„Ich bin ungeplant schwanger… und Mama eines vier Monate alten Kindes“

Ein neues Baby. Völlig ungeplant schwanger. Zu einem der unpassendsten Zeitpunkte.

Nicht nur das eindeutig Sichtbare im Ultraschall, sondern auch der Schwangerschaftstest, den ich zwei Tage vorher machte, riss meinem Mann Daniel und mir den Boden unter Füßen weg. Er war eindeutig positiv, obwohl ich mir trotzdem Hoffnung auf einen Anwendungs- oder Produktionsfehlers machte. Ich sollte wirklich ungeplant schwanger sein?

Doch ich erzähle der Reihe nach: Zuerst gab es da diesen Test, den ich vor etwa 13 Monaten regelmäßig mit der größten Vorfreude – und bei negativem Ergebnis mit der größten Enttäuschung – machte.

Ich wusste also noch genau, was ich zu tun hatte. Trotzdem studierte ich (Frau des Perfektionismus!) die Bedienungsanleitung des Schwangerschaftstests, der ab Fälligkeit der Periode anwendbar war, bis aufs kleinste Detail. Schließlich war es mir wichtig, dass dieses teure Ding, was ich vor nicht allzu langer Zeit voller Freude in den Händen hielt, auch zuverlässig seine Arbeit erledigte.

Mit zitternden Händen und innerlichem Stoßgebet hoffte ich also, dass mich all die mir bekannt vorkommenden Dinge der letzten Tage inklusive der viertägigen Überfälligkeit meiner Periode nur täuschten. Zur Apothekerin, die gerade das Rezept für meinen viereinhalb Monate alten Sohn Lenny in der Hand hielt und zeitgleich den Schwangerschaftstest einscannte, sagte ich, dass meine Überfälligkeit sicher nur etwas mit meinem Rückbildungskurs zu tun habe, an dem ich seit drei Wochen teilnahm.

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Ich war froh, dass ich dort ein Mal pro Woche etwas für mich tun konnte, denn nach den ersten Wochen mit unserem an Reflux, Laktoseintoleranz und Schreiattacken leidenden Sohn konnte ich endlich mal wieder durchatmen. Mein Mann hütete derweil unser Kind zu Hause. Ich sah Menschen, ich sprach mit Menschen und ich lachte mit ihnen.

Auf dem Rückweg von der Apotheke ging mir vieles durch den Kopf, während ich Lenny dabei erwischte, wie er noch vor dem Mittagessen und dem eigentlich anschließendem Mittagsschlaf ein Nickerchen hielt. Er ist mein ganzer Stolz und ich bin froh, dass wir die anstrengende Zeit als Familie geschafft haben und uns endlich von den Strapazen erholen können.

Nach Streitereien, alltäglichem Durcheinander und schlaflosen Nächte, weil Lenny so viel schrie, sollte es nun endlich ausgleichende Gerechtigkeit geben – und das Glück auf unsere Seite zurückkommen. Wir mussten uns dringend erholen und endlich in unserem Leben zu dritt ankommen.

Zu Hause zurück ließ ich Lenny noch etwas in der Babyschale schlafen, packte meine Einkäufe aus und hielt dabei prompt den in Vergessenheit geratenen Schwangerschaftstest in der Hand: Ach, da war ja noch was.

Ich nutzte die Zeit und machte den Test. Als ich ihn ablegte, um auf das Ergebnis zu warten, sah ich es auch schon, weil es nicht mal einen Bruchteil der Sekunde dauerte:

Noch bevor sich der Kontrollstreifen blau verfärben konnte, bildete sich das im Fenster des Tests deutlich sichtbare blaue Kreuz:

P O S I T I V.

Schwanger, obwohl mein erstes Kind erst vier Monate alt war. Foto: Bigstock

Ich studierte die Anleitung noch einmal ganz genau und erkannte: Es war eindeutig. Ich war ungeplant schwanger.

Meine zitternden Finger wählten die Nummer meines Mannes bei der Arbeit: ‘Ich habe einen Test gemacht und er ist positiv!‘, sagte ich. Dann brach ich in Tränen aus.

Wie um alles in der Welt sollte ich das alles mit zwei kleinen Kindern schaffen?

