„Ich liebe mein leibliches Kind mehr als mein adoptiertes.“

„Ich liebe meine adoptierte Tochter nicht so sehr wie meine leibliche.“ Auf den ersten Blick ist die Aussage dieser Mama schrecklich – und ganz sicher ist es ihr auch nicht leichtgefallen, es zuzugeben. Nicht einmal vor sich selbst.

Worum es geht?

Es geht um die Liebe einer Mama zu ihren zwei Töchtern. Beide absolute Wunschkinder, eines leiblich, das andere adoptiert. Beide absolut geliebt, doch das ein wenig mehr.

So schreibt es die Mama zumindest auf der Plattform Reddit. In meiner absoluten Lieblings-Rubrik „Am I The Asshole“, die normalerweise eher lustige Themen oder Aufreger beinhaltet, schüttet sie ihr Herz aus. Und erscheint einem nicht etwa als hartherzige, ungerechte Mutter – sondern als liebende Mama mit einem gehörig schlechten Gewissen wegen etwas, für das sie rein gar nichts kann.

Denn seine Gefühle kann man nicht beeinflussen…

Sie schreibt, lose übersetzt:

„Mein Mann und ich sind seit sieben Jahren verheiratet. Wir wussten von Beginn unserer Beziehung an, dass wir beide Kinder wollten und zogen eine Adoption in Erwägung. Da wir gerade mal Anfang 20 waren, als wir geheiratet haben, entschlossen wir uns dazu, noch ein paar Jahre zu warten, bis wir ein Kind adoptierten.

Überraschenderweise wurde ich ein Jahr nach unserer Hochzeit schwanger mit unserer Tochter June. Es war nicht geplant, aber wir waren finanziell gut aufgestellt und wollten ohnehin Kinder haben, also freuten wir uns über den Zuwachs.

Als June zwei Jahre alt war, haben wir ein Baby adoptiert: Charlie. Wir wurden schon während der Schwangerschaft ihrer leiblichen Mutter mit einbezogen, ebenso bei der Geburt.

Trotzdem: Von Anfang an fühlte ich einen Unterschied der Liebe zu meinen Töchtern.

Als ich Charlie im Arm hielt, habe ich sie geliebt, aber es fühlte sich mehr an, als hielt ich ein Kind von Freunden auf dem Arm als mein eigenes. Ich sagte es meinem Mann und er gestand, dass er es genauso empfinde, sich aber sicher sei, dass sich dieses Gefühl legte, sobald wir mehr Zeit mit ihr verbringen.

Ich habe in Büchern und im Internet darüber gelesen, dass dieses Gefühl normal wäre, etwa wie eine postnatale Depression, und sich nach einer Weile legen würde. Auf meinen Mann traf das auch zu. Ich allerdings fühle auch nach inzwischen drei Jahren ebenso wie am Anfang der Adoption (…).

Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Adoptivtochter.

Charlie benimmt sich in vielerlei Hinsicht sogar besser als June, die ihr zwei Jahre voraus ist. Dennoch liebe ich Charlie nicht auf die gleiche Weise, wie meine biologische Tochter. Ich kann das Gefühl einfach nicht loswerden, dass sie nicht mein Kind ist und es sich mehr anfühlt, als sei es das Kind einer Freundin oder Familienangehörigen, statt meins. Bin ich ein Arschloch?

Ach ja: Ich würde das alles Charlie niemals offenbaren. Ich behandle June nicht bevorzugt und zeige Charlie gegenüber das Gefühl nicht. Ich behandle sie beide so, als wären sie meine biologischen Kinder.“

Zum Glück bekam die innerlich zerrissene Mama kaum Kritik von den Reddit-Usern, sondern eher ermunternde Kommentare.

Eine Frau gab zu bedenken: „Ich wurde auch adoptiert. Ich habe immer gewusst, dass mein Vater andere Gefühle für mich hatte, als zu meiner Schwester, die seine leibliche Tochter ist – auch wenn er es niemals zugeben würde.“

Natürlich gab es aber auch einige böse Kommentare, wie: „Das ist nicht okay und nicht normal. Normalerweise lieben Eltern ihre Adoptivkinder so sehr wie ihre eigenen.“

Tja, aber was ist schon normal, oder?

Habt ihr Erfahrungen auf diesem Gebiet? Habt ihr Kinder adoptiert – oder wurdet selbst adoptiert?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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