„Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich eine Tochter wollte!“

Hauptsache gesund!

Oder?

Insgeheim haben viele werdende Eltern einen Wunsch, welches Geschlecht sie sich für sein Baby wünschen. Na klar, spätestens wenn die kleine Maus auf der Welt ist, ist das Thema dann vom Tisch, weil man eh das beste Baby der Welt hat.

Aber in manchen Fällen sitzt der ursprüngliche Wunsch doch ein wenig tiefer.

So wie bei einer Echten Mama aus unserer Community. Die 34jährige aus Koblenz möchte ihren Kindern zuliebe ihren Namen nicht nennen.

Sie hat uns ihre Geschichte erzählt:

Ich wollte immer ein Mädchen haben. Also, sagen wir eher: Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich mal Mädchen-Mama werde. Ganz tief drinnen in mir war ich einfach sicher.

So, als ich dann meinen Mann kennenlernte, ging es ganz schnell, dass ich schwanger wurde. Gewollt! Wir waren happy und haben uns auf unser kleines Mädchen gefreut.

Dann stellte sich heraus, dass ich einen Jungen bekommen würde.

Es war tatsächlich ein Schock für mich, auch, wenn das viele nicht verstehen können.

Naja, ich sah dann aber selbst ein, dass es völliger Quatsch war. Ich kaufte wahnsinnig viel niedliches Jungszeug und versuchte, in den Geschäften nicht zu sehr zu den pinken Glitzi-Mädchensachen zu schauen, mit denen ich eigentlich immer gerechnet hatte.

Mein Sohn kam gesund zur Welt und er war (und ist natürlich!) toll.

Er war so süß, ich liebte ihn sofort wie verrückt und er hielt mich so auf Trab, dass ich dieses Mädchen-Thema total verdränge.

Jetzt bin ich wieder schwanger.

Als ich den positiven Test in den Händen hielt, war ich aus dem Häuschen vor Glück – und ganz sicher, dass mein „Großer“ eine keine Schwester bekommen würde. Ein Pärchen! Besser ginge es doch gar nicht.

Ihr ahnt es. Ich bekomme noch einen Jungen.

Und da dies unser letztes Kind sein soll, deprimiert es mich. Ich meine, wirklich.

Mir geht es in dieser Schwangerschaft seit Anfang an nicht so gut wie bei der ersten, ich habe viele Beschwerden. Ich schäme mich dafür, aber als ich erfuhr, dass es noch ein Junge wird, dachte ich ganz kurz: Und dafür quäle ich mich so sehr? Schlimm, ich weiß.

Meine Freundin ist ebenfalls schwanger und bekommt natürlich ein Mädchen. Es ist schwer, nicht ständig eifersüchtig zu sein.

Mir ist schon bewusst, dass ich mich da in eine fixe Idee reingesteigert habe.

Mir ist klar, dass Mädchen nicht immer lieb sind und mit Puppen und Einhörnern spielen. Und ich liebe meinen Sohn! Und mit jeder Schwangerschaftswoche liebe ich auch den kleinen Jungen in meinem Bauch mehr und mehr.

Ich bin mir sicher, dass die beiden gute Freunde werden.

Wir werden ein lauter und chaotischer Haushalt werden, voller Autos und Dinos. Das ist wunderschön.

Aber ich kann leider nicht aus vollen Herzen sagen, dass ich mit dieser Vorstellung komplett zufrieden bin. Ich muss mir eingestehen, dass ich mir immer noch eine Tochter fehlt. Und so schlecht diese Wahrheit bei allen anderen auch ankommt – ich habe keine Lust mehr, mich für meine Gefühle zu entschuldigen und sie zu rechtfertigen.

Gefühle sind irrational. Sie stecken ganz tief in dir.“

Wir danken der Echten Mama für ihre ehrliche Geschichte.

