„Du wolltest doch Kinder!“ Warum dieser Satz ein Schlag ins Gesicht ist

„Ja, aber – Du wolltest doch ein Kind!“

Das, liebe Leute, ist die denkbar schlechteste Reaktion, wenn sich eine Mama mal beschwert. Es ist sogar eine echte Frechheit.

Mamas haben viele Gründe, glücklich zu sein.

Sie haben einen kleinen Menschen auf die Welt gebracht oder zu sich genommen. Sie erleben immer wieder kleine und große Wunder – und erste Male, die so unglaublich aufregend sind, dass man es sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Sie erfahren eine ganz eigene Art der Liebe, die meist völlig bedingungslos ist.

Und das sind nur einige der Gründe.

Mamas haben viele Gründe, sich zu beklagen.

Sie bekommen oft abartig wenig Schlaf. Sie ertragen lautstarke Wutanfälle und jede Menge „Ungerechtigkeiten“ ihrer Kinder. Sie stellen so manches Mal ihre eigenen Bedürfnisse hintenan und sind viel zu oft geplagt von Zweifeln, ob sie denn auch alles richtig machen. Das machen sie übrigens in den meisten Fällen, zumindest soweit es denn „richtig“ überhaupt gibt – dafür rechtfertigen müssen sie sich aber trotzdem ständig.

Und das sind nur einige der Gründe.

Und, ein für alle Mal: Das eine hat rein gar nichts mit dem anderen zu tun.

Wenn eine Mama sich mal beschwert, sich ausweint oder -kotzt, traurig oder verzweifelt ist oder sagt, dass sie eine Pause braucht, ja, auch eine Pause von ihrem Kind – dann heißt das nicht, dass sie nicht auch glücklich ist. Glücklich, ihren größten Schatz täglich in den Armen halten zu dürfen. Glücklich, einen kleinen Menschen bei seinen ersten Schritten ins Leben begleiten darf. Glücklich, Mama sein zu dürfen.

Aber niemand kann 24 Stunden am Tag nur glücklich sein.

Dazu sind die Gefühle viel zu intensiv, die das Mamasein mit sich bringt. Es ist eben nicht immer nur alles rosarot, das ist es nie, wenn Menschen zusammen sind.

Und wenn eine Mama sich nun mal ausweint oder beschwert, dann ist das ihr gutes Recht. Es ist ihr „Dampf ablassen“, ihre Mini-Therapie.

Ja, sie wollte ein Kind. Ja, sie liebt es über alles. Nein, sie würde um nichts in der Welt tauschen wollen. Und trotzdem kann sie auch mal etwas Negatives über ihr Leben als Mama sagen.

Das Letzte, was sie dann braucht, ist Kritik. Denn sie beschwert sich wirklich selten, und wenn, dann mit einem höllisch schlechten Gewissen ihrem Kind gegenüber.

Die richtige Reaktion darauf?

Nehmt die Mama fest in eure Arme. Macht ihr einen Kaffee oder einen Gin Tonic. Lasst sie fluchen und weinen, auch lange und laut, wenn sie das möchte. Zeigt ihr, dass das völlig okay ist.

Sagt ihr, dass sie einen tollen Job macht als Mama und dass es ihr Kind nicht besser hätte treffen können. Dass ihr versteht, dass sie müde und genervt ist. Sagt ihr aber bitte nie mehr eines, und zwar:

„Ja, aber – Du wolltest doch ein Kind!“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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