Erziehung ist Gewalt! Warum wir unser Kind nicht erziehen

„Neben uns im Sandkasten sitzen eine Mutter und ihr Kind, etwas jünger als meine Tochter. Ich sehe, wie das Kind Sand wirft und freudig gluckst. Die Mama schimpft: „Nein. Das macht man nicht. Wenn du nicht aufhörst, gehen wir!“

Natürlich hört das Kind nicht auf. Es ist um die zwei Jahre alt, und findet Sandwerfen superspannend. Also nimmt die Mutter ihr Kind hoch und trägt es weg. Es weint, als sie es in den Buggy schnallt. „Ich habe dich gewarnt. Du brauchst jetzt auch gar nicht zu heulen.“, sagt sie. Ich komme nicht umhin, hinzuschauen. „Da muss man früh durchgreifen, sonst wird das nichts mit der Erziehung!“, ruft die Frau mir zu, als sie meinen Blick bemerkt, und geht.

Im selben Moment trifft mich eine Handvoll Sand am Bein. Meine Tochter Nana grinst mich an. Klar, dass sie den Impuls aufgreift. Sie wirft nochmal. „Pass auf, dass du mich nicht ins Gesicht triffst, das mag ich nicht.“, sage ich. Sie wirft noch ein paar Mal. Als ich merke, dass es mir unangenehm wird, schirme ich den nächsten Wurf schützend mit der Hand ab. „Lass uns den Sand lieber in deinen Eimer werfen.“ Nana setzte den Vorschlag gleich um, und ich muss an das weggetragene Kind denken.

„Sonst wird das nichts mit der Erziehung.“ Diesen Satz höre ich oft. Wir erziehen nicht. Das heißt nicht, dass mein Kind immer machen kann, was es will. Auch nicht, dass ich unkommentiert stehen lasse, wenn sie sich unangebracht verhält. Das wäre natürlich verantwortungslos. Kinder brauchen Orientierung. Ich gebe keine Verantwortung ab, ich verzichte lediglich auf Erziehung.

Ich denke wieder an das sandwerfende Kind und seine Mutter. Was ist denn bitte verantwortungsvoll daran, einen kleinen Menschen wegen seines Fehlers zu bestrafen? Drohungen, Standpauken, grobes Anfassen, Strafen und Belohnungen gibt es bei uns nicht. Nichts davon hilft wirklich, es unterdrückt maximal unerwünschte Symptome, macht Angst und Druck. Erziehung übt Gewalt aus. Sie macht es sich zur Aufgabe, ein Kind nach irgendwelchen Maßstäben zu formen, statt wirklich hinzusehen, vorzuleben, da zu sein. Erziehung missbraucht ihre Macht, damit es weniger ungemütlich für die Eltern wird. Und sei es, weil die Leute ja schon alle gucken. Wir kommunizieren auf Augenhöhe.

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Wutanfälle unserer Tochter begleiten wir ruhig und verständnisvoll. Symbolbild. Foto: Bigstock

Wir reden Gefühle nicht klein, sondern begleiten Wut und Tränen. Wir überlegen, warum sie nach uns haut, statt ihr Benehmen zu bewerten. Wir schlagen Lösungen vor, und wir wägen ab, ob ein Verhalten wirklich stört. Das geht auch ohne Gewalt, eben nicht von oben herab, wie Erziehung es tut. Für mich gehört zur Erziehungsfreiheit außerdem kindliche Selbstbestimmung dazu. Natürlich altersgerecht. Nana kann (noch) nicht entscheiden, wann wir vom Spielplatz nach Hause gehen, sie hat weder Zeitgefühl noch kann sie Entfernungen gut einschätzen. Aber ich zwinge sie weder Jacke noch Schuhe anzuziehen. Sie weiß am besten, ob ihr kalt ist. Sie weiß auch, wann sie Hunger hat und wieviel. Sie weiß, wann sie müde ist, und womit sie sich beschäftigen will.

Deswegen isst, schläft und spielt Nana selbstbestimmt. Das gilt auch für den Zugang zu Süßigkeiten und digitalen Medien. Ich coreguliere nur, wenn sie Hilfe braucht. Das finden viele Leute eigenartig. Wir nicht. Und es führt auch nicht zu schokoladefutternden fernsehsüchtigen Tyrannen. Meine Tochter liebt es im Bach zu spielen, kreativ zu sein, und sie bedient sich genauso selbstbestimmt am Obstkorb und dem Gemüse aus unserem Garten.

Ob der erziehungsfreie Weg einfach ist? Nein. Es bedeutet, mich ganz viel mit der eigenen Kindheit, mit Glaubenssätzen und Ängsten sowie kindlicher Entwicklung auseinanderzusetzen. Es bedeutet, viel Geduld zu haben und mir zu überlegen, was bei meinem Kind, von dem, was ich sage, eigentlich ankommt.

Ob ich es anders machen würde? Niemals. Wer Erziehung als Gewalt entlarvt hat, kann nicht mehr mit gutem Gewissen so leben wollen. Erziehung ist ein starres Korsett. Ohne sie sind wir frei, lebendig, kreativ und in echter Beziehung zu unseren Kindern.“

Vielen Dank, liebe Fiona, für diesen Gastbeitrag.

Foto: privat

Fiona Lewald (26) bloggt auf www.unverbogenkindsein.de über das Leben mit ihrer Tochter Nana (2). Auf dem Blog geht es um Erziehungsfreiheit und andere Elternthemen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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