Mutterrolle? Mama zu sein ist nicht nur ein Ponyhof

Was macht für mich eine gute Mama aus? Einfühlsam und liebevoll, gelassen und aufmerksam, so wollte ich sein. Das gelingt mir meistens ganz gut. Aber ganz ehrlich: nicht immer. Schon gar nicht zu Zeiten von Corona, in denen die Nerven blank liegen.

Jede Zeit hat ihr eigenes Bild von dem, was Mamas tun (oder nicht tun) sollten. Die Mutterrolle war bis vor nicht allzu langer Zeit davon bestimmt, dass man zuhause war, den Haushalt schmiss und die Kinder versorgte. Selbstverwirklichung gleich null. Zum Glück hat sich das geändert und die Rolle der Mutter ist vielschichtiger geworden. Allerdings hält ein anderes Phänomen Einzug. Denn kaum etwas prägt mein Bild der Mutterrolle so sehr wie die sozialen Medien. Ich würde sogar sagen: Es erhöht den Druck, ganz besonders auf Mamas wie mich, die ihr erstes Kind bekommen haben und mittendrin im ersten Babyjahr stecken.

Social Media? Ich habe keine Lust auf scheinbar perfekte Mutterrollen

Es gibt einige Mama-Influencer, die mit ein, zwei oder sogar fünf Kindern ein quasi perfektes Leben führen. Die Wohnung sieht aus wie eine Kulisse im Til Schweiger-Film, die Mamas haben täglich eine neue Outfit-Inspiration für ihre Follower und sind super happy, auch wenn die Nacht superkurz war.

Müde? Kein Problem, Filter drüber! Corona? Wir genießen die ausgiebige Zeit zuhause miteinander in jeder Sekunde! Sorry, aber ich werde den Eindruck nicht los dass mir da etwas vorgegaukelt wird … Zum Glück gibt es immer mehr Mamas, die auf Instagram ganz echt und ehrlich ihren Alltag zeigen. Das tut so gut!

 

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„Wenn eine Mutter sagt, dass sie müde ist, ist das alles, was sie meint! Sie hat nicht gesagt, dass sie ihren Sohn fallen lassen und vergessen will, dass er existiert. Wenn eine Mutter sagt, dass sie etwas Zeit allein haben möchte, nur sie, dann ist das alles, was sie meint! Sie sagt nicht, dass sie bereut, eine Mutter zu sein, und dass die Mutterschaft ein Fehler in ihrem Leben ist. Wenn eine Mutter sagt, dass sie Hilfe braucht, um Dinge zu erledigen, dann meint sie das genau so! Sie sagt nicht, dass sie unfähig ist. Wenn eine Mutter Nudeln zum Abendessen macht, bedeutet das nicht, dass sie an jeden Wochentag Nudeln macht und dass ihr Sohn/Tochter ein Kind ist, das kein Gemüse und Fleisch kennt. Wenn du ins Haus einer Mutter kommst und dem Chaos gegenüberstehst, bedeutet das nicht, dass dieses Haus jeden Tag chaotisch ist. Wenn eine Mutter sagt, dass sie gerne mit ihren Freunden ausgehen würde, ist das alles, was sie meint! Sie will nicht wieder „Single / keine Mutter“ sein und es genießen, als hätte sie keine Verantwortung. Wenn eine Mutter sagt, dass sie besorgt und ängstlich ist, dann meint sie genau das! Sie hat nicht gesagt, dass sie scheitert und schon gar nicht, dass sie ein Feigling ist. Wenn du hörst, wie eine Mutter laut wird, bedeutet das nicht, dass sie nur schreit, wahrscheinlich hat sie 300 Mal in normalem Ton gesprochen. Wenn du eine nervöse Mutter siehst, die kurz vor dem Wahnsinn steht, heißt das nicht, dass sie jeden Tag in dieser Situation ist. Es gibt einen Kontext, eine Gesamtsituation. Verurteilt nicht so schnell, und schon gar keine Frauen, die jeden Tag und immer ihr eigenes Leben zurückstellen, um alles für ein kleines Wesen zu geben, von dem sie weiß, dass es viel wichtiger ist als sie selbst. Es gibt auf der Welt niemanden, die so viel aufgibt, und so viel gibt, wie eine Mutter. Und sie verdient sehr viel Verständnis und weniger Verurteilung.“ 📷: @oliviaroepke Words: Charity Beth #dauermüde #müdemama #mamaleben #echtemamas #wirsindechtemamas #mamasein

