Manchmal ist es so hart für mich. Für dich auch, ich weiß…

Manchmal ist es so hart für mich…

Ich bin der Typ, der Dinge gerne effizient angeht, gerne zwei Sachen parallel macht und Pläne liebt, die Zeit sparen. Denn Zeit, die ist doch immer kostbar und knapp. Vor allem, seit ich deine Mama bin. Und was machst du? Bummelst, als gäbe es kein morgen. Verstehst einfach nicht, warum wir „jetzt keine Zeit haben, Spatz!“. Und verstehst auch nicht, dass alles so viel schneller geht, wenn „Mama es schnell selbst macht.“ Du verstehst erst, wenn ich laut werde, dass etwas nicht stimmt und ich sauer bin – warum, verstehst du sicher nicht. Und ich? Hasse mich dafür, dass ich ein bezauberndes kleines Mädchen in einem viel zu harschen Ton anmotze.

Und manchmal ist es so hart für dich…

Du siehts deine Mama, der du bedingungslos vertraust. Du verstehst nicht, warum ich so gereizt bin und überhaupt, warum du denn nicht noch fünf Minuten spielen kannst oder deine Puppe noch einmal kurz kämmen, bevor sie in ihr Bett, die Spielzeugkiste, geht. Weil du es nicht verstehst, ignorierst du es erst, so wichtig kann das doch nicht sein. Nicht so wichtig wie gekämmte Prinzessinnenhaare zumindest. Und dann werde ich laut, und schaue dich böse an. Ganz still packst du deine Puppe weg und fragst dich traurig, was du falsch gemacht hast. Wieder mal. Du bist noch klein, aber du hast schon so große Gefühle.

Manchmal ist es so hart für mich…

Denn auch du kannst schreien – und zwar lauter als ich. Manchmal komme ich einfach nicht dabei mit, was dich denn so wütend macht! Doch nicht wirklich die „falsche“ Bettwäsche? Oder diese Schuhe, die du gestern noch geliebt hast? Mein Gott. Ich will dich beruhigen, aber du haust nach mir. Mir kommen die Tränen und ich bin hilflos, gereizt und wütend. Ich weiß es doch besser – aber in diesem Moment denke ich nicht daran, dass es „eine Phase“ ist und nicht böse gemeint. Ich kann nicht daran denken, ich bin zu tief getroffen. Dabei weiß ich doch, dass schon bald alles wieder vergessen ist, du ein glückliches Kind bist, das auf meinem Schoß sitzt und kuschelt.

Und manchmal ist es so hart für dich…

In dir explodieren gerade die Gefühle und ich rede auf dich ein. Beruhigend – wie ich finde. Noch viel verwirrender – wie du findest. Du weißt nicht wohin mit all der Wut und der Trauer, die dich gerade überfluten. Und dann siehst du, wie ich weine. Wie ich zu deinem Papa sage: „Warum nur muss das alles so kompliziert sein? Ich kann nicht mehr.“ Ich weiß genau, dass du das alles siehst und dass es dich ängstigt. Wissen denn „die Großen“ nicht immer zuverlässig, was zu tun ist? Wenn dein Fels in der Brandung weint, muss alles ganz schlimm sein. Und du überlegst, ob du Schuld hast. Du weißt noch nicht, dass auch manche Erwachsene (ich!) schnell weinen, dass das ein Ventil ist, um ebenfalls große Gefühle abzulassen. Und du weißt noch nicht, dass du dich niemals, niemals schuldig fühlen musst.

Manchmal ist es so hart für mich…

Ich sehe all diese Mütter, die scheinbar so lässig mit zwei oder mehr Kindern durchs Leben gehen, als wären sie nur dafür geboren. Sie finden die richtigen Worte, um ihre Kinder im Wutanfall zu begleiten und sie scheinen nie die Fassung zu verlieren. Sie drücken beide Augen zu, wenn es um Süßigkeiten geht, ums Fernsehen und um eine/viele Ausnahmen, was die Zubettgehzeit angeht Und ich!!!??? Komme mir kleinlich vor, wenn unsere Abende immer gleich ablaufen und ich finde, dass eine Handvoll Gummibärchen am Tag genug sind.

Manchmal ist es so hart für dich…

Denn oft brechen wir als erste vom Spielplatz auf. Wir machen den Fernseher nach zwei Folgen deiner Lieblingsserie aus, während deine Kita-Freundin schon alle Disney-Filme am Stück gesehen hat. Du weißt nicht, dass ich dich manchmal ein wenig besser kenne als du selbst – und diese Regelmäßigkeit dir so gut tut. Und zum Thema „nie die Fassung verlieren“? Man hat mir schon immer jedes meiner Gefühle deutlich angesehen – und ich empfand es als Stärke. Beim Mamasein allerdings, da fühlt es sich an wie ein Versagen. Es sollte für dich völlig egal sein, ob ich einen schlechten Arbeitstag hatte. Ich sollte Frust und Sorgen besser verbergen können.

Manchmal ist es so hart für uns beide.

Aber wir sind wie wir sind, eine ganz normale Mama mit einem besonders tollen Kind. Irgendetwas oder irgendjemand hat uns füreinander bestimmt. Und auch, wenn wir unsere kleinen Kämpfe haben und diese so ermüdend sein können – ich werde dich in ihnen niemals alleine lassen. Ich hoffe, du weißt, dass ich dich immer lieben und beschützen werde. Ich bin an  deiner Seite, auch, wenn es sich manchmal anders anfühlt, und werde uns beide durch all die Stürme bringen. Das verspreche ich dir.

Ich hab dich lieb, und das für immer.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Muss es sein, in einem Seitenhieb die „perfekten“ (offenbar unterstellt: schlechtere) Mütter mit fröhlichen Kindern mit Disneyfilmen und Süßigkeiten gleichzusetzen? Andere Mütter haben vielleicht nicht nah am Wasser gebaut, schaffen es ganz ohne Bildschirm durch den Tag, haben vielleicht Rotzbälger oder kleine Engel oder einfach eine zufriedene Stunde erwischt. Ist doch für die eigentliche Aussage des Artikels egal. Vergleich macht dumm.

  2. Huhu Chris, danke für deinen Kommentar! So hatte ich das tatsächlich noch gar nicht gesehen, dass man es als Kritik an den anderen Müttern verstehen kann! So rum hab ich gar nicht gedacht, denn es war nicht so gemeint. Danke für den Denkanstoß! Liebe Grüße, Laura

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