Eine Mutter will Kanzlerin werden. Punkt. Oder?

Seit ein paar Tagen ist bekannt, wen die Grünen als Kanzlerkandidatin „abgestellt“ haben: Annalena Baerbock.

Seit 2018 steht sie mit Robert Habeck an der Doppelspitze der Partei. Und kennt es seitdem, unterschätzt zu werden! Die „Frau an Roberts Seite“ wurde sie zu Beginn oft genannt. Aber sie schaffte es, sich aus dem Schatten ihres Co-Chefs zu befreien. Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt wurde sie mit 97 Prozent der Stimmen wiedergewählt – das beste Wahlergebnis jemals bei der Wahl zum Parteivorsitz.

 

 

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Und nun also Kanzlerkandidatin.

Schon länger hatte sie klargemacht, dass sie sich das Kanzleramt zutrauen würde. Und zwar mit herrlich pragmatischen, für die Politik ungewohnt bescheidenen Worten, wie u.a. BR berichtet: Niemand sei als Kanzler vom Himmel gefallen, alle müssten im Amt dazu lernen.

Dan räumt sie zwar ein, dass sie bisher kein Regierungsamt hatte – dafür aber internationale Erfahrung und eine europäische Verankerung, die andere erst dazulernen müssten.

Die gute Nachricht ist ja, dass es zumindest keinen großen Aufschrei gibt, dass eine Frau (!) sich ums Kanzleramt bewirbt. Das kennen wir ja schon alle. Aber: Eine Mutter!? Das kommt vielen dann doch etwas spanisch vor.

Und so beantwortet Annalena Baerbock seit Tagen Fragen zu diesem Thema, ob diese nun direkt oder indirekt gestellt werden. Wie soll das gehen, ihre Mutterrolle und die Spitzenpolitik zu vereinbaren!?

Wahrscheinlich ist das sogar eine berechtigte Frage: Lange Marathonsitzungen, Reisen um die ganze Welt, ständig enormer Druck: Ist das Kanzleramt wirklich gut mit einer Elternschaft vereinbar? Die Frage ist ja nur: Wieso wurde und wird diese Frage nicht Armin Laschet, Olaf Scholz oder Markus Söder gestellt? Nicht ein Mal?

Und, um schon mal früher anzusetzen: Weiß man bei denen überhaupt, ob sie Väter sind? Ich nicht – interessiert halt auch niemanden.

Es ist einfach verdammt nochmal kein Thema. Und das ist es, was so falsch ist an dieser Denkweise.

Was Annalena Baerbock dazu sagt? Sie habe das Ganze natürlich mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern im Grundschulalter besprochen. Und: „Die Entscheidung, Spitzenpolitik zu machen, habe ich für mich getroffen, als ich Vorsitzende unserer Partei geworden bin.“ Sie habe aber schon damals klargemacht, dass sie als Spitzenpolitikerin nicht aufhöre, Mutter zu sein. „Das gilt aber genauso, wenn man Vorstandsvorsitzende oder Krankenschwester im Schichtdienst ist.“

Ich glaube, um Annalena Baerbock und ihre Kinder muss man sich keinerlei Gedanken machen, wenn sie Kanzlerin werden sollte. Und es ist zu hoffen, dass dann andere Themen im Focus stehen werden.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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