„Ich bin lesbisch – und mit meinem besten Freund verheiratet.“

„Meinen Mann kenne ich seit der Schule. In der Oberstufe kam er neu auf mein Gymnasium, er war lässig und verwegen und alle Mädchen verliebten sich sofort in ihn.

Ich nicht, aber wir wurden beste Freunde. Wir hatten und haben dieselben Interessen, er ist warmherzig, schlau und der zuverlässigste Mensch, den ich kenne.

Auch nach der Schule blieben wir befreundet und irgendwann, nach Jahren, gestand er mir seine Liebe. Wow! Drum prüfe, wer sich ewig bindet, oder wie sagt man?

Ich war geschmeichelt und begann, ihn mit ganz anderen Augen zu sehen.

Und ja, auch ich begann, Gefühle für ihn zu entwickeln.

Kurzes Vorspulen…

Wir heirateten und adoptierten einen Jungen. Wir waren glücklich.

Bis ich nach Jahren merkte, dass ich mich verändert hatte. Ich ignorierte meine Gefühle lange, aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich ihn nicht mehr so liebte wie einst.

Nein, es gab keinen anderen, der mich reizte…

Ich wollte mit einer Frau zusammen sein. Ich musste mit einer Frau zusammen sein.

Ich war lesbisch und ich wusste es erst jetzt. Mit Mitte 30.

Ich versuchte, es zu ignorieren. Ich hatte doch alles, was man sich wünschen konnte. Ich wollte unser Glück nicht gefährden.

Aber irgendwann merkte ich: Unser Glück war nicht mehr mein Glück.

Ich erzählte meinem Mann, dass ich bisexuell sei.

Die volle Wahrheit brachte ich nicht über meine Lippen, ich hatte zu viel Angst. Natürlich wurde er trotzdem sehr still. Er ging aus dem Zimmer, aus der Wohnung.

Abends fragte er mich, was das denn für uns bedeuten würde. Ich sagte: ,Nichts!`. Er tat so, als würde er es mir glauben. Als würde er denken, dass sich jetzt nichts ändern würde.

Natürlich tat es das. Er konnte sich anzügliche Bemerkungen nicht immer verkneifen, fragte ständig, ob mir sexuell nicht etwas fehlen würde – und Sex hatten wir eh kaum noch, weil es mich nicht mehr interessierte. Es war nicht schlimm für mich, um Himmels Willen – es war eher langweilig.

Das Schlimmste aber war: Ich fühlte mich schlechter als vorher.

Ich hatte geleugnet, wer ich wirklich war. Ich war nicht bisexuell. Das war eine Lüge. Ich war lesbisch.

Heute weiß er das und viele Freunde von mir auch. Wir sind noch zusammen, ich muss wählen zwischen dem Glück meiner Familie und meinem eigenen. Das fällt mir schwer.

Eine Freundin hatte ich übrigens noch nie, nur ein paar One-Night-Stands.

Es geht mir aber nicht gut dabei. Ich bin nicht glücklich und das kann nicht für immer so bleiben. Die Spannung zwischen mir und meinem Mann ist täglich spürbar.

Aber wir werden eine Lösung finden. Denn ich habe doch meinen besten Freund geheiratet, meinen Seelenverwandten. Aber eben nicht mehr den, der mein Herz und meinen Körper in Flammen aufgehen lässt.“

 


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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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