Eine Nacht ohne Kind! Wohin mit all der Freiheit?

„Tschüß, meine Maus, bis Sonntag abend! Ganz viel Spaß und vergiss mich nicht!“

So verabschiedete ich mich vor Kurzem von meiner Tochter, bevor sie mit ihrem Papa zur Vorschule losradelte. Mittags sollte ihr Opa sie abholen und bis zum nächsten Tag mit zu sich und Oma nehmen. Sie schlief das erste Mal seit Längerem wieder „außerhäusig“.

Es ist absolut albern, aber ich war schon ein bisschen wehmütig. Aber dann besann ich mich und begann, mich auf das Wochenende zu freuen. War ja auch nicht so schlecht, mal so viel Zeit zu zweit vor sich zu haben!

All das tun, was wir vor der Geburt unserer Kleinen so getan haben.

Ehrlich, so ganz genau wusste ich gar nicht mehr, was wir da so groß anderes getan hatten – aber es musste spektakulär gewesen sein! Verrucht, rockstarmäßig wild und sexy! Es würde mir schon noch einfallen…

Okay, ich fuhr also tiefenentspannt ins Büro. Heute musste ich mal nicht die Uhr im Auge behalten, um meine Kleine pünktlich abzuholen. Konnte auch ein paar Minütchen länger machen, schließlich war mein Freund auch noch länger bei der Arbeit.

Am Ende arbeitete ich zwei Stunden länger als sonst.

Wild, ne? Aber, hey, immerhin konnte ich ein paar Dinge erledigen, die ich schon ewig auf dem Zettel hatte.

Kurz nachdem ich zu Hause ankam, kam auch schon mein Freund. Einer seiner ersten Sätze war: „Ach, eine Wäsche könnten wir noch schnell anmachen, ne?“

Wie bitte!? Wäsche war etwas, von dem ich dieses Wochenende eigentlich nur in Zusammenhang mit „gegenseitig vom Körper reißen“ oder so hören wollte. Aber da lief die Maschine auch schon.

Ach, was soll´s. Ich verzog mich ins Kinderzimmer, wo ich die Abwesenheit meiner Tochter nutzen wollte, um KURZ heimlich ein wenig Spielzeug auszusortieren.

Zwei Stunden später kam ich mit zwei Müllsäcken aus dem Zimmer.

Und war total erledigt. Da klingelte aber auch schon der Pizzabote.

Ich schwöre – wäre nicht Corona gewesen, hätte ich meinen Freund ins Restaurant und dann in eine Cocktailbar geschleppt – um anschließend tanzen zu gehen. Ehrlich! Glaube ich zumindest…

Insgeheim waren wir beide aber, glaube ich, nach der langen Woche ein bisschen froh, mit dem bestellten Soulfood auf dem Sofa landen zu können. Immerhin mal wieder zu zweit und vor unserer Lieblingssendung. Jahaaa, auch das kann romantisch sein!

So wurde es ein gemütlicher Abend. Für etwa zwei Stunden.

Dann ging mein Freund duschen und die Wäsche aufhängen (na, wer wollte sie denn unbedingt anmachen, he?!), ich schaute alleine „meine“ Serie.

Ich überlegte erst noch kurz, mit unter die Dusche… Oh nöö, irgendwie war ich dank einer großen Pizza Funghi doch zu phlegmatisch dafür.

Irgendwann lagen wir dann im Bett – und schliefen sofort ein. Aneinander gekuschelt, ja. Das sind wir sonst aber auch, wenn unsere Tochter nicht die Mitte des Bettes erobert.

Das Ausschlafen war einfach herrlich. Noch herrlicher war es aber tatsächlich, dass die Wohnung  so ungewohnt ordentlich aussah – sogar noch, nachdem wir gefrühstückt hatten!

Ein Traum. Eigentlich.

„Mensch, schon komisch, ne? So ruhig hier….“

Das kam übrigens nicht von mir! Gedacht hatte ich es aber auch schon…

Schon bald mussten wir los und unsere Tochter abholen. Und ja, wir haben uns auf sie gefreut. Und nein, es gab keine wilde, orgiastische Sause, während sie weg war.

Kurz überlegte ich, ob das etwas Schlechtes bedeuten würde. Für uns als Paar.

Aber nö, ich kam zu dem Schluss, dass es eher etwas Gutes war. Wir beide waren uns genug und wir sind sehr happy. Jeder für sich und vor allem auch miteinander – trotz des Alltags, den es natürlich gibt (hey, wir sind diesen Monat 15 Jahre zusammen!). Mit unserer Tochter sind wir aber inzwischen erst richtig komplett und es war jetzt kein mega Highlight für uns, dass sie mal weg war. Denn wir können auch wir selbst sein und Dinge tun, die wir lieben, wenn sie da ist. Weil wir uns gegenseitig den Rücken freihalten. Es gibt sexy Nächte und ganz viel Liebe bei uns – aber auf Abruf muss das nicht mehr sein.

Ein echtes Highlight war dagegen das Haus meiner Schwiegereltern beim Abholen – es sah aus, als ob eine Bombe eingeschlafen hätte. Endlich sah es auch mal bei anderen so richtig kacke aus, he, he. Unsere Tochter erklärte uns ausführlich, was sie wo überall gespielt hatte. (Und wann – Oma hatte um 4.15 Uhr mit ihr Verstecken gespielt, weil sie nicht mehr schlafen konnte.)

Es hat alles wunderbar geklappt, wir drei hatten jeweils einen schönen Abend – und beim nächsten Mal weiß ich dann, dass ich einfach gar nichts plane. Es wird bei uns alles so ähnlich laufen wird wie immer.  Weil das eben gut so ist.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Schön geschrieben!
    Ich glaube bei uns wäre das ganz ähnlich. Außer das ich sicher noch geplant hätte mal gaaaaanz in Ruhe unter die Dusche zu springen und meine Haare ganz in Ruhe zu frisieren wie früher😅 abgesehen davon würde ich wahrscheinlich auch ganz viel aufräumen (Sachen die schon länger liegen geblieben sind)

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