Herz an Herz: „So helfe ich meinem wütenden Kind“

Kaum etwas tut uns Menschen so gut wie eine innige Umarmung. Sie kann sogar dann helfen, wenn dir und deinem Kind der Sinn am wenigsten danach zu stehen scheint: während eines Tobsuchtsanfalls. Die amerikanische Autorin und Musikerin Kristen Mae beschreibt bei Scary Mommy, wie sie ihre beiden Kinder mit einem „Heartbeat Hug“ dabei hilft, ihre Ruhe wiederzufinden.

„Ich wollte die Zeit umkehren.“

Eines Tages stieß Kristen auf ein Facebook-Video, auf dem ein Vater neben seinem Kleinkind saß, das gerade einen Zusammenbruch erlitt. Es schrie und weinte sich die Seele aus dem Leib, nichts schien es beruhigen zu können. Doch der Vater blieb geduldig an seiner Seite. Er riet seinem Kind weder, sich zusammenzureißen, noch schickte er es zu einer Auszeit in sein Zimmer. Er ließ es in Ruhe, bis es ganz am Ende von alleine die Nähe seines Vaters sucht. Endlich war es bereit, in Papas Armen den benötigten Trost zu finden, den es bis dahin nicht zulassen konnte. Kristen war tief bewegt: „Dieses Gefühl von Sicherheit verdient jedes Kind – zu wissen, dass es bedingungslos angenommen und geliebt wird. Dass es einen sicheren Ort hat, an dem es sich fallen lassen kann, wenn sich seine Welt anfühlt, als würde sie zerbrechen.“

Zugleich kamen Schuldgefühle auf, weil sie bei ihrem ersten Kind – ihrem Sohn, jetzt ein Teenager – nicht so geduldig sein konnte: „Wie ich mir wünschte, ich könnte die Elternuhr umkehren.“

„Selbst einem Teenie kann die Herzschlag-Umarmung helfen.“

 

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Seither hat Kristen ein schönes Ritual entwickelt. Wenn ihre beiden Kinder – ja, auch der Teenie-Sohn – mal wieder untröstlich wirken, setzt sie sich ganz ruhig zu ihnen. „Ich frage sie dann, ob sie eine Umarmung möchten. Wenn sie einwilligen (und das tun sie fast immer), bitte ich sie, ihren Kopf an meine Brust zu legen und auf meinen Herzschlag zu hören. Das bewirkt Wunder bei meinen Kindern.“

Körperliche Nähe bewirkt, dass wir uns besser fühlen – sie kann unseren Herzschlag beruhigen oder sogar mit dem des anderen Menschen synchronisieren, genau wie die Atmung. Das ist keine reine Magie, sondern wissenschaftlich nachgewiesen. Dieser Gleichklang des Herzens findet sich übrigens auch bei werdenden Müttern und deren ungeborenen Babys – beeinflusst vom Atemrhythmus der Mutter.

Wichtig: Inniger Körperkontakt darf nie erzwungen werden. Auf keinen Fall solltest du dein wütendes Kind in deine Arme reißen und zu dieser „Therapie“ zwingen. Das kann das Gegenteil von dem bewirken, was du dir wünschst. Wahrscheinlich fühlt es sich nämlich dann erst recht macht- und hilflos. Aber du kannst deinem aufgewühlten Schatz genau wie Kirsten sanft eine Umarmung anbieten – oder geduldig in seiner Nähe bleiben. So erlebt es, dass es dich mit seinen starken Gefühlen nicht vertreibt, sondern du ihm selbst in extremen Situationen liebevoll zur Seite stehst. So sucht es am Ende vielleicht ganz von alleine deine Berührung.

Habt ihr womöglich ähnliche Erfahrungen mit eurem Kind gemacht? Oder habt ihr andere Wege gefunden, ihm in solchen Situationen beizustehen? Wir freuen uns über eure Berichte.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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