Getrennt mit Ende 30: „Der Singlemarkt ist ein reiner Affenzirkus!“

Mein Name ist Nadine, dieses Jahr werde ich 40. Ich habe zwei Kinder und bin seit gut zweieinhalb Jahren Single. Mein Ex-Partner und ich sind sehr früh zusammengekommen, und irgendwann hatte wir uns auseinandergelebt.

Über Jahre haben wir ignoriert, was uns doch eigentlich täglich vor Augen geführt wurde: Wir liebten uns nicht mehr.

Es gab keine großen Dramen, nicht DEN einen Knall, der alles zerstörte.

Wir verstanden uns, aber eben wie Brüderlein und Schwesterlein. Körperlich ging schon ewig nichts mehr und unsere Freizeit verbrachten wir komplett getrennt mit unserem jeweiligen Freundeskreis.

Alles lief so vor sich hin. Ab und zu habe ich kurz daran gedacht, mich zu trennen, verwarf es aber immer. Oder vielmehr, verschob es auf später. ,Wenn die Kinder groß genug sind!`Ich hatte ja keine Not. Mit meinen Freundinnen ging ich aus und holte mir durch Flirts die Bestätigung, dass ich noch interessant war für die Männerwelt. Ob mein Ex es bei seinen Männerabenden ähnlich hielt, weiß ich bis heute nicht.

Also, es passierte aber irgendwann, was passieren musste.

Ich bekam einen neuen Kollegen und er war einfach heiß. Und dazu noch supernett. ,Zum Glück` war er vergeben und hatte kein Interesse an mir – aber ich war richtig verschossen in ihn. Das verging irgendwann, aber ich kam ins Grübeln. Was wäre gewesen, wenn er mich auch gut gefunden hätte? Hätte ich wirklich meinen Freund betrogen – der es nicht verdient hatte, schließlich war er ein toller Mann.

Ich überlegte weiter. War es wirklich das, was ich wollte? Ich hatte meine Kinder spät bekommen, es würde also noch ,ewig` dauern, bis sie groß genug wären, um eine Trennung zu überstehen. (Überhaupt, was war denn ,groß genug`? ) Und wollte ich noch Jahre über Jahre liebesmäßig und sexuell unausgefüllt verbringen?

Mein Glück war doch auch wichtig, oder?

So trennte ich mich schließlich. Alles klappte den Umständen entsprechend gut und nach einer kurzen Zeit hatten wir uns alle an die neue Situation gewöhnt.

Und ich begann, Dates zu haben. Durch die lange Phase unserer ,Entliebtheit` musste ich nicht trauern, mich nicht auf mich selbst besinnen etc. Das hatte ich schon alles hinter mir, ich fühlte mich frei und hatte Lust auf Dates und auch eine neue Liebe.

Da ich nicht mehr so oft ausgehen konnte wie vorher, versuchte ich es mit Dating-Portalen im Internet. Ich hatte viele Freundinnen, die dort schon lange registriert waren. Und viele, die es nicht mehr waren, weil sie dort einen festen Partner gefunden hatten.

Natürlich bekam ich schnell viele Nachrichten, die eindeutig von Vollidioten stammten oder von solchen, die mir mit der ersten Nachricht Nacktbilder von sich schickten. Das war mir dann doch zu viel.

Nach zwei Wochen fing ich an, mir regelmäßig mit einem sehr netten und lustigen Mann zu schreiben. Als ich aber zum x-ten mal fragte, ob wir uns nicht einfach mal treffen wollten, fragte er mich, ob ich noch ein halbes Jahr warten könne. Öhm… Warum? Na, weil er erst dann aus seiner Haft entlassen werden würde. Also nee, das war mir zu komisch, ich hatte kein Interesse daran, mir unnötige Komplikationen ins Leben zu holen. Ich brach den Kontakt ab. Was er verbrochen hatte? Ich weiß es nicht, aber er saß sicher nicht wegen Falschparkens in der Zelle und ich durfte doch meine Kinder nicht in Gefahr bringen.

Schließlich kam es zu den ersten Dates. Und ich kam mir vor wie im Irrenhaus, echt.

Kaum ein Mann sah so aus wie auf seinem Profilbild. Klar, auch ich hatte natürlich ein äußerst schmeichelhaftes Foto von mir ausgesucht. Und okay, es war auch schon vier Jahre alt, räusper…

Aber immerhin hatte ich noch genauso viele Haare wie auf dem Bild. Ich hatte zumindest in etwa dasselbe Gewicht. Ich habe wirklich blaue Augen und noch alle Zähne im Mund. Versteht ihr, was ich meine?

Ich will nicht zu oberflächlich erscheinen, aber irgendwie sind diese Datingportale doch darauf ausgelegt, dass man sich zumindest ein wenig attraktiv finden muss, um in Kontakt zu treten, oder?

Ein Mann, der wahnsinnig charmant geschrieben hatte, entpuppte sich beim Date als zutiefst verletzter Typ.

Das äußerte sich, indem er ganz furchtbar über seine Ex herzog – in einer Tour. Ich versuchte ein paar Mal, ihn zu bremsen, aber er hörte gar nicht mehr auf und erzählte dabei auch viele Intima, die ich lieber gar nicht gewusst hätte. Ich war saufroh, als ich zu Hause war und ignorierte seine Anrufe und E-Mails. Ich bin sicher nicht empfindlich, aber so schrecklich über seine Ex-Frau zu sprechen, das fand ich nicht in Ordnung.

Gleich zwei Männer gestanden mir, dass sie meine Hautfarbe (meine Mama kommt aus Afrika) extrem antörnend finden und wie es denn wäre, wenn wir jetzt direkt nach Hause gehen würden und…. Fand ich extrem abtörnend.

Einer hat sich in mich ,verliebt`– nach zwei Treffen – aber meine Kinder, nein, diese Altlasten (wie bitte!?) würde er bitte niemals kennenlernen, oder?

Und mit einem entwickelte sich tatsächlich über Wochen etwas scheinbar Ernstes. Bis er mir am Telefon erzählte, dass er seiner Tochter ein Bild von mir gezeigt hätte und sie gesagt hätte, dass ich doof aussehe. Seine Tochter ginge nun mal vor, also hätte es gar keinen Sinn mehr, dass wir uns sehen würden.

Ich weiß manchmal nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Dieser ganze Singlemarkt wird in den späten 30ern nicht besser – im Gegenteil. Es ist ein Affenzirkus. Jeder von uns hat schon viel erlebt und seine Eigenheiten, die man nur noch ungern aufgeben möchte.

Ich habe meine Trennung trotzdem nicht bereut, es geht mir noch viel besser, als ich es erwartet habe. Ich bin gespannt, ob ich nochmal einen ,vernünftigen` Mann kennenlernen werde. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Aber eines ist klar: Meine Kinder, die sind wichtiger als ein neuer Mann. Und wer sie als ,Altlasten` sieht, der gehört ganz sicher nicht in mein Leben.


Liebe Nadine, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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