„Ich hatte große Angst, dass der Vater meiner Kinder ins Gefängnis muss.“

„Bis vor knapp drei Jahren war alles schön. Ich war glücklich verheiratet, hatte eine tolle Tochter und einen Manager-Job. Es ging uns finanziell gut und auch familiär. Aber dann kam der Schlag: Mein Mann riss mich aus meiner wunderschönen Welt.

Er wurde plötzlich gekündigt und sagte mir nicht den wahren Grund.

Aber nach und nach kamen die Anwaltspapiere. Er hatte großen ‚Mist‘ gebaut bei der Arbeit. Er saß monatelang zu Hause, weitere Anwaltsschreiben kamen und nach und nach fand ich heraus, was passiert war, obwohl er alles leugnete. Mein Mann arbeitete im öffentlichen Dienst und hatte Geld angenommen, das er nicht hätte annehmen dürfen. Natürlich habe ich überlegt, mich zu trennen, denn er hatte mich und den Staat betrogen. Doch dann erfuhr ich, dass ich schwanger mit unserem zweiten Kind war. Er bat mich immer wieder um Verzeihung und beteuerte, wie leid ihm das alles tue. Schließlich habe ich ihm verziehen.

Doch kaum geschehen, trat schon das das nächste Problem auf: Er suchte sich keinen neuen Job, saß monatelang zu Hause. Vom Staat gab es kein Geld (sogar noch eine Sperre), weil die Kündigung ja sein Verschulden war. Ich bekam langsam Ängste, dass er vielleicht ins Gefängnis muss und ich alleine dastehen werde. Immer wieder hatte ich das Gefühl, keine Luft zu bekommen, meine Hände fingen an zu zittern und mein Herz raste.

Ich ging zum Arzt und erhielt die Diagnose Panikattacken.

Und das alles in meinem schwangeren Zustand. Außerdem bekam ich große Probleme mit den Nieren. Gleichzeitig ging ich natürlich so viel wie möglich arbeiten und versuchte finanziell alles alleine zu stemmen. Ich bat ihn mehrmals, sich zumindest vorübergehend etwas zu suchen, damit ich als Schwangere nicht noch mehr Überstunden machen muss – ohne Erfolg. Ich stemmte alles alleine: Ich ging arbeiten, holte meine dreijährige Tochter aus dem Kindergarten, kam nach Hause, putzte und kochte. Der Herr hatte ‚Depressionen‘ und saß den ganzen Tag zu Hause und zerbrach sich den Kopf, wie das denn alles sein kann.

Mit jedem Schreiben vom Anwalt verstärkten sich meine Panikattacken. Ich war außerdem mehrmals im Krankenhaus wegen des Babys, weil es immer wieder den Verdacht gab, dass etwas nicht stimmte. Dann, Monate später, hatte er  endlich einen Job. Er rappelte sich wieder auf, aber meine Kraft neigte sich dem Ende. Schließlich erhielt ich von meiner Chefin ein Beschäftigungsverbot, weil sie sah, wie schlecht es mir ging. Sie meinte, es wäre besser, wenn ich mich um mein Baby und mein Wohlbefinden kümmere.

Ich schöpfte wieder Energie und konnte mich ausruhen.

Finanziell waren wir auch wieder auf einem normalen Level. Doch dann kamen weitere Anwaltsschreiben und ich konnte die Augen nicht mehr davor verschließen, dass mein Mann ins Gefängnis muss. Ich hatte ständig Heulattacken und extreme Existenzängste. Meine größte Angst war, dass ich es alleine niemals schaffen könnte. Auch wenn ich natürlich noch Familie habe, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, sie damit zu belasten und machte alles mit mir selbst aus. Ich habe die Einstellung, dass das, was in den eigenen vier Wänden vor sich geht, nicht für die Außenwelt bestimmt ist.

Vier Monate nach seinem Arbeitsbeginn fing mein Mann auch noch an, sich merkwürdig zu verhalten. Er distanzierte sich, suchte Streit und arbeitete plötzlich länger. Mein Gefühl sagte mir schon, dass etwas nicht stimmt. Eines nachts habe ich es nicht mehr ausgehalten, mir sein Handy genommen und geguckt. Siehe da, auf Instagram wurde mit einer bestimmten Arbeitskollegin sehr viel geschrieben. Ich las mir den ganzen Chat von einem Monat durch, während er neben mir lag und schlief.

Ich weinte leise und hielt mir dabei den Mund zu.

Einen Monat lang hatte er sich bei seiner Arbeitskollegin über mich, seine Tochter und das ungeborene Baby beschwert. Aber kein einziges Wort darüber, was er für einen Mist gebaut hatte bei seinem alten Job. Irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus und weckte ihn auf: Ich schrie ihn an und fragte weinend, was das soll. Er entschuldigte sich zwar sofort, meinte aber auch, es sei nicht das, was ich denke.

Zu diesem Zeitpunkt war ich hochschwanger, vier Wochen vor dem Entbindungstermin. Trotzdem versuchte ich die Nerven zu behalten, wir sprachen uns noch einmal gründlich aus. Letztendlich beichtete er mir, dass er doch eine Affäre mit der Arbeitskollegin hatte. Ich bat ihn um Bedenkzeit, habe ihm seine Sachen gegeben und ihn zu seiner Mutter geschickt. Drei Tage lang übergelegte ich, wie ich handeln soll. Und entschied mich letztendlich für die Trennung und damit auch für eine Scheidung.

Er stimmte allem zu und gab mir sogar freiwillig das alleinige Sorgerecht für beide Kinder.

Mein Sohn kam dann per Notkaiserschnitt auf die Welt. Als ich wieder zu Hause war, erholte ich mich zum Glück schnell wieder und nach ca. drei Monaten konnten mein Mann und ich vor Gericht geschieden werden. Aufgrund seines Strafverfahrens, der Untreue und dass das alles mir und unserem ungeborenen Kind sehr zugesetzt hatte, ging es sehr schnell. Plötzlich war ich alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern.

Es war schwierig für mich, alles alleine zu stemmen und mich auf mich zu konzentrieren. Aber ich habe es geschafft, ich bin alleinerziehende Mama von zwei wundervollen Kindern und bin seit neuestem wieder in meinen Beruf eingestiegen. Es ist manchmal etwas chaotisch bei uns, aber wir drei haben uns super eingespielt. Ich habe inzwischen gelernt, dass ich alles schaffen kann, solange ich den Willen dazu habe und kämpfe. Ich kämpfe für mich und somit auch für meine Kinder.

Ihr Papa fragt alle paar Monate mal, ob es den Kindern gut geht und ist mittlerweile mit der anderen Frau zusammen. Existent im Leben seiner Kinder ist er nicht. Sein Strafverfahren läuft noch und es sieht nicht gut aus. Er lebt – wie er selbst immer so schön sagt – ‚sein Leben‘ und ich sage ihm dann voller Stolz, dass wir ‚unser Leben‘ leben.”


Vielen Dank, liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), dass du uns deine Geschichte erzählt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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