Geburtsbericht – Natürliche Geburt mit Baby in Steißlage

Ich möchte euch von meiner Geburt berichten:

Ich habe mein Baby auf natürlichen Weg geboren, obwohl sie mit dem Po statt ihrem Kopf nach unten lag – in Beckenendlage.

Zuerst muss ich ein wenig ausholen und von der Schwangerschaft erzählen. Seit der 29. Schwangerschaftswoche lag meine kleine Bauchprinzessin in Beckenendlage (mit dem Po nach unten) und hatte es sich so richtig gemütlich gemacht. Ich hatte mir vorher nie darüber Gedanken gemacht, aber als meine Gynäkologin mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, das Baby trotzdem normal zur Welt zu bringen, sagte ich sofort „Ja“.
Weil eine Geburt dieser Art mit vermehrten Risiken verbunden ist musste ich ab der 30. Woche wöchentlich ins Krankenhaus, um die Kleine über Ultraschall vermessen zu lassen. Der Chefarzt nahm sich unserer an und unterstützte mich, es auf normalem Wege zu probieren. Von den Schätzwerten im Ultraschall (Gewicht und Kopfumfang) sprach nichts dagegen. Außerdem hatte ich bereits eine normale Geburt hinter mir (mein Sohn ist 10). Der errechnete Termin war der 12.05., ich trank schon Wochen vorher Himbeerblättertee, ging jeden Abend baden und viel spazieren.

Am 10.05. nachts um halb drei wurde ich wach und hatte leichte Wehen, allerdings schon in Abständen von acht Minuten. Meinen Verlobten wollte ich jedoch noch nicht wecken, die Wehen waren ja noch nicht stark, und er hatte sich sowieso zum Schlafen in die Stube gelegt, weil ich mal wieder zu laut geschnarcht hatte.
Also habe ich mir im Schlafzimmer den Fernseher angemacht und nebenbei versucht noch ein wenig zu dösen. Um halb vier ging ich dann in die Stube und weckte meinen Schatz, weil die Wehen doch stärker wurden. Er war sofort hellwach und aufgeregt (für ihn war es die erste Geburt), ich war aber immer noch total entspannt und schickte ihn erstmal unter die Dusche.

Anschließend ging ich duschen. Als ich mich anzog merkte ich dass die Fruchtblase gerissen sein musste, es tröpfelte ein wenig.
Um fünf Uhr morgens waren wir dann im Krankenhaus (ich wollte so lange wie möglich zuhause bleiben). Die Wehen kamen alle sieben Minuten und bei der ersten Untersuchung war mein Muttermund bei drei Zentimetern.
Der Chefarzt wurde sofort aus dem Bett geklingelt, weil er bei der Geburt anwesend sein sollte. Sämtliche Hebammen und Ärzte wurden aus der Bereitschaft geholt, und ein OP-Team wurde informiert, wenn es unter der Geburt Probleme geben sollte, würde ich sofort einen Notkaiserschnitt bekommen. Noch einmal wurde ein Ultraschall gemacht, um zu gucken, ob die Kleine sich vielleicht doch noch gedreht hatte…Fehlanzeige!
Um halb sieben wurde eine PDA gelegt. Nicht, weil ich zu starke Schmerzen hatte, sondern, weil es bei einer spontanen Steißgeburt immer gemacht wird, für den Fall, dass unter der Geburt „mit der Hand unten nachgeholfen werden muss, falls die Schultern hängen bleiben“ …Schon allein die Vorstellung da unten zusätzlich zum Baby noch eine Hand drin zu haben…AUTSCH!

Nochmal untersucht, Muttermund bei vier Zentimetern. Ein bisschen hinstellen, Becken kreisen, damit die Bauchprinzessin richtig nach unten rutscht.
Um neun Uhr wurden die Wehen plötzlich sehr stark. Mein Schatz war die ganze Zeit bei mir. Gab mir zu trinken, wischte mir die Stirn mit einem kalten Waschlappen ab, er war einfach toll.
Die PDA wurde einmal nachgespritzt, der Muttermund war inzwischen bei acht Zentimetern. Etwa 30 Minuten später hatte ich auf einmal gar keine Wehen mehr. Nochmal untersucht: Der Muttermund war vollständig eröffnet und die Kleine lag endlich weit genug unten im Becken! Also: Wehentropf!
Ab da ging (meiner Erinnerung nach) alles sehr schnell. Plöztlich waren drei Ärzte (Chefarzt und zwei Oberärzte) und 3drei Hebammen im Kreißsaal, und schon hatte ich Presswehen. Nach zwei Presswehen riskierte ich einen Blick zwischen meine Beine. Die Kleine war schon fast da! Die Beine, der Po, der Oberkörper war alles schon draußen, Zugegeben, ein komischer Anblick, wenn man bedenkt, dass die meisten Babys mit dem Kopf zuerst kommen.

Also noch EINMAL pressen! Und da war sie: Am 10.5. um 10:05 Uhr, unsere wunderschöne MARLA: 48cm groß (klein :D) und 3150g schwer. Der frischgebackene Papa durfte die Nabelschnur durchtrennen.
Ich hatte mich schon fest drauf eingestellt noch genäht zu werden, der Chefarzt sagte dann aber „Warum nähen? Sie sind weder gerissen, noch mussten wir schneiden!“ Wahnsinn!!! Und weil alles so komlpkationslos ablief, durften wir auch schon am nächsten Tag nach Hause.
Im Rückblick betrachtet war es eine absolute Traumgeburt, trotz der Beckenendlage.

Ich bin so dankbar, dass mir in dem Krankenhaus die Chance gegeben wurde, die Kleine auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Leider gibt es nur noch wenige Krankenhäuser, die diese Art von Geburten anbieten.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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