Wir wollten uns doch zwei Jahre Zeit nach dem ersten Kind lassen. Und wie um alles in der Welt konnte das passieren?

Die Nachricht über ein neu heranwachsendes Leben ist normalerweise die schönste Botschaft, die es auf der Welt gibt. So war es bei unserem ersten Kind:

Vor etwa einem Jahr und drei Monaten durften das auch Daniel und ich erfahren, als der Schwangerschaftstest nach unzähligen Versuchen endlich positiv war und unser Wunschbaby Lenny sein Wachstum in meinem Bauch antrat.

Es war so wunderschön. Für uns das größte Glück und für mich die größte Angst, durch einen dummen Fehler seinen Abgang hervorzurufen.

Es ist ein Wunder – denn durch meinen Beruf als Krankenschwester in einer Notaufnahme und für meinen Mann als Notfallsanitäter – war uns deutlicht bewusst, wie viele Schwangerschaften am Ende doch keine mehr sind. Dass ein Baby heranwachsen und entstehen kann, ist ein Wunder der Natur, wobei die Natur leider manchen Paaren auch Streiche spielt.

Umso mehr Glück hat man, wenn ein neues Leben allein durch die Vereinigung zweier Menschen miteinander und durch den Körper der Frau entstehen kann. Organe bilden sich und funktionieren, Blut zirkuliert und das autonome Herz weiß, was es zu tun hat. Das Gehirn beginnt zu arbeiten und die feinsten Zellen verflechten sich zu einer Einheit.

Sich dessen bewusst zu sein, macht es noch schwieriger, an das neue Leben in mir drin zu denken, das dieses Mal so gar nicht geplant war.

So schlimm es sich anhören mag, aber ich wusste nicht, wie es weiter geht. Tagelang weinte ich, fühlte mich verantwortlich und schuldig für unser „Missgeschick“ und dafür, dass ich nun ungeplant schwanger war.

Mit einem neuen schlagenden Herzen.

Mein Mann war auf meiner Seite. Egal zu welchem Zeitpunkt zeigte er mir, dass er vollstes Verständnis für meine Entscheidung hatte – eine Entscheidung, die ich in meinem Leben niemals fällen wollte. Schwangerschaftsabbruch oder nicht?

Sollte ich das Kind behalten? In der Zeit der Unsicherheit musste ich viel weinen. Foto: Bigstock

Gab es überhaupt eine Entscheidung oder wurde sie für uns nicht längst gefällt?

Die Tage wurden zur echten Zerreißprobe. Ungeplant schwanger. Ich weinte viel und wollte nicht, dass mir die Mitarbeiter des Frauenarztes ihre Glückwünsche aussprachen.

Wie um alles in der Welt sollte ich nach all dem anfänglichen Stress mit Lenny,  der noch nicht allzu lange her war, bald mit zwei Kindern klar kommen, wenn mein Mann eine 24-Stunden-Schicht hat?

Wie um alles in der Welt sollte mein Körper jetzt schon wieder eine Schwangerschaft bewältigen, nachdem er doch kaum Zeit hatte, sich von der ersten zu erholen?

Wie um alles in der Welt sollte ich überhaupt anfangen, mich auf ein neues Baby zu konzentieren, wenn ich mich im Rahmen meiner neuen kleinen Familie erstmal erholen und ankommen musste?

Ich wusste nicht weiter. Ungeplant schwanger.

Während ich die Adressliste der Krankenhäuser, die in der Nähe Schwangerschaftsabbrüche vornahmen, in meiner Hand hielt, fragte ich mich, wieso ausgerechnet ich nun so etwas entscheiden musste. Dass ein neues Herz in meinem Bauch schlug, beurteilte selbst die Frauenärztin als „eigentlich unmöglich“. War es einfach Schicksal?

Ein ständiges Hin und Her zwischen den Einflüsterungen des Engels und des Teufels auf meiner Schulter machten mich wahnsinnig. Ungeplant schwanger… und das jetzt!

Ich erinnere mich daran, dass ich Lenny abends zum Bettgehen fertig machte: Waschen, eincremen und so weiter. Er lachte, war fröhlich und brabbelte vor sich hin, während er mit einem Kuscheltier spielte und genoss, dass ich seine Füße einrieb.

