Dürfen Mütter gehen? „Ich habe meine Kinder bei ihrem Papa gelassen.“

„Schon lange lief es zwischen mir und meinem Mann nicht mehr gut. Wir lebten nebeneinander her, planten unsere Wochen um die zwei Kinder und unsere Jobs herum.

Es gab keinen Streit, alles war ruhig und ja, auch harmonisch. Wahrscheinlich wäre alles bis zu unserem Lebensende so weitergelaufen, und niemand hätte dabei wirklich gelitten. Zumindest offensichtlich.

Aber: Glücklich war ich nicht.

Lange redete ich mir ein, dass es eben so sei. Ich hatte ein ,gutes Leben`, eine große Wohnung, einen netten Mann, der zudem ein unglaublich toller Vater war. Wir fuhren zweimal im Jahr in den Urlaub, hatten zwei Autos, keine Geldsorgen. Theoretisch hatte ich alles. Ich redete mir ein, dass es ganz normal sei, dass die Spannung, die Anziehung und ja, auch diese intensive Liebe im Laufe der Jahre und vor allem, wenn man dann Kinder bekam, abnahm. Sich etwas anderes zu wünschen, war meiner Meinung nach einfach eine unrealistische Träumerei.

Innerlich aber fühlte ich mich immer leerer.

Ich musste mir eingestehen, dass alles, was ich mir immer so für mein Leben vorgestellt hatte und worauf ich stetig hingearbeitet hatte – gar nicht so viel mit mir zu tun hatte.

Ich liebte und liebe meine Kinder unglaublich, das ist keine Frage! Aber ich liebe auch mich. Und mich nur um sie zu drehen, das war mir zu wenig. Immer häufiger hatte ich das Gefühl, dass ich zu kurz kam, viel zu kurz. Und ich bin nicht der Typ, der zur völligen Selbstaufgabe neigt.

Irgendwann wusste ich, dass ich kaputt gehe, wenn ich in dieser Konstellation bleibe. Ich sprach mit meinem Mann, der wenig überrascht war. Er kannte mich gut genug, um zu wissen, was schon so lange in mir brodelte.

,Was ist mit den Kindern?‘

Das war daher auch seine erste Frage. Ich schwieg. Ich schämte mich. Es tobte in mir.

Meine kleine Tochter, damals gerade sieben Jahre alt. Und ihr Bruder, 12 Jahre alt. Ich liebte sie so sehr, ich war meinem Mann so dankbar. dass wir beide diesen wundervollen Geschöpfe bekommen haben.

Aber: Sie kamen in den Planungen meines neuen Lebens nicht wirklich vor. Bisher hatte ich das erfolgreich verdrängt, nun musste ich vor mir und meiner Familie ehrlich sein.

,Ich weiß es nicht`, gab ich zu.

,Du weißt es nicht!? Das haben unsere Kinder nicht verdient!‘ Diese Worte meines Mannes trafen mich ins Herz, er hatte recht. ,Dann lass sie bei mir. Wir erklären ihnen das. Aber lasse sie nie hören, dass du dir keine Gedanken um sie gemacht hattest.`

Wir sprachen lange an diesem Abend, und bereits am Morgen danach machte ich mich auf Wohnungssuche. Für mich war klar, dass ich in der Nähe meiner Familie bleiben wollte.

Als ich schließlich eine Wohnung gefunden hatte, bei der alles passte, eröffneten wir den Kindern, was Sache war. Meine Tochter weinte viel, ihr Bruder steckte es scheinbar besser weg.

Als wir ihnen sagten, dass sie bei ihrem Vater wohnen bleiben werden, weinte meine Tochter noch mehr. Und mein Sohn wurde wütend. Er fühlte sich von mir verraten.

Inzwischen wohne ich drei Jahre alleine.

Ich habe einen neuen Job, der mich auf Trab hält. Ich habe neue Hobbys, die mich ausfüllen.

Eigentlich ,sollten` meine Kinder jedes zweite Wochenende zu mir kommen. Das machen sie – meistens, aber auch nicht immer. Zudem sehen wir uns ab und zu auch zwischendurch.

Ich habe das Gefühl, sie haben mir längst verziehen, dass ich gegangen bin. Ihr Vater ist ihr Vertrauter, ihr Zuhause. Das tut mir manchmal weh – aber ich muss uneigennützig einsehen, dass ich es so wollte. Und dass er es einfach viel besser drauf hat, dieses Elternding. Er kann es besser und es macht ihn glücklich.

Wir haben unseren Frieden gefunden als Familie.

Nur meinem Umfeld fehlt nach wie vor das Verständnis. Es will einfach niemandem in den Kopf, dass ,eine Mama ihre Kinder verlässt!`

,Wie hälst du das nur aus? Ich könnte niemals ohne meine Kinder leben,‘ ,Was bist du nur für eine Mutter.`,Bereust du es, Kinder bekommen zu haben?‘

All diese Sprüche und Fragen habe ich schon so oft gehört. Und versuche, sie zu ignorieren.

Ich bin glücklich, so wie es ist. Endlich! Und auch mein Mann und meine Kinder sind es.

Meint ihr, wenn er von uns gegangen wäre, hätte er als Mann sich jemals all diese Fragen anhören müssen?“


 

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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