Eigentlich wollte ich doch noch… Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest

Unsere Nacht war heute bescheiden. Viel zu oft warst du hungrig, durstig oder voller Sehnsucht nach deiner Mama. Als der Morgen graute, wurde ich langsam ungeduldig, ich war müde und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Außer: Wenn du nachher am Vormittag dein erstes Schläfchen hälst und Papa bei der Arbeit ist, dann hab ich endlich, endlich ein wenig Zeit für mich!

Dann schliefst du endlich auf meiner Brust ein und es wäre an der Zeit für mich gewesen, MICH. Wie lange will ich schon mein Buch weiterlesen oder endlich mal wieder Yoga machen? Jippieh, und loooooo….

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Mensch, okay, jetzt lege ich dich gleich aber in dein Bettchen. Dort schläfst du noch ruhiger und ich kann sorglos herumpusseln, weil du nicht herausfallen kannst. Und dann könnte ich zumindest kurz duschen – und mir vielleicht sogar mal wieder die Wimpern tuschen!

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Na gut, aber die Spülmaschine, die könnte ich wirklich ausräumen – und natürlich neu ein, schließlich steht da noch das ganze Geschirr vom Frühstück! Und, oh je, die nasse Wäsche muss dringend aus der Maschine, sonst mieft sie so, dass ich sie nochmal waschen muss. Dann wird der Wäscheberg im Schlafzimmer ja niemals kleiner! Hat Papa eigentlich noch genügend saubere Hemden für den Job?

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Ah ja, dahinten liegt ja mahnend die Post der ganzen Woche, die wollte ich heute noch dringend durchgehen. Ob  da wohl Rechnungen bei sind?  Könnte sein… Da muss ich wirklich ganz dringend nachsehen!!! Aber…

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Ih, unter meinen Füßen klebt es richtig. Kekskrümel von mir und Reste von diesen furchtbaren Maissnacks, die du so liebst. Hihi, jetzt fängst du schon an zu snacken. Wie lange ich dich wohl noch stillen werde… Na, wurscht, ich muss aber gleich saugen, schließlich robbst du hier immer lang.

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Hoffentlich schläfst du nicht zuuuu lang, wir müssen es irgendwie auch noch zum Einkaufen schaffen. Wir haben gar nichts zum Abendessen. A propos, ich hab jetzt schon Mordshunger. Eigentlich wollte ich mir heute Nudeln mit Spinat kochen, da hab ich seit Tagen Lust drauf. Hungeeeeeerrrrrrrrrr!

Egal, jetzt halte ich dich erstmal ganz fest.

Und schaue dich an. Deine langen Wimpern, diese winzige Nase und die pummeligen Wangen. Ich präge mir alles genau ein. Denn du wächst so schnell, ich habe das Gefühl, dass du schon morgen wieder anders aussiehst. Deine kleine Hand umfasst im Schlaf meinen Daumen und dein süßer Babyduft steigt mir in die Nase.

Ich bin voller Glück und Liebe. Ja, ich wollte noch so viel tun. Aber all das kann warten – nur du und ich nicht, dieser Moment. Denn den gibt es nur jetzt.

Und deswegen halte ich dich erstmal ganz fest. Wieder einmal. Bis du aufwachst und dein Babylachen die Wohnung erfüllt.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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