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Ich liebe meine Tochter über alles, aber um fünf Uhr morgens möchte ich nur schlafen und bin alles andere als glücklich, wenn ich aus meinen Träumen gerissen werde. Ist so. Und bis zu ihrem Mittagsschlaf laufe ich meistens noch ungeschminkt im Schlabberlook durch die Wohnung #outfitoftheday … Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich nicht ständig vor Glück weinen könnte, wenn mein Kind lächelt? Das Leben mit Kind ist nicht jeden Tag ein Ponyhof. Und das ist auch total okay! Kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. Und jetzt, wenn ich nicht mit meiner Kleinen unbeschwert vor die Tür gehen kann, um jeden Spaziergänger einen großen Bogen machen muss und Treffen mit anderen Mamas wegfallen, fühle ich mich einsam.

Hebamme und Pampers-Expertin Christiane Hammerl beobachtet in ihrer Arbeit, welche Schwierigkeiten Mütter heutzutage immer wieder im Zusammenhang mit „der Mutterrolle“ haben: „Früher war die Mutter meist immer beim Kind und war klassisch für Haushalt und Kind da. Der Mann war der alleinige Versorger, der das Geld nach Hause bringt. In der heutigen Zeit ist die Frau selbständig, steht auf eigenen Beinen, geht arbeiten, liebt ihren Job und ist für die Kinder und den Haushalt zuständig. Oftmals eine Doppelbelastung. Die Mütter stellen ihre Bedürfnisse weit hinten an, erst kommt das Kind, der Haushalt, der Partner … da sind Konflikte vorprogrammiert.“

Sie rät deshalb: „Es ist wichtig, zu wissen was man selber möchte. Und: Man muss seine Wünsche und Bedürfnisse klar formulieren. Bei Unsicherheiten ist es sehr wichtig, offen und ehrlich mit dem Partner zu sprechen, klare Absprachen zu treffen, sich Arbeiten genau und gerecht aufzuteilen, Wünsche klar zu formulieren und auf eigene Bedürfnisse achten. Gemeinsam ist man stark.

Mutterrolle: Zwischen Glück und Langeweile

Ich glaube, es gibt wenige Phasen im Leben einer Frau, die so ambivalent sind. Als meine Tochter noch nicht auf der Welt war, war mir gar nicht klar, wie hoch der Wert eines selbstbestimmten Lebens ist. Ich träumte davon, das erste Babyjahr zu genießen. Ich wollte immer Mama sein. Meine kleine Familie ist mein größtes Glück

Aber ich ertappe mich hin und wieder bei dem Gedanken, dass mich die Mutterrolle nicht so erfüllt, wie ich es mir vorher ausgemalt habe. Seit ich ein Kind habe, würde ich manchmal einfach gerne meinen Kaffee warm und in Ruhe trinken, keine Breiflecken auf der Kleidung haben, und zwei Stunden in Ruhe mit Freundinnen telefonieren. Und seit Corona unser Leben diktiert, merke ich, wie langweilig 24 Stunden zuhause sein können. Und wie anstrengend: Wenn ich wegen des Schlafentzugs auf dem Zahnfleisch gehe. Oder wenn ich den ganzen Tag alleine mit meiner quengelnden Maus verbracht habe, weil wir wegen des Virus niemanden treffen dürfen. Manche Tage ziehen sich wie Kaugummi.

Hebamme Christiane empfiehlt den von ihr betreuten Frauen aktuell eine Mischung aus „in Kontakt bleiben“ und „achtsam allein sein“. Für Mütter ist es aus ihrer Sicht trotz beziehungsweise gerade aufgrund der aktuellen Situation wichtig, sich viel mit anderen auszutauschen, regelmäßig Telefonkontakt zu halten, sich zu Video-Calls verabreden. So bekommt man eine andere Perspektive und stellt fest, dass man nicht allein ist. Außerdem wichtig: Sich Auszeiten gönnen um einen Podcast zu hören, eine Tasse Kaffee auf dem Balkon trinken oder sich ein entspannendes Fußbad im Badezimmer gönnen. Alleine. Ganz in Ruhe. Auch wenn’s „nur“‘10 Minuten sind. Aber diese 10 Minuten geben und Kraft für‘s Weitermachen.

