Frühchen-Power: Meine Zwillinge hatten nur 530 und 720 Gramm und den puren Willen, zu leben

Für manche Babys ist der Start ins Leben nicht leicht: Wenn ein Baby Wochen oder gar Monate zu früh auf die Welt kommt, muss es im schlimmsten Fall gleich um sein Leben kämpfen. Statt kuscheligem Kennenlernen bedeutet das für die jungen Familien oft lange Wochen im Schwebezustand irgendwo zwischen Glück, Liebe, Angst und Hoffnung.

Mit Geschichten aus unserer Community wollen wir allen Frühchen-Mamas Mut machen:

„Ich würde euch gerne von uns berichten. Um euch die Angst zu nehmen, Verständnis zu erreichen und weil es mir damals so sehr geholfen hat, von anderen Frühchen zu hören, die sich den Weg ins Leben erkämpft haben.

Am 1. April 2016 habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Ungeplant, aber sofort gewollt! Am 22. April dann die Überraschung: Zwillinge!
Unsere Freude war riesig, sofort. Die ersten Monate hatte ich sehr mit Übelkeit zu kämpfen, ansonsten war die Schwangerschaft aber komplikationslos. Keine Wehen, Muttermund toll, alles paletti.
Ich war in einer Gemeinschaftspraxis für die Vorsorgeuntersuchungen. Die ersten 14 Wochen wurde ich von derselben Ärztin betreut. Sie war es auch, die mir mitteilte, dass ich mit mono-di Zwillingen schwanger bin. Heißt: eineiig! Zwei komplett gleich aussehende Babys würden uns bald zu einer Familie machen ?. Ich war im Himmel!

Nach den 14 Wochen war die Ärztin leider nicht mehr da und ich war abwechselnd bei den anderen beiden Ärzten der Praxis. Selbst das große Screening war nach 20 Minuten erledigt, alles wirkte etwas hektisch.

Am 07.09.16 hatte ich einen normalen Termin. SSW 26+1. Bis dahin war immer alles super, nichts gab es zu beanstanden.

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Ich war voller Hoffnung, dass es so weiter gehen würde.
Die Ärztin machte den Ultraschall und ich sah sofort in ihrem Gesicht, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie rief einen Arzt dazu, der technisch versierter sei. Auch sein Gesichtsausdruck sprach Bände.

Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Die wenigen Minuten, bis er mir endlich sagte, was los ist, kamen mir vor wie eine Ewigkeit: Er war beunruhigt, dass ein Zwilling sichtlich kleiner war als der andere. Aber das sei bei zweieiigen Zwillingen nicht so dramatisch und könnte sich noch verwachsen – wir sollten nur zur Sicherheit mal ins Krankenhaus.

Erst da ging mir auf, dass die Ärzte bisher immer annahmen, ich sei mit zweieiigen Zwillingen schwanger! Als ich aufgeklärte, dass meine Jungs mono-di sind, wurde es noch hektischer. Der Arzt wurde richtiggehend wütend, weil niemand im Mutterpass eingetragen hatte, dass es eine mono-di Schwangerschaft ist. Ich bekam eine Überweisung ins Krankenhaus in die Hand gedrückt, und schon stand ich auf der Straße.

Auf dem Weg ins Krankenhaus drehte sich alles in meinem Kopf. Angst, dass etwas nicht stimmte, Wut auf die Ärzte, Hoffnung, dass doch alles gut war. Ich kam im Krankenhaus an und sofort wurde ein Ultraschall gemacht. Die Versorgung des kleineren Zwillings war miserabel. Also folgte die erste Lungenreifespritze und ein CTG. Danach noch ein Ultraschall. Da kämpfte der kleinere Zwilling bereits um sein Leben.
Ab da ging alles ganz schnell. Keine 30 Minuten später waren meine kleinen Jungs geboren. Um 17.09 Uhr und 17.10 Uhr wurde ich Mama, von zwei 530 und 720 Gramm schweren, kämpfenden, kleinen Babys.

Es war schrecklich. Ich fühlte mich leer, nutzlos, wund und hatte so große Angst wie nie zuvor in meinem Leben. Sehen konnte ich meine Kämpfer erst am nächsten Tag.