Wie sieht es denn bei euch aus? Könnt ihr die Mama verstehen? Und hattet ihr einen Wunsch, was das Geschlecht eures Kindes angeht?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Ich kann dich absolut verstehen ❤ ich habe mir zu Beginn meiner Schwangerschaft so sehr einen Jungen gewünscht und als mir der Arzt dann gesagt hat es wird ein Mädchen war ich schon irgentwie enttäuscht, zumal meine Schwiegermutter ein Mädchen prophezeit hat. Nach Zwei Wochen hab ich mich aber gut damit arrangiert und ich liebe meine Tochter abgöttisch ❤ Es sind nunmal deine Gefühle und dafür brauchst du dich nicht zu rechtfertigen oder ähnliches

  2. Liebe Jungs-Mama,
    seit ich Teenager war, war für mich klar wie meine Tochter heißen soll…
    Nun bin ich 42, durch mit dem Thema Kinder bekommen und hab 2 Söhne ;-).
    Und manchmal denke ich, Gott wusste warum: So viel Glitzer im Doppelpack hätte die Welt nicht ausgehalten 😛
    Liebe Grüße von einer Jungs-Mama

  3. Als Mama von zwei tollen Jungs kann ich die Gefühle der Mama im Artikel sehr gut nachvollziehen. Die Liebe zu ihren Kindern, den Wunsch nach einer Tochter, das schlechte Gewissen für die „undankbaren“ Gefühle, die man ja nicht haben darf. Die Einsamkeit, darf ich noch ergänzen, denn nein, ich rede inzwischen nur noch mit meiner Therapeutin und meinem Mann über meine Trauer. Die Situation ist bei mir etwas anders als bei der Mama im Artikel. Mein Mann und ich wollten eigentlich vier Kinder haben, bis ich Krebs bekam und meine Gebärmutter entfernt werden musste. Mit der Trauer um den unerfüllten Kinderwunsch habe ich noch heute zu tun. Auch das ein Tabu: statt mich über meine beiden wunderbaren Kinder zu freuen, bin ich traurig, das es nicht mehr sein durften. So sehen es viele. Das Dankbarkeit und Trauer gleichzeitig existieren können, verstehen sie nicht. Inzwischen geht es mir aber besser mit der Situation. Was mir geholfen hat? Ich habe ganz plötzlich, von einem Moment zum anderen ein Wort im Kopf gehabt und neu deuten können. Wunschkind. Die Kinder, die ich nicht bekommen durfte, die gab es nicht, sie sind nirgendwo als einsame Seelen, sie sind meine Wunschkinder. Und so dürfen sie bei mir bleiben. Ich habe sie mir gewünscht, aber Kinder sind ein Geschenk und dieses war nicht für mich vorgesehen. Das macht es mir leichter. Ich muss mich nicht von ihnen verabschieden, ich kann sie als Wunsch da sein lassen und damit leichter loslassen. Und mich der Realität und meinem wunderbaren Leben mit meinen wunderbaren Jungs zuwenden. Ach so und das Mädchen, das ich gerne umsorgt hätte, das bin jetzt manchmal einfach ich. Wenn ich ein niedliches Kleidchen sehe, kaufe ich mir etwas Schönes und freue mich. Ich werde nie in ihre Augen sehen, aber das ist okay. Life is what happens, while you are making different plans.

  4. Ich bin aktuell schwanger. Wir haben uns beide einen Jungen erhofft… Irgendwie sah ich mich als „Jungs-Mama“. Ich kann gar nicht sagen warum, aber wir wollten halt gern einen Jungen.
    Als meine FÄ mir sagte: Es ist ein Mädchen! War meine erste Reaktion: Oh 🙁
    „Ich hoffe das ist ein freudiges Oh!“ sagte meine Ärztin. Ich brauchte einen Moment, aber natürlich freuen wir uns über unser Mädchen. Ich kann es kaum erwarten sie kennen zu lernen. Aber irgendwie bleibt der Gedanke an den Jungen.
    Einen Jungennamen wussten wir auch schon kurz nach dem wir die Schwangerschaft überhaupt planten. Mit dem Namen für unsere kleine habe ich mir echt schwer getan…
    Ich hoffe, unsere kleine wird NIE das Gefühl haben „meine Eltern wollten lieber einen Jungen“ !!!!!

  5. @jeanniesoho:
    Deine Worte haben mich zu Tränen gerührt! Vielen Dank für diese offenen Worte und toll, dass du so mit der Situation umgehen kannst. WUNSCHkind- das sagt alles. Deine Gedanken haben mich sehr berührt und bewegt. Ich wünsche dir alles Liebe, beste Gesundheit und weiterhin viel Freude mit deinen Jungs!

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