„Ich musste meinen geliebten Hund für mein Kind weggeben.”

„Ich bin Mara, 28 Jahre alt und Mama von einer zweijährigen Tochter. Früher habe ich mich scherzhaft immer als ‚Hundemama‘ bezeichnet, weil meine kleine Mischlingshündin Zora mein Ein und Alles war, aber ich musste sie vor ein paar Tagen weggeben. Sie hat meine Tochter gebissen.

Ich war schon immer total verrückt nach Hunden.

Als ich ein kleines Kind war, war unser Familienhund mein bester Freund. Ich hatte eine unbeschwerte Kindheit, aber mit 20 Jahren war die schöne Zeit abrupt zu Ende. Mein Vater wurde plötzlich schwer krank, er starb nach kurzer Zeit und ich fiel in ein tiefes Loch. Mitten in dieser schlimmen Zeit bekam die Australian-Shepherd- Hündin unserer Nachbarin Welpen. Kaum hatte ich die kleinen tapsigen Hündchen gesehen, war es um mich geschehen.

Ich hielt meine kleine Zora im Arm und hatte gleich das Gefühl: Das ist er, mein erster eigener Hund. Also zog das kleine Fellknäuel bei mir ein und plötzlich hatte ich wieder einen Sinn in meinem Leben. Schließlich wollte die kleine Zora beschäftigt, bespielt und gepflegt werden. Ich vertiefte mich stundenlang in Ratgeber zur Hundeerziehung und besuchte mit meiner Hündin die Hundeschule, wo nicht nur sie, sondern auch ich ein paar neue Freundschaften schloss.

Meine kleine Hundedame hat mich also aus meinem Tränental hinaus und zurück ins Leben geführt.

Sie war von Anfang an ein fester Bestandteil meines Lebens und nicht mehr wegzudenken, ich nahm sie überall hin mit. Nach dem Studium suchte ich mir extra einen Job, bei dem ich sie mitbringen durfte und sie war fortan der Büroliebling.

Als ich meinen Mann kennenlernte, musste auch er zunächst den Zora-Test bestehen und erst als ich sicher war, dass die beiden gut miteinander auskamen, sagte ich ‚ja‘ zu einem weiteren Date. Dreimal dürft ihr raten, wer uns bei der Trauung das kleine Kissen mit unseren Eheringen nach vorne bringen durfte.

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich mich einmal gegen meinen Hund entscheiden könnte.

Dabei war es nicht immer einfach mit meiner kleinen Zora, auch wenn ich es mir meistens nicht eingestehen wollte. Zum Beispiel hatte sie schon immer ein Problem mit kleinen Kindern. Wenn welche versuchten, sie zu streicheln, bellte sie direkt los, knurrte und zog sich hinter meine Beine zurück. Deswegen umging ich solche Situationen meistens.

Als ich schwanger wurde, machte ich mir schon ein paar Gedanken. Zora war zu dem Zeitpunkt ungefähr sechs. Aber ich wollte optimistisch sein und meine kleine Hundemaus und ich hatten so eine gemütliche Kugelzeit zusammen, dass ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, dass etwas Schlimmes passieren könnte.

Nur weil mein Mann nachdrücklich darauf bestand, holten wir uns kurz vor der Geburt eine Hundetrainerin ins Haus, die uns ein paar einfache Regeln erklärte, wie wir Hund und Baby aneinander gewöhnen können.

Als meine kleine Tochter dann da war, schien sich zunächst alles zu fügen.

Zora nahm nicht viel Notiz von ihr und schien sich nicht allzu sehr an dem neuen, kleinen Menschlein zu stören. Schwieriger wurde es, als meine Tochter immer aktiver und mobiler wurde. Sie war von Anfang an begeistert von ihrer tierischen Freundin, krabbelte immer wieder hinter Zora her und griff mit ihren kleinen Patschehändchen nach ihrem Schwanz.

Ich versuchte solche Situationen natürlich zu verhindern, aber ein sieben Monate altes Baby hat nun mal seine eigenen Vorstellungen. Zora lag immer öfter in ihren Körbchen und wollte von dem schreienden, tobenden Kleinkind nichts wissen. Doch meine Tochter wurde größer und als sie die ersten Schritte machte und Bälle werfen konnte, schienen sich die beiden wieder anzufreunden.

Doch dann hat Zora zugebissen.

Meine kleine, zweijährige Tochter saß gerade gemeinsam mit meinem Mann neben Zoras Körbchen und kraulte ihr den Bauch, als Zora einfach zuschnappte. Sie erwischte meine Tochter an der Hand. Sie biss dabei so fest zu, dass es sogar blutete. Mein Mann ging natürlich sofort dazwischen, trotzdem konnte er die blutigen Male an der Hand unserer Tochter nicht mehr verhindern.

Diese Bilder werde ich wohl nie vergessen: Mein Baby und über ihm mein Fellkind, zähnefletschend. Wir waren alle so geschockt, keiner von uns hatte diesen Hundebiss kommen sehen. Immer wieder musste ich mir sagen, dass nichts Schlimmes passiert sei, dass es meiner Tochter gut geht, dass sie mit einem Schrecken davon gekommen ist. Aber irgendwie war mir auch sofort klar: So etwas darf auf keinen Fall noch einmal passieren.

Ich bin jetzt Mama und als Mama ist für mich das Wohl meines Kindes am Wichtigsten.

Natürlich geht es nicht, dass meine Tochter mit einem Hund zusammenlebt, der beißt. Gleichzeitig fühle ich mich so schuldig Zora gegenüber. Sie war so viele Jahre meine treue Begleiterin und hat mir in einer Zeit tiefer Trauer wieder Lebensmut geschenkt. Hätte ich verhindern können, dass sie unsere Tochter beißt?

Mein Mann hätte Zora am liebsten sofort ins Tierheim gebracht, davon konnte ich ihn glücklicherweise noch abbringen. Meine Mutter kam dann am Wochenende vorbei und hat Zora mitgenommen. Sie hat einen Garten, jede Menge Zeit und das Wichtigste: Es gibt keine Kinder in der Nähe. Wir haben eine Probezeit vereinbart, sollte sich Zora in den nächsten drei Wochen gut benehmen, darf sie dort bleiben.

Ich glaube, damit haben wir noch das beste aus dieser schrecklichen Situation gemacht.

Trotzdem bin ich unglaublich traurig, dass es soweit kommen musste. Dabei hatte ich mir vor meinem inneren Auge schon ausgemalt, wie Zora meine Tochter beim Großwerden begleitet. Nun sieht meine Kleine mich mit großen traurigen Augen an, wenn sie sich an ihren Kratzer fasst und ‚Sssora‘ sagt.

Ich will auf keinen Fall, dass meine Tochter wegen der Beißattacke Angst vor Hunden bekommt. In der nächsten Woche haben wir deswegen eine Verabredung mit meiner besten Freundin und ihrem sehr kinderfreundlichen Mops.


Vielen Dank, liebe Mara, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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