„Ich musste erkennen, dass ich meine Tochter zu sehr verwöhnt habe.”

„Vielleicht geht es euch so wie mir: Meine Eltern haben sich nie so richtig Zeit für mich und meine Hobbys genommen. Sie haben beide viel gearbeitet und so wussten sie meistens nicht so genau, womit ich die Nachmittage verbringe.

Ich hatte keine schlechte Kindheit, aber ich habe mir immer gewünscht, dass Mama und Papa endlich mal Zeit für mich haben.

Als ich also selbst Mama einer kleinen Tochter wurde, stand eines für mich fest: Ich werde meinem Kind immer meine volle Aufmerksamkeit schenken, Anteil an seinem Leben nehmen und versuchen, es in allem zu unterstützen, was es machen will. Mein Mann und ich haben unser Leben nach unserem kleinen Mädchen ausgerichtet, sie war und ist unsere Priorität – immer! Aus Angst davor, dass wir ihr dann nicht mehr gerecht werden würden, haben wir uns sogar gegen ein zweites Kind entschieden.

Inzwischen ist unser Baby schon acht Jahre alt und in letzter Zeit drängt sich mir ein schlimmer Verdacht auf: Wir haben es übertrieben. Ich wollte unbedingt anders sein als meine Eltern und bin deswegen zu weit im anderem Extrem gelandet. Je größer meine Tochter wird, desto klarer wird mir: Wir hätten ein paar Regeln aufstellen sollen, die auch für sie gelten.

Ihr Zimmer sieht beispielsweise fürchterlich aus.

Überall liegt Schmutzwäsche und Spielzeug herum. Teilweise stellt sie benutztes Geschirr auf ihrem Spielteppich ab, was dort anfängt zu schimmeln. Ihr Papa und ich bitten sie immer wieder, aufzuräumen und sie vertröstet uns mit ‚Das mache ich später‘ oder ‚Och nö, heute hatte ich so einen anstrengenden Tag in der Schule.‘ Irgendwann geben wir auf und übernehmen das Aufräumen.

Meine Tochter musste auch noch nie putzen, denn ich wollte nicht, dass sie ihre Kindheit mit lästigen Haushaltspflichten verbringen muss. Die Folge ist nun, dass sie mit ihren dreckigen Straßenschuhen durch die Wohnung läuft und ungeniert Brotkrümel auf dem Sofa verteilt. Egal, wie oft wir sie ermahnen: Sie hat gar kein Gefühl für Ordnung oder Sauberkeit, das erledigen schließlich immer andere für sie.

Auch beim täglichen Abendessen ärgere ich mich.

Ich koche jeden Tag frisch für uns, damit wir als Familie einmal täglich eine warme Mahlzeit zusammen einnehmen. Etwas, das es in meiner Familie früher nie gab. Dabei richte ich mich oft nach den Wünschen meiner Tochter und koche gerne ihr Lieblingsessen. Doch meistens stochert sie nur lustlos darin herum, um dann zu fragen, ob sie nicht sofort den Nachttisch haben kann.

Doch die größten Sorgen mache ich mir, weil ich feststelle, dass sie mittlerweile Probleme in der Schule bekommt. Neulich hatte sie einen Vermerk im Hausaufgabenheft, weil sie ihre (zahlreichen) Bastelmaterialien nich mit einer Mitschülerin teilen wollte. ‚Ich habe das schönste Glitzerpapier, ich will das nicht abgeben!‘ Außerdem ist es sehr schwer, sie dazu zu bewegen, ihre Haushausaufgaben zu erledigen oder zu lernen.

Ich fürchte, ich habe meine Tochter zu sehr verwöhnt.

Sie wurde in ihrem Leben noch nie mit etwas Unangenehmen konfrontiert – und das ist unsere Schuld. Alle Steine, die ihr in den Weg gelegt wurden, haben mein Mann und ich mit vereinten Kräften weggeräumt. Doch jetzt ist sie in einem Alter, in dem wir ihr nicht mehr alles abnehmen können. Wir wollten nur, dass sie glücklich ist, aber niemand kann immer glücklich sein, so funktioniert das Leben nicht.

Deswegen habe ich vor ein paar Tagen willentlich und wissentlich die Wut meiner Tochter auf mich gezogen. Ich habe mich nämlich durchgerungen und nach langem Überlegen ein paar neue Regeln aufgestellt. Sie darf nun nicht mehr ans iPad, wenn die Hausaufgaben nicht fertig sind und den abendlichen Nachttisch gibt es nur noch am Wochenende.

Sie hat getobt und die Türen geknallt.

Ich habe mich schrecklich gefühlt und fast wäre ich wieder eingeknickt. Aber ich weiß, dass ich als Mama auch Verantwortung habe. Langfristig ist es besser für sie, wenn es ein paar Regeln gibt. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.”


Liebe Tanja, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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