Am nächsten Morgen stand ich dann vor den Inkubatoren. Es ist kaum in Worte zu fassen was man empfindet, wenn man das erste Mal einen Blick auf diese viel zu kleinen, viel zu leichten, durchsichtigen kleinen Bündel Leben wirft. Die Masken zur Atemunterstützung fast größer als der Kopf, an jedem Arm und Bein ein Zugang, das rote Licht der Sauerstoffüberwachung durchleuchtet das gesamte Bein, die Miniaturwindel reicht bis über die Knie.

©Ann-Katrin Müller

Ich habe in diesen ersten Wochen so viel geweint wie gefühlt in den gesamten 24 Jahren meines Lebens zuvor nicht.

Meine Jungs mussten hart kämpfen. Ich bin so stolz auf sie. Auf meinen kleinen Silas, dem in seiner ersten Lebenswoche mit 480 Gramm ein künstlicher Darmausgang gelegt werden musste, da Teile seines Darms abstarben. Wenige Wochen darauf die nächste Not-OP, weil sich Darmschlingen verklebt hatten.

Auf meinen tapferen Malik, der eine Hernien-Op überstehen musste.

Sie beide mussten unregelmäßig beatmet werden, beide hatten eine schwere Neugeborenensepsis, beide benötigten mehrmals Bluttransfusionen. Beide sind mehr als einmal fast gestorben. Aber wir hatten auch viel Glück. Keine Hirnblutungen, sie atmeten ganz gut dafür, dass die Lungenreife keine Zeit hatte um zu wirken.

©Ann-Katrin Müller

Zu sehr ins Detail zu gehen würde den Rahmen sprengen und ich weiß auch gar nicht, ob ihr das lesen möchtet.

Aber es wurde alles gut. Einen Tag vor Weihnachten durfte ich nach langen 16 Wochen meine beiden Jungs nach Hause bringen. Mit 1970 Gramm und 2800 Gramm ging es endlich heim.

 

©Ann-Katrin Müller

Mittlerweile sind wir seit einem halben Jahr Zuhause. Malik beginnt zu krabbeln, Silas dreht sich, beide bekommen ihre ersten Zähne. Sie bekommen Physiotherapie und machen sich wirklich prima. Es wird sich noch zeigen, ob sie Spätfolgen haben, aber ich bin optimistisch. Denn dass meine Jungs kämpfen können, haben sie mehr als einmal bewiesen!

Wenn ihr selbst Gefahr lauft, Frühchen auf die Welt zu bringen, oder gar noch welche im Krankenhaus habt, lasst euch gesagt sein: Nur die stärksten Frauen werden zu Frühchen-Mamas! Ihr seid Superheldinnen! Eure Kinder kämpfen stärker und härter als jeder Löwe, es sind Wunderkinder!

Schreibt Tagebuch, kauft euch hübsche Mullwindeln die ihr nachts bei euch tragt und sie am nächsten Tag zu euren Wundern legt. MACHT FOTOS. Weint, schreit, schmeißt Tassen kaputt. Bewundert eure wunderschönen Kinder. Lacht auch mal mit den Schwestern, gönnt euch ein paar freie Stunden. Platzt vor Stolz und lasst auch die Zweifel zu.

Und an alle, die Freundinnen mit Frühchen haben und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen:
Meldet euch! Helft, wo ihr könnt, erwartet bitte nicht, dass eure Freundin in all ihrem Leid und der Angst um eure starke Schulter bittet.“

Ein paar kleine Helfer, die den Frühstart ins Leben einfacher machen:

1. Ein Baby-Octopus, so dass die Kleinen nicht an den Kabeln ziehen:

Ein Beitrag geteilt von steph reed & the hair boutique (@steph_thehairboutique2489) am

So süß:

Ein Beitrag geteilt von Victoria’s Crochet Avenue (@victoriascrochetavenue) am

2. Pampers Frühchenwindel in den verschiedenen Größen P-1 bis P-3 (Ab Oktober in Krankenhäusern erhältlich):

Eine Pampers in Größe P-3 im Vergleich zu einer Neugeborenenwindel

 

3. Schwere Handschuhe, die das Gefühl geben, Mama ist die ganze Zeit da. Und dafür sorgen, dass das Baby in der richtigen Position liegt:

4: Minikleine Babyoutfits: Sie werden von Organisationen wie Herzenssache ehrenamtlich genäht und an Frühchen verschenkt:

©Herzenssache

 

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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