„Ich habe meinen Mädchennamen behalten – und bereue es als Mama“

„Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mein Mann mir den Antrag gemacht hat, ganz klassisch mit Kniefall und bei Kerzenschein. Ich habe sofort ,Ja!` gesagt und vor Freude geweint. Wir erzählten natürlich unseren Familien und Freunden davon – und damit ging es dann los…

Meine Freundinnen fingen spaßeshalber an, mich mit dem Namen meines Zukünftigen anzusprechen und ich lachte zwar mit, aber innerlich merkte ich, dass sich etwas in mir sträubte. Auch unsere Familien gingen selbstverständlich davon aus, dass ich meinen Namen abgeben und den meines Partners annehmen würde. Je öfter das thematisiert wurde, desto mehr kam ich ins Grübeln: War es wirklich das, was ich wollte? Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass mein Verlobter der Richtige für mich war, aber musste das wirklich zwangsläufig heißen, dass ich meinen Namen hergeben würde?

Ich hatte das Gefühl, einen Teil von mir verteidigen zu müssen

Plötzlich hatte ich das Gefühl, einen geliebten Teil von mir verteidigen zu müssen. Schließlich habe ich meinen Familiennamen schon mein ganzes Leben lang und ich mag, wie er klingt. Er erinnert mich daran, wer ich bin und was ich alles durchgemacht habe, um die Person zu sein, die ich sein möchte. Meinen Namen einfach einzutauschen fühlte sich irgendwie falsch an.

Außerdem kam es mir unpraktisch vor, meinen Namen zu ändern: Das bringt schließlich einen bürokratischen Aufwand mit sich, auf den ich schlicht und ergreifend keine Lust hatte. Ich dachte an Kollegen und Kunden bei der Arbeit, die sich umstellen müssten, meine E-Mail-Adresse wäre eine andere und Türschild und Visitenkarten müssten ebenso erneuert werden. Puh, dachte ich, warum nicht einfach alles so lassen wie es ist? Natürlich habe ich auch mit meinem Mann darüber gesprochen, doch ihm war diese ganze Namenssache ziemlich egal. Einen Doppelnamen konnte sich dagegen keiner von uns vorstellen.

Es erschien mir angemessen, meinen Namen zu behalten

Also fällte ich einen Entschluss: Ich wollte mit den Konventionen brechen und als eine der ersten in meinem Bekanntenkreis meinen Nachnamen auch nach der Hochzeit behalten. In dem Moment hat es sich richtig angefühlt, es erschien mir modern und unabhängig, meinen Namen nicht aufzugeben.

Die Reaktionen unserer Familien waren von Enttäuschung (seine Eltern) und Unverständnis (meine Eltern) geprägt, doch das war zu erwarten gewesen. Trotzdem fühlte sich die Entscheidung zunächst nach der Hochzeit noch richtig an, schließlich hatte ich gründlich darüber nachgedacht. In der ersten Zeit hatte ich sogar das Gefühl, dass die Vorteile meiner Entscheidung überwiegen würden.

Doch das änderte sich schlagartig, als meine Tochter geboren wurde. Wir entschieden uns dazu, dass sie den Namen meines Mannes tragen würde, da dieser kürzer und melodischer ist. Als unser Kind dann zu Welt kam, war da plötzlich dieses starke Wir-Gefühl zwischen uns Dreien, durch unsere Kleine waren wir unsere eigene Familie geworden. Dass das Gefühl so stark sein würde, hatte ich mir vorher nicht vorstellen können.

Es war unpraktisch, nicht so zu heißen wie unser Kind

Mit jedem Tag, den wir zu Dritt bewältigten, mit jeder Höhe und jeder Tiefe fühlte es sich komischer an, dass ich einen anderen Namen habe als die beiden Menschen, die mir am nächsten waren. Es fing bei den Kleinigkeiten an: Plötzlich sah unser Klingelschild für mich merkwürdig aus. Plötzlich störte es mich, wenn neue Bekannte mich und meinen Mann nicht direkt als Paar erkannten. Doch zusätzlich zu den emotionalen Befindlichkeiten, die sich bei mir eingestellt hatten, wurde es mit dem zunehmenden Alter unserer Tochter auch immer unpraktischer, unterschiedliche Namen zu haben.

Bei Elternabenden in der Kita ist die Verwirrung immer groß, wenn ich mich vorstelle: Niemand weiß, welches Kind zu mir gehört. Wenn wir Eltern uns per Mail austauschen, ist es dann die E-Mail-Adresse, die für Irritationen sorgt. Bei den anderen Eltern erscheint alles so klar, sie treten als Einheit auf und jeder erkennt auf den ersten Blick: Sie sind eine Familie. Damit es für alle etwas einfacher wird, habe ich deswegen in der Kita angefangen, immer den Namen meines Mannes anzugeben. Seitdem gibt es weniger komische Rückfragen, aber ich komme nicht drum herum, mich zu fragen, ob es dann nicht noch das beste gewesen wäre, seinen Namen auch offiziell bei der Hochzeit anzunehmen.

Meine Tochter kommt in Erklärungsnot

Endgültig ins Wanken gebracht hat meine Namenentscheidung eine Situation, die meine Tochter neulich durchmachen musste: Völlig aufgelöst kam sie von einer Verabredung zum Spielen nach Hause. Eine ihrer neuen Freundinnen aus der Kita hatte ihr gesagt, dass sie nicht wirklich mein Kind sein könnte, wenn ich einen anderen Namen habe als sie. Ich sei vermutlich ihre Stiefmutter. Mir saß ein Kloß im Hals, irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass durch die Nachnamen für meine Tochter so unangenehme Situationen entstehen konnten. Ich konnte nicht anders: Als ich ihre Tränen sah, bereute ich es, dass ich meinen Mädchennamen behalten hatte.

