten von ihnen für mehrere Monate nach der Geburt nicht. Die Gründe? Schmerzen in den Brüsten und im Schritt, Scham, dass der Partner die auch optisch veränderte Vagina sehen könnte, zu müde oder schlichtweg kein Interesse.

Treffe ich mich mit meinen Freundinnen, bedarf das einer tagelangen Planung.

Wann ist der Papa zu Hause – und kriegt er das mit dem Trotzkind dann auch wirklich hin? Oder schmollt der Mann, weil er schließlich den ganzen Tag geschuftet hat, während seine Frau nur zu Hause war mit dem Baby? (Ehrlich, mich wundert es nicht, dass die Beziehungen von zwei meiner Mama-Freundinnen nicht gehalten haben.)

Haben wir dann einen Termin, sagt eine sowieso vorher ab. Zwei andere schlafen schon beim Vorspann der DVD ein. Und eine andere checkt ständig ihr Handy, ob zu Hause auch alles okay ist.

Dadurch, dass ich die einzige von uns bin, die kein Kind hat, bekomme ich alles mit. Meine Freundinnen vergessen, dass ich nicht mitreden kann und toben sich so richtig aus. 90 Prozent der Gespräche drehen sich um schlaflose Nächte, wunde Nippel, kindliche Wutanfälle oder Kita-Probleme.

Das ist für mich auch okay. Ich wusste, dass es jetzt erstmal eine laaaaaange Durststrecke geben wird, was Partynächte und Cocktailabende geben wird. Das macht mir nichts aus.

Nur: Die ungeschönte Wahrheit über das Mamasein hat mir jegliche Lust darauf genommen.

Seit einem Jahr bin ich verheiratet und alle nerven uns, wann denn nun endlich ein Kind folgt. Meine Freundinnen natürlich auch.

Vor kurzem habe ich ihnen gesagt, dass ich kein Kind möchte.

Erst lachten sie und machten Scherze wie: „Na, das können wir am besten verstehen!“ Aber als sie merkten, dass ich es ernst meine, waren sie ganz bestürzt. Ich habe ihnen dann ganz ehrlich gesagt, dass auch sie mit ihren Erzählungen und Sorgen einen großen Teil zu dieser Entscheidung beigetragen haben.

Sie erklärten mir, dass man die schönen Dinge ja einfach seltener erzähle, dass diese ,krasse Liebe` alles aufwiege und dass keine von ihnen mit ihrem alten, kinderlosen Ich tauschen würde.

Aber egal, was sie sagen: Ich glaube nicht, dass ich ein Kind bekommen möchte.

Ich liebe meinen Job, meinen Mann, meine Ungebundenheit, das Ausschlafen am Wochenende und ja, ich hätte Angst vor den Schmerzen und vor der Verantwortung.

Ich bleibe lieber für immer Tante Marina – wann immer es in meinen Terminplan passt.“

Wie findet ihr diese Meinung denn? Ist das okay, oder findet ihr es egoistisch? Verpassen kinderlose Frauen etwas? Und habt ihr auch von allen Seiten Schreckensgeschichten gehört – und seid trotzdem Mama geworden?

 

 

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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