„Es war wie eine Sucht: Ich habe in 17 Jahren 15 mal abgetrieben“

Als wir von dieser Geschichte gehört haben, waren wir sehr geschockt. Uns stockte der Atem. Es kling so grausam und unvorstellbar, es ist aber eine wahre Geschichte: Irene Vilar (48) hat in ihrem Leben 15 Schwangerschaften abgebrochen.

Als 16-Jährige verliebt sie sich in ihren Professor Pedro Cuperman, der zu diesem Zeitpunkt über 50 ist. Er liebt sie ebenfalls, bald heiraten sie. Er, der geniale, beeindruckende Mann, gibt ihr, die sich als unkultiviert und unwissend empfindet, Halt. Irene hat in ihrem kurzen Leben schon viel durch: Ihre Mutter nahm sich das Leben, als sie acht Jahre alt war, ihre Brüder rutschten in die Drogenabhängigkeit.

Was Pedro von Anfang an klarstellt: Er will frei sein und keine Kinder, sie würden nur die sexuelle Leidenschaft zerstören. Er verachtet Frauen mit Kinderwunsch geradezu. Sie aber wünscht sich eine Familie. Aus Furcht, sich gegen den übermächtigen Ehemann aufzulehnen, lässt sie die Pille heimlich weg. Und wird schwanger. Nun hat sie Angst – sie weiß, ihr über alles geliebter Mann würde sie verlassen und das Kind verachten, wenn sie es bekäme. Also treibt sie es ab.

Und damit beginnt der Teufelskreis: Sie fühlt sie mächtig, dass sie schwanger werden kann, und ohnmächtig, sobald sie es ist – weil sie weiß, dass sie kein Kind bekommen kann, ohne ihren Mann zu verlieren. Irene fühlt sich wie eine Drogensüchtige – ihr ist klar, dass es falsch und die Beziehung nicht gut für sie ist, aber sie kann nicht aufhören. Sie treibt ab, immer und immer wieder – 15 mal in den 17 Jahren ihrer Beziehung.

Irgendwann beginnt sie zu schreiben – und ihre Worte auf Papier zu sehen, hilft ihr, sich von ihrem Mann und aus dieser ungesunden Ehe zu lösen. Sie liebt ihn noch immer abgöttisch, aber weiß auch, dass dieser Mann der falsche für sie ist.

2003 findet sie endlich die Kraft, sich zu trennen – und nennt diese Jahre im Nachhinein die grauenvollste Zeit in ihrem Leben: Bestimmt von Feigheit, Abtreibungen, Obsession und Abhängigkeit.

Aber sie findet noch ihr Glück: Irene heiratet wieder und bekommt endlich ihr „sechzehntes Kind“ – eine Tochter. Heute lebt sie mit Mann und zwei Töchtern sowie zwei Stiefkindern in Colorado.

Über ihre Geschichte hat Irene ein Buch geschrieben: „Das sechzehnte Kind: Glück und Abgründe einer großen Liebe“. Erschienen im Verlag „Hoffmann & Campe“.

Als Mutter kann man das Buch nur schwer lesen. Weil dieses Buch und Irenes Geschichte schwer zu ertragen sind. Auf jeder Seite fragt man sich: was ist das nur für eine Frau? Voller Selbsthass und Zerstörung. Wie kann man ungeborenen Kindern nur so etwas antun? Wie kann sie heute einfach so weiterleben? Das Buch muss für sie eine Möglichkeit sein, ihre schrecklichen Taten zu verarbeiten. Ob sie jemals ihren Frieden finden wird? Das kann uns nur Irene selbst verraten.

Ihre Geschichte gehört leider zu den schrecklichsten, von denen wir je gehört haben.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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