Das alles hat bei mir dazu geführt, dass ich klar sagen kann: Ich hätte mich anders entschieden, wenn ich damals gewusst hätte, wie es sich anfühlen wird, einen anderen Namen zu tragen als mein Kind und der Vater meines Kindes. Das konnte ich natürlich noch nicht wissen und ich stehe auch nach wie vor hinter meiner Entscheidung, weil sie mir damals eben richtig erschien. Schließlich gehört das zum Leben dazu: Dass wir falsche Entscheidungen treffen, die wir später bereuen.

Trotzdem überlege ich in letzter Zeit immer öfter, ob ich den Namen meines Mannes doch noch annehme, um für uns als Familie ein für alle Mal Klarheit zu haben.“

Liebe Jessi, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast! Wie auch immer Du Dich entscheidest, wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an [email protected].

Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach! Bevor ich bei Echte Mamas gelandet bin, habe ich Literatur und Medienwissenschaften studiert und nebenbei in einer Agentur als Texterin gearbeitet. Danach habe ich im Lokaljournalismus angefangen und sogar mit meinem Team den „Vor-Ort-NRW-Preis” gewonnen. Die große Nähe zu Menschen und Lebensrealitäten habe ich dort lieben gelernt und das lasse ich jetzt in unsere Echten Geschichten einfließen. Die sind mir nämlich eine Herzensangelegenheit, genauso wie die Themen Vereinbarkeit, Female Empowerment und Psychologie.

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Jennifer Häusler
Jennifer Häusler
6 Monate zuvor

Ich habe meinen Namen auch behalten aber meine Kinder tragen selbstverständlich meinen Nachnamen und nicht den meines Mannes.
Ich habe sie ausgetragen und kümmere mich um die meisten Termine. Ich wollte eben solche Verwirrungen nicht und auch das Zusammengehörigkeitsgefühl mit meinen Kindern ist mir wichtig.
Habe meinen Mann damals gebeten meinen Namen anzunehmen, da er mir sehr wichtig ist. Leider wollte er das nicht.

Anonym
Anonym
2 Jahre zuvor

Ich habe auch meinen Mädchen Namen behalten weil ich es damals auch nicht wollte und jetzt wo unser Sohn da ist muss ich sagen ist es teilweise echt schwierig das wir unterschiedlich heißen , ich habe auch schon öfters überlegt wie man das evtl ändern konnte , konnte mich aber noch zu keinem Entschluss entscheiden.

Ena
Ena
3 Jahre zuvor

Ich habe damals aus genau solchen praktischen Gründen den nervigen Doppelnamen genommen. Er ist in beide Richtungen „erkennbar“, und wenn ich mal mit dem Namen meines Mannes und Kindes angesprochen werde, korrigiere ich nur dann, wenn’s papierkramtechnisch wichtig ist. Mailadresse lautet auf den alten Namen; habe ich nie geändert. Wenn die hiesigen Menschen schon weiter wären (wie jemand schon schrieb – in anderen Ländern ist es die Regel, dass beide Eltern ihre Namen behalten), hätte ich meinen Namen ganz behalten, aber ich hatte eben genau keinen Bock auf die ewige Diskussion. Mit einem Doppelnamen kann ich die immer noch führen, wenn ich denn will, aber ich kann’s auch lassen, wenn’s mir zu blöd ist.

Warum sollte denn jemand den eigenen Namen aufgeben wegen einer Ehe?? Das finde ich ein ziemlich abstruses Konzept.

Der Doppelname ist zwar blöd, aber der beste Kompromiss gewesen, bis das hier endlich üblicher ist, gar keine Namen zu ändern.

Wichtig: Alle in meinem Leben wichtigen Menschen reden mich nicht mit Nachnamen an!

Eule
Eule
3 Jahre zuvor

In anderen Ländern wie Belgien ist es normal, dass die Frauen ihren Geburtsnamen behalten.
Ich konnte nur durch eine (deutsche) Einbürgerung den Nachnamen meines Mannes annehmen.
Ich habe mich dafür entschieden, da es in Deutschland unüblich ist, den Nachnamen nicht gleich zu haben. Damit es dann später in Kita, Kindergarten, Schule, beim Arzt,… keine Probleme geben wird.

Anne
Anne
3 Jahre zuvor

Mein Mann hat meinen Nachnamen angenommen, da ich meinen behalten wollte. Keiner in der Familie hat damit ein Problem, nur entfernte Bekannte fanden es sehr unüblich. Unsere Tochter trug bereits nach der Geburt meinen Namen

K.
K.
3 Jahre zuvor

Ich habe meinen Namen behalten, unser Sohn heißt wie ich. Intern hatten wir sowieso schon einen Phantasienamen aus unseren beiden Nachnamen gemischt (auch im Freundeskreis) und fühlen uns durchaus als eine Familie. Manchmal muss ich eben irgendwo dazu sagen „wir sind schon verheiratet und haben nur unseren Namen behalten“, aber das stört mich nicht.,

Klein
Klein
3 Jahre zuvor

Ich habe meinem Mann erklärt, warum ich meinen Namen behalten will. Hab ihm auch gesagt, ich möchte, dass wir einen gemeinsamen Namen tragen und ob er meinen Namen annehmen würde. Er hat zugestimmt und so hat er seinen Namen abgelegt. Ich hätte nicht geheiratet, wenn wir weiterhin unterschiedliche Nachnamen gehabt hätten.

Ich möchte schon mit dem Namen beginnen, nach außen zu zeigen, wir sind eine Familie.