Verhaltensauffälligkeiten durch Reizüberflutung?
„Die meisten Verhaltensprobleme kommen heutzutage daher, dass Kinder zu viel Zeug haben und ein Leben führen, das zu schnell ist“, so Kim John Payne, der Autor des US-Bestsellers „Simplicity Parenting“.
Um das zu beweisen, führte der Autor eine Studie durch. Er vereinfachte das Leben von Kindern mit diagnostiziertem ADS nach seiner Theorie. Nach nur vier Monaten seien 68 Prozent der Kinder als klinisch unauffällig eingestuft worden. Auch die kognitiven Fähigkeiten stiegen in dieser Zeit an, und zwar um ganze 37 Prozent.
Somit wurden die Kinder nicht nur ruhiger, sondern konnten sich auch deutlich besser konzentrieren, was, so Payne, zu deren innerer Zufriedenheit beiträgt. Glücklichere Kinder durch Minimalismus, so das Konzept: „Kinder brauchen Zeit, sie selbst zu werden, durch Spiel und soziale Interaktion. Überfordert man ein Kind mit Spielzeug – mit Entscheidungen und Pseudoentscheidungen -, bevor sie bereit dafür sind, werden sie nur eine emotionale Geste kennen: mehr!“
Haben Kinder zu viele Spielsachen, können sie sich nicht auf ein Spiel konzentrieren, wechseln vom einen zum anderen. Reduziert man die Auswahl auf einige, wenige Dinge, so wird das Spiel intensiver. Die Kinder können tiefer eintauchen und konzentrieren sich wesentlich länger, weil sie weniger Ablenkung haben. Sie werden kreativer und haben mehr Zeit, um nachzudenken, sich zu entspannen, frei zu spielen.

Freizeitstress ist ebenfalls ein großes Problem
Doch die Berge an Spielzeug sind nicht die einzigen, die man abtragen sollte. Auch die Freizeit sollte vor allem aus freier Zeit bestehen. Hobbys wie Ballett, Fußball, Musikschul-Unterricht, Wissenschaftskurse etc. sollten nur dann ausgeübt werden, wenn das Kind auch wirklich große Freude daran hat.
Möglichst wenige Punkte auf dem Terminkalender bedeuten laut Payne ein langsameres, achtsameres Leben, Davon profitieren das Kind, weil sie dadurch ganz einfach mehr Zeit haben, um die Welt zu entdecken.
Zu viele Details und Möglichkeiten überfordern das Kind
Die nächsten zwei Dinge, die man vereinfachen sollte, sind Wahlmöglichkeiten und Information. Eltern tendieren dazu, ihren Kindern alles ganz genau und haarklein zu erklären. Doch das würden sie oft zu früh tun und die Gehirne der Sprösslinge damit überfordern.
Kindgerechte, knappe Erklärungen seien völlig ausreichend, zumindest in den ersten Lebensjahren. Auch dass man gerne mal dem Kind die Wahl lässt, ob es diese oder jene Jacke anziehen will, ob es lieber dieses oder jenes essen, spielen oder tun möchte, sei ein „zu viel“. Payne plädiert dafür, dass Eltern starke Anführer sein sollen. Wohlgemerkt meint er damit nicht, eine Diktatur zu starten, sondern lediglich die Wahlmöglichkeiten auf ein sinnvolles Maß zu beschränken.
Machen wir das nicht, verändern wir laut Payne nicht das Leben unserer Kinder in ein Umfeld, in dem sie sich sicher fühlen und keinem Überfluss an Dingen und Informationen ausgesetzt sind, so kann das zu Depressionen und Burn-Out führen – wie eben auch bei Erwachsenen, die zu viel arbeiten, zu viel Stress haben und eine zu große emotionale Last auf ihren Schultern tragen.
Man mag diesen Ansatz finden, wie man möchte, aber: Dass das alles nicht nur graue Theorie und Gequatsche eines Autors ist, beweisen die vielen Mama-Bloggerinnen, die das schon ausprobiert und für gut befunden haben. Einige gehen sogar noch weiter und leben vollkommen spielzeugfrei.
Hallo Rebecca,
danke für den schönen Artikel! Das Buch erscheint jetzt übrigens, nach 10 Jahren, aktualisiert auf Deutsch! Bin gespannt, ob sich in den 10 Jahren viel verändert hat, das Thema ist wahrscheinlich heute aktueller denn je.
Liebe Grüße!
[…] Sogar die Kleinsten stehen heute schon unter enormen Druck, z. B. durch den Kindergarten und andere Freizeitaktivitäten. Und das schon im frühesten Alter! […]
Sehr schön Danke ❤️?