Es gibt so einen Spruch, der heißt: ,Comedy is Tragedy plus Time.‘ Also, auch schlimme Sachen können mit genug Abstand lustig werden.
Und ich habe mir überlegt, ob man über das Thema Fehlgeburt auf der Comedybühne sprechen kann, weil uns das persönlich über ein Jahr sehr stark beschäftigt hat. Meine Frau hatte in zehn Monaten drei Fehlgeburten. Deswegen ist das jüngste Kind auch so spät gekommen. Das war nicht so geplant. Und das hat uns sehr stark beschäftigt. Inzwischen reden wir sehr, sehr offen darüber. Das haben wir am Anfang nicht gemacht.

Und ich überlege immer noch, ob man das in irgendeiner Form im Kabarett, in der Satire, in der Comedy benutzen kann, ohne dass es nur traurig ist oder nur schlimm. Ich bin noch nicht so weit, vielleicht ist noch nicht genug Zeit vergangen. Aber das sind schon Themen, die mich reizen. Gerade, weil das Thema Fehlgeburt zum Beispiel so viele betrifft. Die Dunkelziffer ist ja nochmal höher als die ohnehin schon große Statistik.
Ich glaube, gerade für Männer ist das noch ein Tabuthema. Weil sie denken: ,Ach, das betrifft mich ja gar nicht, es ist ja nicht mein Körper!‘ und so. Und da gibt es eben, und vielleicht ist das der Ansatz für die Comedy, statistische Betrachtungen, dass Männer sich so gut wie nie frei nehmen nach einer Fehlgeburt, weil sie sagen: Ich brauche keine Zeit, ich mache Routine, ich regle den Haushalt, ich mache das.‘
Und überraschend viele Männer werden dann so etwa zwei Wochen nach einer Fehlgeburt krank.
Sie melden sich krank mit einer kleinen Infektion, mit einer Entzündung, mit einem Bänderriss oder irgendwas anderem, dass sie akut benennen und begreifen und das sie ihrem Arbeitgeber auch begreiflich machen können. Und bleiben dann zu Hause, um heimlich, ohne öffentlich drüber zu sprechen, das abzutrauern, was sie doch halt empfinden.
Wir kommen ja immer weiter, auch als Männer, dass wir lernen: Gefühle und negative Gefühle sind okay! Und wir können die haben, wir können drüber sprechen und ich glaube, da ist noch ein bisschen Weg zu gehen, um auch Männern eine Sprache zu geben, damit umzugehen. Ich habe nämlich gemerkt, ich hatte dafür gar keine Sprache und es hat mich fast kaputt gemacht. Bis ich dann irgendwann bei einer ganz tollen Beratung gelernt habe, dass es okay ist, darüber zu sprechen. Seitdem mache ich das ganz offen und es hilft unheimlich.
Und wer weiß, warten wir nochmal ein bisschen ab. Vielleicht könnte das Kabarett ja ein Weg sein, Tabuthemen in Zukunft einfach nochmal neu anzugehen und es anzuregen, offen über sie zu sprechen.“
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Fehlgeburt: „Viele Männer trauern unter dem Deckmantel einer ,echten‘ Krankheit.“
Von
Laura Dieckmann
17. Februar 2026