Ich sah ihn an, wie er lachte – nur, weil diese kleine Situation ihn so fröhlich stimmte – begann zu weinen und sagte zu meinem Mann, der daneben stand: ‘Warum sollten wir denn nicht auch einem anderen unschuldigem Baby das Recht und die Möglichkeit geben, zu leben und zu lachen. Wäre es nicht feige, es nicht zu versuchen!?‘

Daniel kam zu mir, nahm mich in den Arm, tröstete mich und sagte mir wieder und wieder, dass er bei jeder Entscheidung hinter mir stehen würde. Er wäre sich aber sicher, dass wir auch mit noch einem Baby gut klarkommen würden.

Ich hatte große Angst davor, dass wir uns als Paar dann verlieren würden.

Dennoch wusste ich: Das kleine Wesen suchte sich in meiner Gebärmutter einen Platz, baute sich dort ein Haus und bastelte sich ein schlagendes Herz zusammen. Warum also sollten wir es weg machen?

Viele, viele Tage der Unsicherheit verbrachten Daniel und ich damit, miteinander zu sprechen.

,Schaffen wir das als Familie, besonders ich als Frau?` versus ,Unser Kind ist nunmal auf dem Weg und es fühlt sich wohl. Es will bei uns sein.`

Ich hasste diese Tage. Jeden Morgen wachte ich auf und sah unseren fröhlichen Sohn, den wir schon hatten.

,Sieh ihn dir an. Stell dir vor, wir hätten ihn vor etwas mehr als einem Jahr nicht gewollt und weg gemacht!`, waren Sätze, die ich meinem Mann sagte – die allerdings weniger ihm galten, sondern eher meiner inneren Zerrissenheit bezüglich der neuen Schwangerschaft.

Ich wollte nicht Gott spielen. Wollte nicht über Leben oder Tod entscheiden.

Ich wollte dem Schicksal nicht reingrätschen.

Und Daniel und ich wollten kein unschuldiges Leben zerstören, das einen so hartnäckigen Daseinswunsch hat.

Es gehört zu uns und wir hätten uns nie verziehen, in zwei Jahren ein geplantes Kind zu behalten und zu lieben, während wir ein ungeplantes ,aus dem Weg geräumt` hätten.

Wir hätten uns in Zukunft gehasst.

Dafür, dass wir einem Menschlein nicht sein Lachen vergönnt hätten.

Dafür, dass wir Macht ausgeübt hätten, die uns nicht zusteht.

In meinem Bauch wuchs tatsächlich wieder ein Kind heran. Foto: Bigstock

Ungeplant schwanger… Heute bin ich im fünften Monat. Ich leide unter schlaflosen Nächten aufgrund nervöser Beine, meine Rückbildung habe ich in Schwangerschaftsgymnastik umgewandelt und mein Bauch ist längst nicht mehr zu verstecken.

Meine ursprünglichen Pläne beginne ich nach und nach zu ändern. Unsere Familien stehen hinter uns und meinen Alltag als Vollzeit-Mama bewältige ich mit einem meist fröhlichen, dennoch immer noch sehr temperamentvollen Sohn. Ich konzentriere mich, solange es noch geht, auf meine emotionale, körperliche und familiäre Regeneration.

Ja, es wird stressig werden.

Es wird natürlich mit einem zweiten Kind stressiger, denn das erste hat weiterhin seine Bedürfnisse. Da spielt der Altersunterschied für die Kinder nun wirklich keine Rolle.

Ja, es wird manchmal schwer werden. Besonders, wenn beide gleichzeitig mal krank sind.

Aber es wird mindestens genau so schön, wenn beide gleichzeitig lachen.

Ja, es ist eine Entscheidung fürs Leben.

Aber besser für – als gegen.“

Foto: privat

Mona, 28, aus Nordrhein-Westfalen ist seit August 2017 Mutter eines temperamentvollen Sohnes, wie sie selbst sagt. In ihrem Blog Planvoll-planlos erzählt sie von ihrem oft schwierigen Alltag, um anderen Mamas in der gleichen Situation Mut zu machen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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