Sie stellt fest: „Als Mütter denken wir oft, wir sind nicht genug. Aber wir sind perfekt so wie wir sind. Jede von uns gibt gerade ihr Bestes. Jede so, wie sie kann. Und nicht jeder Tag ist gleich. Deswegen ist Ruhe und Entspannung so wichtig für uns. Um unsere Akkus wieder aufzuladen. Um jeden Tag wieder neu und voller Kraft zu starten. Was können wir machen, damit uns die Decke nicht auf den Kopf fällt? Wie wäre es mit Komplimenten an uns selbst? Entspannt euch mit einer schönen Gesichtsmaske, gönnt euch eine klare Auszeit, fordert diese ein. Diese Pause steht euch zu, macht klare Absprachen und wechselt euch ab, damit jeder zu seiner Pause kommt.“

Erfüllung der Mutterrolle: Die eigene Balance

Vor allem im ersten Jahr mit Baby steckt man zurück: weniger Schlaf, ein neuer (oft fremdbestimmter) Tagesablauf und kaum Zeit für sich selbst. Das ist total normal. Manche Tage laufen besser, manche schlechter.

Diese drei kleinen Lifehacks helfen mir im Mama-Alltag und bringen mich in Corona-Zeiten auf andere Gedanken.

1. Tiiiief durchatmen mit Apps

Seit ich Mama bin und der Alltag stressiger geworden ist, atme ich ziemlich flach. Seit wir 24/7 zuhause hocken, bleibt mir manchmal erst recht die Luft weg. Aber schon eine Minute tiefe Atmung (vor allem eine lange Ausatmung) kann Stress abbauen. Es gibt dafür sogar Apps: Breathe+ und die fast gleichnamige App breathe. Musik und eine farbige Welle helfen, sich das Ein- und Ausatmen bewusst zu machen. Man ist wirklich schon nach wenigen Sekunden viel entspannter!

Oder macht gleich hier bei der Animation mit. Da gilt keine Ausrede mehr 😉 Los geht’s: Ein … aus … ein … aus …

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2. Think pink!

Was gut lief, lustig war, wofür ich dankbar bin und was trotz Corona wunderschön ist, schreibe ich auf rosa Post-Its. Jeden Tag mindestens einer ist das Ziel! Die klebe ich an den Badezimmerspiegel und Kühlschrank. Wenn ich diese dann im Vorbeigehen etwas lese wie z.B. „Der begeisterte Gesichtsausdruck meiner Kleinen, als sie das erste Mal Erdbeeren probiert hat“, hebt sich die Stimmung ganz schnell wieder.

3. Den Tag entspannt beenden

Ich bin ein Yoga-Fan. Wusstet ihr, dass manche Übungen sogar bei Schlafstörungen helfen? Mit Baby reicht meine Zeit nicht mehr, um eine volle Stunde Yoga zu machen. Aber es gibt auch kurze Sequenzen, die man einfach abends im Bett macht. Das hilft mir, runterzufahren.

 

Unperfekt perfekt in der Mutterrolle: Wir sind alle großartige Mamas!

 

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#Mama oder #Papa zu sein, ist wunderschön. Unser kleiner Schatz strahlt uns an und wir sind #glücklich. Doch natürlich macht man nicht immer alles zu 1000 Prozent und ab und zu zweifelt doch jeder mal an sich selbst. Vor allem in ungewöhnlichen Situationen wie aktuell, ist nicht alles rosig. Trotzdem sollt ihr alle wissen: Ihr macht das ganz großartig! 💪🏻Wer das auf jeden Fall mal wieder hören sollte?❤️ #pampers #pampersde #quote #zusammenhalt #elternschaft #familylove

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Wenn ich negative Gefühle bezüglich meiner Mutterrolle hatte, fühlte ich mich oft schlecht. Aber: Das bedeutet überhaupt nicht, dass ich eine schlechte Mutter bin oder mein Baby nicht genug liebe. Ganz im Gegenteil, meine Liebe ist so groß, dass ich meine eigenen Bedürfnisse so oft hintenanstelle. Jede Mama macht das Beste für ihr Kleines und erfüllt die Mutterrolle mit vollem Herzen und so gut es ihre Kraft hergibt!

Lena Lang

Lena Lang wohnt mit ihrem Mann und ihrer knapp einjährigen Tochter im Herzen Hamburgs. Ihr Mantra für ein entspanntes Leben mit Kleinkind lautet: „Alles ist nur eine Phase“.

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