Ja, ich trage meine Kleinkind-Tochter noch auf den Arm. Na und!?

Es gibt so Themen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich mal drüber schreiben werde. Weil ich gar nicht dachte, dass es überhaupt Themen sein könnten! Aber seit ich Mama bin, werde ich ja immer wieder eines Besseren belehrt…

Und so erst neulich wieder zum Thema „Kind auf den Arm nehmen“:

Ich hatte meine Tochter (drei Jahre alt) aus der Kita abgeholt. Auf unserem kurzen Nachhauseweg befinden sich viele Mauern unterschiedlichster Höhe – und natürlich liebt sie sie alle. Wenn wir nicht in Eile sind, erklimmt sie die Vorsprünge und balanciert auf ihnen. Am Ende eines Abschnitts angelangt, springt sie dann in meine Arme, wir drücken uns ganz fest oder ich wirbele sie einmal herum. Dann ist es aber auch genug mit Kuscheln und sie rennt schnell zum nächsten „Hindernis“, um es auf ihrem kleinen Heimweg-Parcours zu bezwingen.

Ein Weg, wie ihn jeden Tag unzählige Mütter mit ihren Kindern gehen.

Aber selbst auf diesem kurzen Heimweg lauern sie, die Besserwisser, die Klugsch…, diejenigen, die Sachen kommentieren, die sie nichts angehen.

Also zurück zu dem Tag, als ich meine Tochter wie immer abholte. Sie balancierte, sprang in meine Arme – und blieb erst einmal auf meiner Hüfte sitzen. Denn wir redeten und lachten über eine süß gezeichnete Comicfigur auf einem parkenden Lieferwagen. Als ich zur Seite blickte, sah ich eine ältere Dame, die mit ihrer erwachsenen Tochter auf uns zukam. Sie lächelte mich freundlich an.

Das dachte ich zumindest – und strahlte zurück. Aber dann hörte ich, dass die Dame (extra laut, damit ich es auch ja höre) zu ihrer Tochter sagte: „Heute werden die Mädchen getragen, bis sie heiraten. Dann dürfen sie selbst laufen.“

Hatte sie mich wohl doch nicht so nett angelächelt. Sondern eher ausgelacht.

Ich will all diese Kommentare nicht mehr hören!!!!!! Foto: Bigstock

Innerlich war ich sofort auf 180. Völlig übertrieben, ich weiß, aber  ich reagiere inzwischen wirklich allergisch auf solche Aussagen. Kommentare und Meinungen, die im besten Fall nur völlig unnötig wie dieser, im schlimmsten Fall aber extrem anmaßend sind. Leider sind mein Kopf und somit auch mein Mund längst nicht so schnell wie meine Gefühle. Deshalb habe ich dieser Frau – voller Empörung!… nichts gesagt. Mich aber tüchtig geärgert. Mal wieder.

Denn die eine Seite ist, dass ihr Spruch natürlich völliger Nonsens war. Sie hat uns etwa zehn Sekunden gesehen und denkt, dass ich meine Tochter andauernd durch die Gegend schleppe.

Auf der anderen Seite trage ich die kleine Maus tatsächlich ziemlich häufig ein kleines Stückchen! Ich habe das große Glück, dass ich bisher noch kein  „Rücken!“ habe  und sie schon ein paar Meter unbeschadet schleppen kann.

Ich denke darüber so: Sie ist doch jetzt schon sooo groß und muss den ganzen langen Kita-Tag nach den Regeln der Gruppe funktionieren. Deswegen lasse ich sie an ihrem Feierabend so klein sein, wie sie es möchte. Gebe ihr möglichst viel Sicherheit und Liebe und ein paar Stunden Zeit, in denen sie die Hauptrolle spielt – natürlich innerhalb eines gewissen Rahmens. Und wenn es für sie ab und zu dazu gehört, dass ich sie ein Stück unseres Weges trage? Dann ist das eben so. Ich spüre, wie sie sich sofort entspannt, ihre Nase in meine Halsbeuge drückt und mit ihren Fingern in meinen Haaren spielt. Und bin genauso glücklich wie sie.

Denn schnell genug wird diese Zeit zu Ende sein. Das ist ganz sicher. Sicher ist nur nicht, wann es das letzte Mal ist, dass meine Tochter auf meinen Arm möchte.

Und immer, wenn ich daran denke, nehme ich sie voller Liebe hoch. Und bin dankbar, dass ich noch ihr liebster Zufluchtsort sein darf.

Jetzt muss ich nur noch lernen, all die Kommentare zu ignorieren. Sagt mal: Könnt ihr das besser als ich? Oder habt zumindest direkt die passenden Antworten parat?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer dreijährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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